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Allianz GI : Fordernde Zeiten – spektakuläre Gegenmaßnahmen

Allianz GI : Gleich von drei Seiten macht sich das Coronavirus bei der Weltwirtschaft bemerkbar: als Angebotsschock in Folge der Unterbrechungen von Lieferketten, als Nachfrageschock auch in Folge der sogenannten „Lockdowns“ (Herunterfahren der gesellschaftlichen Aktivität)..

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von Dr. Hans-Jörg Naumer 


in vielen Volkswirtschaften und als Schock auf den Finanzkreislauf durch die Ausweitung der Risikoprämien. Dabei war die Weltkonjunktur schon vor dem Ausbruch der Krise angeschlagen.

Mittlerweile bewegen sich wichtige Frühindikatoren, wie z. B. die Einkaufsmanagerindizes, auf Niveaus wie nach dem Ausbruch der Finanzkrise 2008/2009. Eine Stabilisierung ist noch nicht absehbar.

Wir leben – nicht nur ökonomisch – in fordernden Zeiten. Die Rezession der Weltwirtschaft ist dabei längst eine ausgemachte Sache, die nicht mehr diskutiert wird. Die Debatte dreht sich vielmehr um die Dauer dieser Abschwächung.

Diese hängt auch mit der Frage zusammen, wie schnell ein Zurück zur Normalität zu erwarten ist. Wird es ein v-förmiger Verlauf, also eine schnelle Erholung? Wird es ein „U“ oder am Ende gar ein „L“, bei dem eine Erholung auf längere Zeit ausbliebe? Zu dominieren scheinen bei den volkswirtschaftlichen Analysen das „V“ und das „U“.

Damit bewegen wir uns nicht nur in der Hoch-Zeit der Virologen und der Pharmazeuten, wo es darum geht, Gegenmittel gegen das Virus und damit eine Rückkehr in die Normalität zu finden, sondern auch (!) in der Zeit der Fiskalund Geldpolitiker. Die globalen Notenbanken haben alle Register gezogen, um sich gegen die ökonomischen und finanziellen Auswirkungen der COVID-Krise zu stemmen.

Allerdings erscheint die Wirksamkeit des monetären Stimulus im aktuellen Umfeld eingeschränkt. Der Spielraum für Leitzinssenkungen ist begrenzt, da bereits vor Eintritt der Krise Niedrig-Leitzinsen vorherrschten. In früheren USRezessionen hat die US-Zentralbank Federal Reserve z. B. Zinssenkungen von durchschnittlich 5 % vorgenommen. Das ist bei dem derzeitigen Leitzinsniveau schlichtweg nicht mehr vorstellbar.

Geldpolitik ist zudem ein grundsätzlich ungeeignetes Instrument zur Überwindung eines Angebotsschocks, wie er durch COVID-19 ausgelöst wurde. D. h. die Fiskalpolitik muss assistieren. Die fiskalischen Gegenmaßnahmen auf Ebene der G-20-Staaten haben ein beispielloses Volumen erreicht. Sie dürften jedoch voraussichtlich nicht ausreichen, um den Einbruch der Wirtschaftsleistung in den kommenden Monaten vollständig abzufangen, wie unsere Berechnungen zeigen. Beispiel USA: Die US-Regierung hat Ausgabenpakete in Höhe von 8,3 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) verabschiedet. Dazu kommen Garantien und Kredite in Höhe von 2,4 % des BIP. Beispiel Europäische Union: Die geplanten Fiskalpakete belaufen sich hier auf knapp 21 % des BIP. Im Vereinigten Königreich sind es 27 %.

Überlegungen zur taktischen Allokation

Staatsanleihenrenditen in den Euroland-Kernländern, in Japan, den USA und im Vereinigten Königreich sollten in den kommenden Monaten auf weiterhin sehr niedrigen Niveaus handeln – zumal auch die Inflationserwartungen auf lange Sicht deutlich zurückgegangen sind, wie sich aus den inflationsindexierten Anleihen ableiten lässt.

Peripherie-Staatsanleihen bleiben trotz massiver Unterstützung der Europäischen Zentralbank (EZB) verwundbar.

– Bewertungsseitig kam es bei den Aktienmärkten in Folge der Kursverluste schon fast zu einer abrupten Normalisierung, wobei die Risikopuffer – nach Regionen unterschiedlich – noch gering sind.

– Solange bei den Konjunkturdaten keine Bodenbildung erkennbar ist, ist weiterhin Vorsicht angebracht.

– Dabei zeichnet sich allerdings schon jetzt eine Ausweitung des extremen Niedrig-/Negativrendite-Umfeldes an den Geld- und Anleihenmärkten ab. Als Folge der geldpolitischen Gegenmaßnahmen dürfte es auch länger anhalten, als dies vor der Krise zu erwarten war.

Fordernde Zeiten – spektakuläre Gegenmaßnahmen. Hoffen wir, das geld- und fiskalpolitische Serum wirkt rasch.

Source: BondWorld