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Allianz GI : Erhöhte Sensibilität

Allianz GI : Das vor kurzem beendete dritte Quartal dürfte für viele Anleger sehr erfreulich verlaufen sein – vor einigen Wochen hatten wir es als „sweet spot“ charakterisiert.

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Von Stefan Rondorf, CFA, Senior Investment Strategist


Eine dynamische Konjunkturerholung, erste Aufwärtsrevisionen bei Wachstums- und Gewinnschätzungen und ein erträglicher Virusverlauf mündeten in überdurchschnittliche Erträge für Aktien und Unternehmensanleihen. Ins vierte Quartal hineinblickend kann man bei einigen dieser positiven Treiber ein leichtes Nachlassen erkennen, und dies dürfte die Kapitalmärkte für aufkommende Unsicherheitsfaktoren sensibilisieren.

Als wichtigster Punkt fällt eine Verschärfung beim Infektionsgeschehen auf: Merkliche Anstiege bei den Fallzahlen haben wieder zu mehr Beschränkungen des öffentlichen Lebens geführt. Für die spanische Hauptstadt Madrid ist die Ein- und Ausreise zuletzt stark eingeschränkt worden, in einigen Stadtteilen von New York City wurden wieder Schulen geschlossen und weltweit mehren sich erneute Beschränkungen für Restaurants, Nachtleben und Veranstaltungen.

Dies hat Auswirkungen auf die Konjunkturerholung, vor allem für Dienstleister. Die Anfang der vergangenen Woche veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes zeigen für das Dienstleistungsgewerbe nur noch vereinzelte Verbesserungen an – in besonders vom Virus betroffenen Ländern wie Frankreich oder Spanien sind sie sogar merklich gefallen. Positiv hervorzuheben ist aber: Die Indikatoren für China konnten sich stabil halten und auch die US-amerikanischen Dienstleister trotzen dem Virus momentan.

Vor diesem Hintergrund nehmen die Kapitalmärkte politische Unsicherheit wieder stärker wahr, die Volatilität auf den Aktienmärkten stieg zuletzt. Besonders fokussieren sich die Anleger auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl in den USA. Nach dem ersten TV-Duell konnte der demokratische Herausforderer Joe Biden seinen Vorsprung in Umfragen weiter ausbauen, vermutlich hat die CovidInfektion von Donald Trump daran wenig geändert.

Die Woche voraus 

Hinsichtlich des Präsidentschaftswahlkampfs könnte kommende Woche das zweite Rededuell stattfinden, falls die Virusinfektion eine Teilnahme Donald Trumps zulässt. Auch die Anhörungen zur Nachbesetzung einer Richterstelle des Obersten Gerichtshofs sind geplant. Die entscheidende Frage wird sein, ob Donald Trump seinen Rückstand in den Umfragen wird verringern können. Auf der anderen Seite des Atlantiks dürften auf dem EU-Gipfel Ende der Woche wichtige Weichenstellungen für den Brexit-Prozess vorgenommen werden.

Die Konjunkturdaten bieten in der kommenden Woche eine ausgewogene Mischung: Aus China werden Geldmengenaggregate und die Handelsbilanz für September berichtet, in Japan schauen wir auf den SeptemberAuftragseingang für Maschinen. In den USA steht der Konsum im Mittelpunkt: die Einzelhandelsumsätze für September und das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan geben Auskunft über die Ausgabebereitschaft und Stimmung der Amerikaner nach der Einschränkung von staatlichen Unterstützungsleistungen. In Europa wird die Industrieproduktion für den August berichtet, in Großbritannien steht der Arbeitsmarktbericht im Mittelpunkt.

Sensible Phase überstehen 

Historisch waren die letzten Wochen vor amerikanischen Präsidentschaftswahlen an den Aktienmärkten oft schwankungsanfällig, nach der Wahl löste sich diese Anspannung aber regelmäßig (siehe Chart der Woche). Die Skepsis gegenüber einem Wahlsieg der Demokraten scheint sich etwas zu verringern, getrieben von der Aussicht auf massiven fiskalischen Stimulus unter einem Präsidenten Joe Biden im nächsten Jahr. Es könnte sich also lohnen, einen möglichen Anstieg von Volatilität auszuhalten. Die Erholungsdynamik der Wirtschaft flacht sich zwar ab, gerade die Zahlen aus dem produzierenden Gewerbe geben weiter Anlass zur Hoffnung auf ein Anhalten des Konjunkturaufschwungs. Regional besonders chancenreich erscheint dabei China – das Land könnte nach bislang erfolgreicher Eindämmung des Virus wieder in die Rolle einer globalen Wachstumslokomotive schlüpfen.

Quelle: BondWorld