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Allianz GI : Ein Gespenst geht um

Allianz GI : Ein Gespenst geht um, und das nicht nur in Europa. Auch in den USA macht es sich bemerkbar: Das Gespenst der Inflation.

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Von Dr. Hans-Jörg Naumer Director Global Capital Markets & Thematic Research


Unbegründet sind diese Sorgen nicht. Zuletzt schoss die jährliche Veränderungsrate der Verbraucherpreise in den USA um mehr als 4% nach oben. Die aus den inflationsindexierten US-Staatsanleihen ablesbaren Breakeven-Inflationsraten sind auf 10-Jahressicht in Richtung 2,7% marschiert. Für den Euroraum und das Vereinigte Königreich bewegen sich die Swap basierten Erwartungen in Richtung 1,5% bzw. 3,75% ebenfalls mit Blick auf die nächsten 10 Jahre

Die Zentralbanken machen es den Märkten in diesem Kontext nicht gerade leichter. Sicher lässt sich mit Basis- und Einmaleffekten (z.B. eines Ölpreisanstiegs, der nicht von Dauer sein sollte und Pandemie bedingte Störungen der Lieferketten) gut argumentieren. Aber die Sorgen um eine dauerhaft ansteigende Inflation sind dennoch nicht unbegründet. In einem nie dagewesenen Umfang schieben die Staaten, allen voran die USA und Europa, die Volkswirtschaften aus der Covid-Krise. Wann die Kapazitäten in der größten Ökonomie der Welt dabei heiß gelaufen sein werden, ist nur eine Frage der Zeit. Immerhin haben 175 der im S&P 500 gelisteten Unternehmen während ihrer Berichte zu den Unternehmensgewinnen „Inflation“ behandelt. Ein Rekord. Lohnzulagen und Lohnsteigerungen sind ein Thema. Besonders die US-amerikanische Zentralbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) bleiben dennoch bewusst „hinter der Kurve“. Beide zeigen sich tiefenentspannt, wie auch das Treffen des geldpolitischen Ausschusses der Fed in der abgelaufenen Woche gezeigt hat. Die Fed denkt nur sehr zögerlich über ein „Tapering“ nach.

Vertrauensbildend ist dies nicht gerade, denn die Preisrisiken liegen auf der Hand. Wenn es zu negativen Überraschungen kommt, dann in Form höher als erwarteter Inflations-raten. Mit ihrer flexiblen Strategie kann dies die Fed besonders gut argumentativ einfangen, aber je stärker der Inflations-druck, desto stärker ist dennoch der geld-politische Handlungsdruck. Ganz zu schweigen von den Risiken der Vermögenspreisinflation.

Die Woche voraus

Von der Datenlage steht die neue Woche ganz im Zeichen der Stimmungsindikatoren. Entscheidend wird dabei nicht nur sein, inwieweit hier Signale für die Inflationsentwicklung herausgelesen werden können, sondern auch wie sich die konjunkturelle Stimmungslage entlang des Normalisierungspfades PostCovid weiterentwickelt. Dabei hat vor allem die Eurozone noch Aufholpotenzial. Hier ist der Markt-Konsensus mit Blick auf die Wachstumserwartungen 2021 noch recht verhalten.

Den Auftakt macht am Montag der Chicago-Aktivitätsindex für die USA. Am Dienstag kommen dann der ifoKonjunkturklimaindex für Deutschland und das Verbrauchervertrauen des Conference Boards für die USA. Während der Mittwoch vergleichsweise ruhig bleibt, kommen am Donnerstag das GfKVerbrauchervertrauen für Deutschland, die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe aus den USA, die erste Schätzung für das USBruttoinlandsprodukt für das erste Quartal und der Kansas City Fed Index für das verarbeitende Gewerbe. Den Abschluss bilden am Freitag die Wirtschaftsstimmung für die Eurozone, die US-Konsumausgaben, der MNIChicago-Einkaufsmanagerindex, sowie der von der Fed stark beachtete Deflator für die privaten Konsumausgaben („PCE deflator“).

In der Gesamtsicht ist kaum zu erwarten, dass die Daten eine neue Volte bei den Konjunkturerwartungen anschlagen. Positive Überraschungen werden zunehmend schwerer, und wenn, dann sollten diese eher aus dem Euroland kommen, da hier noch Aufholpotenzial besteht.

Technisch ist die Marktverfassung nicht einfach. Zwar sind einige Leitindizes der Aktienmärkte nach oben ausgebrochen, aber der Rückhalt ist fraglich. Die Volatilität ist gemessen am „Angstindikator“ (VIX) zuletzt wieder gestiegen. Unser Schwerelosigkeitsindikator“, der das 12- Monats-Forward-KGV des S&P 500 ins Verhältnis zur Volatilität setzt, hat die Neigung zum Abheben. Die Stimmung bei den Privatinvestoren ist derweil fast schon zu gut, um wahr zu sein. Der Anteil der „Bullen“ bei den US-amerikanischen Investoren ist immer noch hoch. Für die Zukunftserwartungen der Marktteilnehmer weist der Sentix für alle Regionen der Welt Rekordniveaus aus, die in diesem Jahrtausend noch nicht zu sehen war (siehe Grafik der Woche). Wenn aber alles fast zu gut um wahr zu sein scheint, dann sorgen „Gespenster“ gerne einmal für Unruhe an den Märkten.

Quelle: BondWorld