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Allianz GI : Ins Herz getroffen

Allianz GI : Die US-Notenbank Federal Reserve vertritt die Auffassung, die weitere Entwicklung der Wirtschaft werde in hohem Maße vom Verlauf der Pandemie…

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Von Dr. Greg Meier Senior Economist Direktor


die uns mitten ins Herz trifft, und den Fortschritten der Impfkampagne abhängen. Es gilt auch deshalb die Impfentwicklung genau im Blick behalten.

Zwei Faktoren werden unseres Erachtens bisher nicht hinreichend berücksichtigt. Zum einen sinkt die Zahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund von Covid-19 in denjenigen Ländern besonders deutlich, in denen am schnellsten geimpft wurde. In Israel z.B. wurden bereits 65% der Über-60-Jährigen geimpft. Dort ist die Zahl der schweren Krankheitsverläufe in dieser Altersgruppe seit dem 19. Januar um 26% zurückgegangen. In der Altersgruppe zwischen 40 und 59, in der bisher nicht einmal 30% die Zweitimpfung erhalten haben, ist sie dagegen um 13% angestiegen.

Die Zahlen aus Israel zeigen, was möglich ist: Das „gesamtgesellschaftliche Risiko“ lässt sich innerhalb weniger Wochen deutlich senken. In zahlreichen Ländern, nicht zuletzt der Europäischen Union, ist es allerdings schon schwierig, genügend Impfdosen zu bekommen. In den USA dürfte die Impfquote (abgeschlossene Impfungen) von aktuell 3% der Bevölkerung bis Ende April auf etwa 35% ansteigen. (Vgl. unsere „Grafik der Woche“). Weitere 20% der Amerikaner könnten bereits Antikörper nach einer Infektion gebildet haben, so dass sich die kombinierte Immunitätsrate in etwa 12 Wochen auf rund 55% belaufen könnte. Das ist schon bedeutsam.

Wenn man die Covid-Mutanten einmal beiseite lässt, deuten die Immunisierungserfolge in Israel darauf hin, dass die Welt in Ländern, die Zugang zu Impfstoffen haben, bald anders aussehen könnte. Und dies hat kurzfristig beträchtliche Implikationen für das Wachstum und die Märkte.

Die Woche voraus

In der nächsten Woche stehen zahlreiche Daten und Feiertage an. In Asien sind die Märkte in China von Montag bis Mittwoch wegen des Neujahrsfests geschlossen, und in der gesamten Woche werden keine wichtigen Wirtschaftsdaten veröffentlicht. In Japan ist jedoch alles geöffnet, und am Montag stehen die vorläufigen Wachstumszahlen zum Bruttoinlandsprodukt für das vierte Quartal an. Der Konsens rechnet mit einer Verlangsamung von 5,3% gegenüber dem Vorquartal im dritten auf 1,3% im vierten Quartal. Außerdem werden die Export- und Importdaten und die Verbraucherpreisinflationsrate veröffentlicht (Mittwoch bzw. Freitag).

In Europa richtet sich die Aufmerksamkeit auf Deutschland, wo am Dienstag der ZEW-Konjunkturbericht und am Freitag der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor veröffentlicht werden. Bei beiden Indikatoren wird eine Abschwächung erwartet. In Frankreich könnten am Montag höhere Arbeitslosenzahlen veröffentlicht werden, und die Verbraucherpreisinflation könnte sich sowohl in Frankreich als auch in Italien verlangsamen (Donnerstag bzw. Freitag).

In den USA sind die Märkte am Montag wegen des „President‘s Day“ geschlossen. Allerdings könnte der Covid-Konjunkturplan von Präsident Biden mit einem Volumen von 1,9 Billionen USDollar für Schlagzeilen sorgen. Die Demokraten dürften ohne oder mit nur geringer Unterstützung der Republikaner bis Mitte ein Paket im Umfang von etwa 1,5 Billionen US-Dollar verabschieden. Dann laufen die Erhöhungen der Arbeitslosenunterstützung aus.

Aus Datensicht sind in der kommenden Woche vor allem die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion (Mittwoch), die Anträge auf Arbeitslosenunterstützung und die Baubeginne (Donnerstag) und die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor (Freitag) interessant.

Technische Faktoren

Die jüngste Abkühlung an den Aktienmärkten ist durchaus zu begrüßen. Die überkaufte Lage normalisiert sich, so dass die Voraussetzungen für einen nachhaltigeren Kursanstieg geschaffen werden. Unter thematischen Gesichtspunkten ist das seit vielen Monaten diskutierte reflationäre Umfeld ist weiterhin günstig und dürfte die Kurse zusammen mit Kapitalzuflüssen weiterhin stützen.

Gleichzeitig sprechen steigende Rohstoffpreise und Inflationserwartungen für höhere Anleiherenditen. Die Renditen von 10-jährigen US-Staatsanleihen („Treasuries“) notierten zuletzt bei rund 1,15%. Wir halten einen Ausbruch in Richtung 1,40% für möglich, wenn sich die Erwartungen verändern, weil mehr für ein Fiskalpaket spricht und mehr Menschen geimpft sind.

Quelle: BondWorld