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Allianz GI : Die 2. Welle

Allianz GI : Während die zweite Welle der CoronaPandemie über die Welt schwappt – in den USA kann, gemessen an den Neuinfektionen und Todesfällen..

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Von Dr. Hans-Jörg Naumer Director Global Capital Markets & Thematic Research


, bereits von einer dritten Welle gesprochen werden – stellt sich die Frage: Wird 2021 ein „Back to Normal“, ein Zurück zur Normalität bringen?

Im Kampf gegen das Coronavirus ist dies mehr als zu hoffen. Und die beste Nachricht dazu ist, es wurden bereits Impfstoffe gefunden, die über das nächste Jahr hinweg ausgerollt werden können. Bei der Konjunktur ist mehr Skepsis angebracht, zumindest wenn man unter Normalität das Wachstumsniveau von vor dem Ausbruch der Pandemie versteht.

Schon vor Beginn der Pandemie war der Konjunkturpfad brüchig. Vom weiteren Verlauf ist mehr ein umgekehrtes Wurzelzeichen (Erholung, aber keine dauerhafte und sofortige Rückkehr auf das vorherige Niveau) als eine V-förmige, schnelle Erholung zu erwarten. Der Konjunkturpfad sollte sich entsprechend in den kommenden Monaten abflachen. Corona-bedingte Unsicherheiten bleiben – trotz massiver geldpolitischer und fiskalischer Gegenmaßnahmen.

Und die Geopolitik? Dem aller Wahrscheinlichkeit nach neuen USPräsidenten Joe Biden wird zugesprochen, seine Außenpolitik im Ton konzilianter zu führen. Aber von einer vollständigen Abkehr vom Handelskonflikt ist auch hier nicht auszugehen. Im Gegenteil. Die gerade neu gegründete asiatisch-pazifische Wirtschaftspartnerschaft RCEP („Regional Comprehensive Economic Partnership“) gehört zu den tektonischen Verschiebungen hin zu einer multipolaren Weltordnung.

Das fordert auch die US-amerikanische Administration heraus. Und während bei einem Präsidenten Biden größere Investitionsprogramme anstehen, muss sich erst noch zeigen, in welchem Umfang er diese bei einer voraussichtlichen Dominanz der Republikaner im Senat durchsetzen kann. Darüber hinaus müssen sich die Märkte auf eine Anhebung der Unternehmenssteuern einstellen, da dies zu seinem Programm gehört. Kein gutes Signal für die ohnehin schon hoch bewerteten US-Aktienmärkte.

Bei der Geldpolitik auf beiden Seiten des Atlantiks ist eine Abkehr von der neuen Normalität nicht zu erwarten, und diese lautet: im Zweifel mehr Liquidität. Covid-19 hat eine zweite Welle der finanziellen Repression ausgelöst. Der Anlagenotstand wird uns noch länger begleiten. Für Anleger heißt das: Sachwerte (also Aktien) sollten auch weiterhin begünstigt werden – über alle zu erwartende Volatilität hinweg.

Taktische Allokation: Aktien & Anleihen

Der weitere Verlauf der Konjunktur wird in den kommenden Quartalen entscheidend davon abhängen, wie schnell die Impfstoffe gegen Covid-19 ausgerollt werden können und damit einen phasenweisen Rückgang zur Normalität ermöglichen.

Im Basisszenario ist – nach der schnellen Erholung der Weltwirtschaft auf den Einbruch im März hin – ein Abflachen des Konjunkturpfades zu erwarten, was dem Verlauf eines umgekehrten Wurzelzeichens entspräche. Aber dieser Pfad bleibt eben von der Pandemiebekämpfung abhängig.

Politisch bewegen wir uns auf die letzten, wirklich harten Fristen im Brexit-Prozess zu. Spekulationen zufolge ist ein Abkommen in der buchstäblich letzten Sekunde möglich. Dabei könnten gewisse Streitpunkte eventuell auf einen späteren Zeitpunkt vertagt werden, indem beispielsweise die umstrittenen Fischereirechte zukünftig einer erneuten Überprüfung unterzogen werden oder die Fangquoten für Fischer aus der EU schrittweise zurückgeschnitten werden.

Die politischen Risiken dürften mit zunehmender Sicherheit bzgl. der neuen Präsidentschaft und der Mehrheitsverhältnisse in den USA sowie Klarheit beim BrexitAustrittsverfahren nachlassen, aber nicht verschwinden. Der Handelskonflikt bleibt auf der Agenda.

Die zweite Welle der finanziellen Repression wird uns in das neue Jahr 2021 begleiten und darüber hinaus. Am vorherrschenden Niedrig- /Negativzinsumfeld sollte sich so schnell nichts ändern. Der Anlagenotstand verschärft die Jagd nach Kapitaleinkommen weiter.

In der Summe lässt dies erwarten, dass Aktien und risikoreichere Anlageformen insgesamt begünstigt bleiben – über alle zu erwartende Volatilität hinweg.

Investmentthema: Investieren als rationaler Optimist  

Durch die Industrialisierung hat die Menschheit einen vorher nie gekannten Zuwachs an Wohlstand und Lebensniveau erreicht, was zeitversetzt auch jene Länder erleben, die sich erst spät der Marktwirtschaft zugewandt haben.

Lebten Anfang der 1980er Jahre noch ca. 45 % der Weltbevölkerung in absoluter Armut (Anteil der Weltbevölkerung, der weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag zum Leben hat), sind es heute 10 % – und dies, obwohl die Weltbevölkerung auf ca. 7,5 Mrd. Menschen gewachsen ist.

Doch nicht nur die Zahl der Menschen stieg, sondern auch deren Lebenserwartung. Lag die Lebenserwartung der Menschen im globalen Durchschnitt Ende des 18. Jahrhunderts unter 30 Jahren, so liegt sie heute bei über 70 Jahren.

Innovationen sind der Treiber, der uns auch über große Krisen hinweggebracht hat. Sie prägen die Megatrends Demografie, Urbanisierung, nachhaltiges Wirtschaften sowie den technologischen Wandel. Und sie liefern Lösungen für die größte Herausforderung unserer Zeit: den Kampf gegen den Klimawandel.

Es gibt genügend Anlässe für einen „rationalen Optimismus“, auch in Zeiten einer Pandemie. Das sollte sich auch in den Anlageentscheidungen niederschlagen.

Quelle: BondWorld