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Allianz GI : Die mit dem Bären tanzen

Allianz GI: Während die Gewinnerwartungen für die Unternehmen nach unten genommen werden, gingen die Aktienmärkte zu Beginn der ausgelaufenen Woche merklich nach oben.

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von Dr. Hans-Jörg Naumer 


Sie leben von der Hoffnung auf eine baldige Kehrtwende bei der Coronakrise. Das unschöne Wort der „Bärenmarkt-Rallye“ macht die Runde. Bärenmarkt-Rallyes – so werden Phasen der Markterholung genannt, die keine nachhaltige Trendwende nach oben bringen.

Nachdem längere Zeit der europäische Kontinent mit Italien, Spanien und (weniger stark) mit Deutschland im Fokus der Krisenentwicklung stand, rücken die USA jetzt mehr und mehr in den Blickpunkt. Mittlerweile haben die Vereinigten Staaten die meisten Infizierten an COVID-19. In 42 der USStaaten (das entspricht 90% der Bevölkerung) sind die Menschen gehalten zu Hause zu bleiben. Während mit Hochdruck an Behandlungsmethoden gearbeitete wird, fällt der US-Arbeitsmarkt ins Bodenlose. Die Anträge für Arbeitslosenversicherung implizieren bereits eine Arbeitslosenquote-Quote von über 10%, was an die Depression der 30er Jahre erinnert.

Die Corona-Pandemie frisst sich derweil im ökonomischen Datenkranz weltweit nach vorne. Auch die Bauindustrie in der Eurozone scheint zunehmend unter Druck zu kommen. Der jüngste Einkaufsmanagerindex weist sowohl für den Wohnungs- als auch für den Gewerbe- und Tiefbau deutliche Rückgänge aus.

Leichte Entspannung ist dabei beim Preiskampf am Ölmarkt zu verzeichnen. Saudi-Arabien und Russland scheinen mit ihrem Kampf um Marktanteile zurückzurudern. Allerdings dürften die im Gespräch befindlichen Mengenkürzungen nicht ausreichen, um den Lageraufbau durch den entstandenen Nachfrageschock aufzufangen. Das weltweite Ölangebot dürfte sich daher weiter in einer „Ära des Überflusses“ befinden, die Aussichten für den Ölpreis – aus Sicht der Förderländer – eintrüben und deren Haushaltsbudgets nachhaltig auf die Probe stellen.

Die Woche Voraus

Die in der kommenden Woche anstehenden Daten sollten wenig Erhellendes liefern, da insgesamt zu erwarten ist, dass sie alle den Krisenmodus der Weltwirtschaft widerspiegeln. Auch unser MakroBreitenindikator zeigt diese Entwicklung rund um den Globus. Dabei werden insgesamt die Wachstumserwartungen immer weiter zurückgenommen. Beim anstehenden Bruttoinlandsprodukt für China wird erwartet, dass es um 5,1% gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen ist.

Active is: Lieber nicht mit dem Bären tanzen

Unser Chef-Techniker verweist darauf, dass aktuell wohl das nach Gelegenheit suchende „smart money“, also ProfiInvestoren wie Hedgefonds und systematisch ausgerichtete Investoren, das Bild an den Märkten prägt. So zumindest wäre zu verstehen, dass ausgerechnet zyklische Titel zugelegt haben – obwohl dem die Konjunkturdaten entgegenstünden. Auch nimmt der chinesische Aktienmarkt weniger dynamisch an der Aufwärtsbewegung teil, weil dort weniger spekulative Gelder aktiv sind – dafür kam es dort zu starken Zuflüssen in Fonds mit chinesischen Aktien. Alleine 1,5 Mrd. USDollar in der letzten Woche. In den beiden vorherigen Wochen kam es zu Nettomittelzuflüssen i.H.v. 7 Mrd.

Ein Ende des Bärenmarktes ist deshalb wohl noch nicht erreicht. Was allerdings positiv ist: Es wurden eine ganze Reihe an fiskal- wie geldpolitischen Instrumenten in äußerst kurzer Zeit auf den Tisch gelegt. Anders als in vorherigen Krisen.

Das gibt Anlass zur Hoffnung. Trotzdem: Wer mit dem Bären tanzen will, muss besonders vorsichtig sein. Lieber abwarten.

Source: BondWorld