Naumer Hans-Jorg Allianz GI

Allianz GI : “Hammer” & “Tanz”

Allianz GI : Die ganze Welt ist von der Pandemie erfasst, und so verwundert es wenig, dass in der abgelaufenen Woche erste Fortschritte bei der Entwicklung von Medikamenten gegen COVID-19 für gute Laune an den Aktienmärkten sorgte.

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von Hans-Jörg Naumer Director Global Capital Markets & Thematic Research


Dass Jerome Powell, Chef der US-Zentralbank Federal Reserve, am Wochenende davor betonte, dass die Fed noch viele Instrumente zur Unterstützung der Wirtschaft zur Verfügung habe, darunter die Ausweitung bestehender oder die Schaffung neuer Kreditprogramme, war dieser Stimmung nicht gerade abträglich.

Auch kommt es zu weiteren Lockerungen für Wirtschaft und Gesellschaft. Fast alle 50 US-Bundesstaaten haben damit begonnen, einigen Unternehmen die Wiedereröffnung und den Einwohnern mehr Freizügigkeit zu gestatten, obwohl nur 14 Bundesstaaten die Richtlinien der Bundesregierung für die Aufhebung von Maßnahmen erfüllt haben, zu denen eine zweiwöchige rückläufige Zahl von Fällen gehört. Dabei zeigt sich allerdings, dass sich die Länder unterschiedlich zwischen der Phase des „Hammers“ und des „Tanzes“ bewegen , aber immer mehr sich in Richtung Lockerungen als „Tanz“ bewegen. Das zeigen nicht nur die Mobilitätsdaten gem. Google. Während der Automobilsektor ebenso eingebrochen ist wie die Einkaufsmanagerindizes, gibt es vereinzelte, sehr frühe – und noch sehr schwache – Hoffnungsindikatoren.

Die Google-Suchanfragen rund um das Thema Autokauf haben über die zweite Aprilhälfte bis in den Mai hinein zugelegt, was hoffen lässt, dass sich das Interesse zum Autokauf in den nächsten Monaten in tatsächlichen Käufen niederschlägt.

Die gute Nachricht ist auch: China scheint bereits den Erholungspfad eingeschlagen zu haben. Der wirtschaftliche Aufschwung in China schreitet weiter voran, da die Unternehmen wieder an die Arbeit gehen, die Quarantänemaßnahmen gelockert werden und die Menschen beginnen, ihre Häuser zu verlassen. Nach Angaben des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie haben über 99% der Großunternehmen (Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 20 Mio. RMB) und 84% der kleinen und mittleren Unternehmen in China Mitte April ihren Betrieb wieder aufgenommen. In der Industrie sind fast 100% der Wanderarbeiter in die Städte zurückgekehrt. Korea und Taiwan haben gute Aussichten China zu folgen.

Die Woche Voraus: Erste Erholungsanzeichen?

In der kommenden Woche ist der Datenkalender prall gefüllt. Es stehen überwiegend Stimmungsindikatoren mit ihrer wichtigen vorlaufenden Funktion an. Gleich am Montag kommt der ifoGeschäftsklimaindex für Deutschland. Nach seinem starken Einbruch ist es jetzt vor allem wichtig zu sehen, inwieweit die Erwartungskomponente eine erste Bodenbildung vorweg nimmt.

Das von Media Tenor gemessen Medienklima weist für die letzten Wochen einen verbesserten Newsflow – nachdem dieser geradezu historische Tiefständet erreicht hatte – aus. Bleibt zu hoffen, dass dies ein erstes Anzeichen sein könnte. Am Dienstag kommen das GfKKonsumentenvertrauen für Deutschland und das Geschäftsklima für Frankreich, sowie der Chicago-Aktivitäten-Index und das Verbrauchervertrauen des US-Conference Boards. Am Donnerstag folgen die Wirtschaftsstimmung für die Eurozone und Auftragseingänge langlebiger Güter für die USA.

Dazu gesellen sich die nachlaufenden Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ebenfalls für die USA. Da die Länder sehr unterschiedlich unter der Pandemie zu leiden haben und auch unterschiedliche Verlaufspfade genommen haben, ist ein einheitliches Konjunkturbild kaum zu erwarten, erste Erholungszeichen sollten aber nicht ausgeschlossen werden.

Active is: Die Taktschritte antizipieren. 

Diese würden auch eine wichtige Grundlage für eine positive Marktphase schaffen. Technisch ist die Lage annährend entspannt. Die Relative-Stärke-Indikatoren bewegen sich in beinahe neutralen Terrain und zeigen kaum Verkaufsdruck an. Die Stimmung unter den Anlegern (gemessen am Sentix, aber auch am Anteil der „Bullen“ unter den USamerikanischen Privatanlegern) ist bereits so schlecht, dass diese kaum noch negativ überrascht werden können.

Der weitere Verlauf von Konjunktur und Märkten wird entscheidend davon abhängen, wie schnell Medikamente gegen COVID-19 gefunden werden, da dies den Gesundheitssystemen Luft verschafft und zunehmend Lockerungsspielräume ermöglicht. Dies wird den Rhythmus in der Phase des Tanzes bestimmen, und entsprechend auch die Zu- und Abschläge bei den Wertpapierkursen. Schnelle Taktwechsel nicht ausgeschlossen. Dies sollte auch für die kommende Woche gelten.

Bleiben Sie beim beginnenden „Tanz“ im Rhythmus,

Source: BondWorld