Naumer Hans-Jorg Allianz GI

Allianz GI : Der Weg des geringsten Widerstandes

Allianz GI : Die Märkte strebten in die abgelaufene Woche hinein weiter nach oben, wobei der S&P 500 bereits in der Woche zuvor um beeindruckende 3,8% zugelegt …

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Von Dr. Hans-Jörg Naumer Director Global Capital Markets & Thematic Research


hatte und sich damit seinem Allzeithochs von Anfang September weiter angenähert hat. Die Aktienmärkte scheinen sich nach der 10%igen Korrektur des S&P 500 im September durch die Rückkehr der sogenannten „Dip-Käufer“ (Investoren, die an der Seitenlinie warten, bis sie wieder preiswerter einsteigen können) gut erholt zu haben. Mit Beginn des neuen Quartals war ebenfalls zu beobachten, dass der Aufschwung an Breite gewann, also mehr Sektoren mit nach oben getragen wurden. Wie unsere Kollegen in den USA betonen, speist sich die gute Stimmung an den Aktienmärkten überwiegend aus drei Quellen: Der Hoffnung, dass ein weiteres Fiskalpaket die Hürden im Kongress nimmt, dass es bald eine auf der Verabreichung von Anti-Körpern basierende Impfung gegen Corona gibt, und den sich verstetigenden Umfrageergebnissen, die immer deutlicher eine Führungsrolle von Präsidentschaftsbewerber Joe Biden in den Meinungsumfragen gegenüber dem amtierenden US-Präsidenten zeigen. Letzteres spräche dafür, dass es nicht zu einer zähen Phase der Unsicherheit nach Schließung der Wahllokale kommt.

Die Woche voraus 

In der vor uns liegenden Woche sind wieder eine ganze Reihe politischer und wirtschaftlicher Daten zu verdauen. In den USA beginnt turnusgemäß die Gewinnsaison für das dritte Quartal, welche mit den Ergebnissen der großen Banken beginnt. Die Erwartungen an die Gewinne der US-Firmen bleiben dabei insgesamt weiter von den Folgen der Corona-Pandemie geprägt. Für das dritte Quartal stellen sich die Analysten auf einen Gewinnrückgang von insgesamt 20,5% gegenüber dem Vorjahr ein. Dabei zeigt sich im Erwartungsbild der Analysten auch hier, dass sich die konjunkturelle Erholung in den Schätzungen für die Unternehmensgewinne niedergeschlagen hat. Nach dem starken Einbruch im März hat sich die Relation der Aufwärts- gegenüber den Abwärtsrevisionen deutlich verbessert – am stärksten für die USA. Mit Ausnahme Japans liegt die Relation überall über 1, d.h. es kam zu mehr Aufwärts- als Abwärtsrevisionen.

Im Datenkalender stehen am Montag der US-Häusermarkt und die Industrieproduktion sowie das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes aus China an. Während es zur Wochenmitte dann etwas ruhiger wird, kommen am Donnerstag das GfKKonsumentenvertrauen für Deutschland und die neu gemeldeten Arbeitslosen für die USA. Am Freitag dann steht ein ganzes Bündel wichtiger Stimmungsindikatoren an. Für die USA kommen der Markit- Einkaufsmanagerindex, die Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone und deren Mitgliedsländer, sowie das Geschäftsvertrauen für Belgien. Gerade bei den vorlaufenden Stimmungsindikatoren wird es wichtig zu sehen, inwieweit die erhöhten Infektionszahlen und die partiellen Lockdown-Maßnahmen das Stimmungsbild trüben. Insgesamt sollten die Daten leichte Ermüdungserscheinungen nach der auf den Absturz im März folgenden Aufholbewegung zeigen. Wichtig zu sehen wird es, inwieweit sich China dieser Entwicklung entziehen kann. Das Land scheint sich insgesamt sehr schnell von den ökonomischen Folgen der Pandemie befreit zu haben.

Neben den ökonomischen Daten bleibt die Politik auf der Agenda. So wird kein Tag vergehen, an dem nicht US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf unterwegs ist. Die Wahlkampfbeobachter werden sehr genau verfolgen, inwieweit er neue Akzente setzt.

Die technische Lage zeigt sich derweil von ihrer entspannten Seite. Unmittelbarer Abgabedruck scheint keiner zu bestehen. Die Relative-Stärke- Indikatoren schweben im neutralen Bereich. Während die Zentralbankbilanzen weiter wachsen und Liquidität im Überfluss vorhanden ist, zeigen die Indikatoren, die auf einen potenziellen Stress im Finanzsystem hinweisen könnten, ebenfalls ein entspanntes Bild. Dies gilt u.a. für den CISS-Indikator („Composite Indicator of Systematic Stress“) der Europäischen Zentralbank, den analogen Stress-Indikator der St. Louis Fed, aber auch für eine ganze Reihe sektoraler CDS-Spreads.

Insgesamt scheint der Weg des geringsten Widerstandes an den Märkten weiterhin aufwärts gerichtet zu sein. Aber für Überraschungen bleibt die Weltlage natürlich immer gut.

Quelle: BondWorld