Naumer Hans-Jorg Allianz GI

Allianz GI : Impfen!

Allianz GI : Während die Impfungen weltweit weiter ausgerollt werden, und damit die Hoffnung verstärken, dass die Pandemie in absehbarer Zeit unter Kontrolle sein wird, gab es auch auf Seiten der Konjunkturindikatoren erfreuliche Entwicklungen.

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Von Dr. Hans-Jörg Naumer


Die Datenlage in China überschlug sich geradezu, wenn auch zu bedenken ist, dass dies, Pandemie bedingt, auf einer schwachen Ausgangsbasis stattfindet. Allein die Industrieproduktion legte in den ersten beiden Monaten des Jahres um 35% im Vergleich zum Vorjahr zu. Trotz statistischer Effekte zeigt sich: Die chinesische Volkswirtschaft ist weiter auf dem Pfad der Erholung (vgl. Grafik der Woche). Auch die Signale zur US-Konjunktur bleiben aufwärtsgerichtet. So ist die Produktion im Bundesstaat New York deutlich gestiegen, und der Empire-State-Index legte im Februar ebenfalls merklich zu. Zuvor sprang schon das von der Universität von Michigan erhobene Verbrauchervertrauen deutlich nach oben. Offensichtlich ein Zeichen dafür, dass die USVerbraucher das neue Konjunkturpaket bereits vorwegnehmen. Das gibt Anlass zur Hoffnung, dass der Konsum ein Pfeiler der USKonjunktur bleibt. In den USA kam es bereits zu umfangreichen Öffnungen und die Fiskalpakete erinnern daran, dass die „Wirtschaft“ sprichwörtlich gegen die Rezession geimpft wird. Für die USA zeichnen sich weiterhin starke Konjunkturdaten ab.

Dazu die Geldpolitik. Mit der Bank of Japan, der Bank of England und der US-Zentralbank Federal Reserve tagten gleich 3 der großen Zentralbanken in der abgelaufenen Woche. Es kam allerdings wenig Bewegung in die geldpolitische Debatte, wobei die 10-jährigen US-Treasuries und die britischen Staatsanleihen (Gilts) eine Änderung der Geldpolitik mittelfristig bereits sogar vorwegnehmen. Bei den Bundesanleihen und den japanischen Staatsanleihen (JGBs) zeichnet sich dies noch nicht ab. Während die Kapitalmärkte den Renditeanstieg vor allem in den USA bis aufs Nächste verdaut haben, steht auch die Fed derzeit kaum unter Handlungsdruck. Mit einer Verringerung ihrer Anleihekäufe ist nicht vor 2022 zu rechnen. Ankündigen dürfte sie das erst zum Ende dieses Jahres hin. In der Zwischenzeit dürfte sie sich dabei immer wieder die Freiheit nehmen, ihr Waffenarsenal zu zeigen, sollte es zu Verwerfungen bei den Renditen kommen. Anlässe dafür sollte es immer wieder geben, denn unter der Oberfläche nimmt der Inflationsdruck langsam zu. Der Konsensus der Marktbeobachter erwartet schon jetzt höhere Inflationsraten für die USA als die Fed selbst.

Die Woche voraus

Auf Seiten des Datenkalenders wird das Bild in der kommenden Woche von den Früh- und Stimmungsindikatoren geprägt. Gleich am Montag kommt der Chicago-Aktivitätsindex für die USA. Am Mittwoch prasseln dann der Einkaufsmanagerindex und das Verbrauchervertrauen für die Eurozone und die Mitgliedsländer auf die Märkte nieder. Dazu kommen der von der Jibun Bank erhobene Einkaufsmanagerindex für Japan, der Einkaufsmanagerindex für das Vereinigte Königreich und die Auftragseingänge in den USA. Am Donnerstag folgt die Geldmenge M3 für die Eurozone, als Maß für die voraussichtlich weiter explodierende Zentralbankliquidität, und der Index für das verarbeitende Gewerbe der Kansas-City Fed. Wichtigster Datenpunkt am Freitag dürfte der ifo-Konjunkturklimaindex für Deutschland sein. Dieser hatte zuletzt, wenn auch auf erhöhtem Niveau ein Sägezahnmuster aufgezeigt. Insgesamt ist zu erwarten, dass die Konjunkturdaten in Folge der Erholung der Weltkonjunktur und der Lockerungen aufwärtsgerichtet sind, und eher positive als negative Überraschungen mit sich bringen, denn die Fortschritte beim Impfen erscheinen noch nicht sehr deutlich in den Erwartungen angekommen zu sein.

Die technische Lage lässt kaum Abgabedruck erwarten. Die Relative-Stärke-Indikatoren bewegen sich für die großen Märkte überwiegend in neutralem Terrain. Die Zuflüsse in Aktienfonds halten derweil unverändert an. Über einen rollierenden Zeitraum von 18 Monaten verzeichneten sie weitere Rekordzuflüsse, während immer noch hohe Cash-Bestände auf Umschichtungen zu warten scheinen.

Liquidität, Konjunktur, technische Lage – fast scheint es so, als wären die Märkte geimpft gegenüber Abwärtsneigungen, zumindest bis aufs nächste.

Quelle: BondWorld