Rondolf Stefan Allianz GI

Allianz GI : Eingedämmte Abwärtsrisiken

Allianz GI: Während viele unserer Leser das diesjährige Osterfest vermutlich eher bescheiden und in sich gekehrt gefeiert haben, so sind die frohen Botschaften der vergangenen Wochen an den Kapitalmärkten mit Frohlocken aufgenommen worden.

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von Dr.Stefan Rondorf  Senior Investment Strategist


Die Kombination aus verlangsamter Infektionsdynamik bei Covid-19 und einem bedeutenden Schritt der US-Zentralbank zur Eindämmung von krisenbedingten Kreditrisiken haben die Erholungsrally an den Aktienmärkten weiter befeuert. Auch die Ausfallrisiken bei Unternehmensanleihen werden wieder geringer eingeschätzt.

Zudem zeigt die Opec und die ihr verbundenen Ölproduzenten durch die über Ostern besiegelte Vereinbarung eine vor einigen Wochen nicht vorhersehbare Handlungsfähigkeit.

Es wurde beschlossen, die Ölförderung bis Juni um knapp 10 Millionen Barrel pro Tag einzuschränken und in den Folgemonaten in mehreren Schritten wieder etwas zu erhöhen.

Auch wenn diese Vereinbarung hauptsächlich durch den Druck des immensen Nachfrageausfalls erzielt wurde und der Beitrag von anderen Produzenten wie den USA, Kanada und Brasilien unklar ist, dürften die Abwärts-risiken für den Ölpreis vermindert worden sein.

Vermindert haben sich möglicherweise auch die unmittelbaren Risiken für eine globale Finanzkrise. Dies liegt weniger an einer belastbaren Verbesserung des Wachstumsausblicks als vielmehr der Bereitschaft wichtiger Zentralbanken, insbesondere der Federal Reserve, bei Bedarf auch Papiere mit geringerer Kreditqualität als Sicherheit zu akzeptieren, beziehungsweise an den Märkten aufzukaufen.

Diese Ankündigungen haben Anleger bereits motiviert, vermehrt Chancen in diesen Marktsegmenten ausfindig zu machen. Krisenbedingte Insolvenzrisiken durch abgewürgte Nachfrage werden dadurch allerdings nicht verhindert.

Die Woche voraus

Die Infektions- und Todeszahlen der Viruspandemie verlieren gerade etwas ihren Schrecken, da sie sich zumindest in die richtige Richtung bewegen. Dennoch sollten sie weiter beachtet werden.

Politisch könnten nächste Woche Ankündigungen verschiedener Regierungen im Mittelpunkt stehen, wann und wie erste zaghafte Schritte zur Normalisierung des öffentlichen Lebens vollzogen werden sollen.

Bereits diese Woche haben einige Länder vorsichtige Schritte in diese Richtung unternommen, während viele Länder wichtige Beschränkungen verlängert haben. Hierbei könnten verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, wie zum Beispiel die Verfügbarkeit von Virustests, Schutzkleidung und Schutzmasken.

Auch die Reproduktionszahl des Virus, also die Anzahl der Menschen, die durch einen Infizierten angesteckt werden, dürfte eine Rolle spielen. Auch Erfolge oder Probleme bei der Normalisierung der chinesischen Wirtschaft werden aufmerksam verfolgt werden.

Auf der makroökonomischen Seite stehen weltweit die Flash-Schätzungen der Einkaufsmanagerindizes am Donnerstag im Mittelpunkt. Nachdem die endgültigen Zahlen für März schon eine rekordschnelle Verschlechterung der wirtschaftlichen Aktivität angezeigt haben, dürften die Zahlen für April die volle Wucht der Ausgangsbeschränkungen enthalten.

Dabei ist zu beachten: diese Umfrage zielt ausschließlich darauf ab, Aktivitätsveränderungen im Vergleich zum Vormonat widerzugeben, potentielle Verbesserungen oder Verschlechterungen sind also im Kontext der sehr schwachen Umfrage im Vormonat zu betrachten.

Im Wochenverlauf stehen weitere Sentimentdaten auf dem Kalender: der deutsche Ifo-Index am Freitag, das Verbrauchervertrauen der EU-Kommission und der Produktionsausblick französischer Unternehmen am Mittwoch. In den USA steht außerdem am Freitag der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter auf dem Programm. Einige dieser Daten könnte beispiellose Rückgänge zeigen.

Active is: Das Virus weiter ernst nehmen

Einige wichtige potentielle Abwärtsrisiken haben sich in letzter Zeit verringert: Das Virus verbreitet sich durch strenge Beschränkungen langsamer, die Zentralbanken vermindern die Gefahr unkontrollierter Unfälle im Finanzsystem und das Risiko völlig kollabierender Ölpreise hat sich auch vermindert.

Dies könnte Chancen bei Unternehmensanleihen eröffnen. Auch die Wachstums- und Gewinnaussichten haben einen merklichen Schritt hin zu mehr Realitätsnähe vollzogen, auch wenn wir die Erwartung eines Gewinnrückgangs für das Gesamtjahr von etwa 10% für den amerikanischen Leitindex S&P 500 weiter als recht optimistisch ansehen.

Dennoch scheint die starke Erholung am Aktienmarkt inzwischen ein sehr günstiges Szenario hinsichtlich des Verlaufs der Pandemie zu reflektieren: Ein Risikopuffer für Rückschläge bei der Eindämmung, oder für eine langsamere Normalisierung des Wirtschaftslebens lässt sich kaum noch erkennen. Bei Aktien können wir als aktiver Manager sehr selektiv vorgehen.

Source: BondWorld