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Allianz GI : Intakter Aufschwung?

Allianz GI :  Das erste Quartal dieses Jahres endete nahezu wie es begann: Während US-Staatsanleiherenditen in Antizipation eines weiteren USKonjunkturpakets weiter stiegen, erreichten einige globale Aktienmärkte neue Allzeithochs.

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Von Dr.  Stefan Scheurer Director, Global Capital Markets & Thematic Research


Das dürfte auch an der stetigen Erholung der weltweiten Konjunktur liegen, die seit dem Beginn der Pandemie vor gut einem Jahr beachtlich war. Doch ist der konjunkturelle Aufschwung weiterhin intakt?

Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes dies- und jenseits des Atlantiks liegen weit über den historischen Durchschnitten, in Europa gar auf Allzeithochs – und das trotz des schleppenden Impfprozesses innerhalb der Europäischen Union und teils partiellen Verschärfungen der Lockdown-Maßnahmen. In den Schwellenländern Asiens deuten diese Frühindikatoren darauf hin, dass die wirtschaftliche Erholung auf Kurs bleibt, auch wenn die angebotsseitigen Verzerrungen kurzfristig zu nehmen sein sollten und die Ein- und Verkaufspreise weiter steigen dürften. An ein abruptes Ende dieser – von den USA angetriebenen – stärksten Erholung seit dem zweiten Weltkrieg scheint derzeit kaum jemand zu denken. Das drückt sich auch in verbesserten Umfragen zur Stimmungslage oder in einer zunehmenden Mobilität im Zuge eines verbesserten Impfprozesses aus. Diese Entwicklung sollte sich in naher Zukunft auch im Dienstleistungssektor bemerkbar machen, selbst wenn regionale Unterschiede bestehen bleiben dürften. Dass die USA hier einmal mehr eine Vorreiterrolle einnehmen, das unterstreicht nicht nur der ISM-Dienstleistungsindex – er wies den höchsten Wert seit Beginn der Datenreihe im Jahr 1997 aus –, sondern auch der starke USArbeitsmarktbericht aus der letzten Woche. Analysten passten ihre Konjunktur- und Inflationsprognosen (v. a. für die USA) im März weiterhin dem verbesserten makroökonomischen Ausblick an und auch der Internationale Währungsfonds erhöhte seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 6% (vs. +5.5% im Januar).

Mit einem weiterem billionenschweren USAusgabenpaket, einer extrem akkommodierenden internationalen Geldpolitik und einer zunehmenden Dynamik in der Impfentwicklung – z.B. werden bei den derzeitigen 3,1 Millionen Impfungen pro Tag bis Mitte Juni 75 % der erwachsenen Bevölkerung in den USA vollständig geimpft sein – dürften die globalen Aktienmärkte gut unterstützt bleiben. Auch wenn die Inflationserwartungen im Zuge gestiegener Rohstoffpreise neue Höchststände erreichten: 10- Jahres-Breakevenrate stieg in den USA auf den höchsten Stand seit 2013 bzw. laut der Umfrage der Universität Michigan stiegen die 5- bis 10- jährigen Inflationserwartungen auf den höchsten Stand seit 2015. Investoren dürften daher verstärkt in den kommenden Wochen auf das Verhalten der Notenbanken blicken. In den USA, im Vereinigten Königreich sowie in einigen Schwellenländern (Türkei, Brasilien, Russland) hat bereits mit der Neubewertung der mittelfristigen Zinserhöhungserwartungen begonnen, wobei moderat steigende Renditen als Folge wirtschaftlichen Wachstums positiv zu sehen sind.

Die Woche Voraus

Zum Wochenstart blicken die Anleger in den USA auf die (Kern-)Verbraucherpreise (Di), gefolgt von den Export- und vor allem Importpreise am Mittwoch. Der Donnerstag steht ganz im Zeichen der USA: Neben den Einzelhandelsumsätze und der Industrieproduktion dürften die beiden Frühindikatoren – Empire State Index sowie der Philly Fed Index – die weitere wirtschaftliche Erholung in den USA untermauern. Am Freitag könnte das (vorläufige) Verbrauchervertrauen der Universität Michigan ein verbessertes Vertrauen der USBürger in die heimische konjunkturelle Entwicklung signalisieren.

In der Eurozone steht im Sinne der Konjunkturindikatoren eine ruhige Woche an. Einzig der ZEW-Index am Dienstag – dieser wird am gleichen Tag auch für Deutschland veröffentlicht – und die Industrieproduktion (Mi) sind hervorzuheben. Letztere wird bereits am Montag für das Vereinigte Königreich bekanntgegeben. Besonderes Augenmerk liegt in der kommenden Woche insbesondere auf Asien. Chinas Handelsdaten am Dienstag dürften einmal mehr die Rolle Chinas im Welthandel widerspiegeln. Ein starker Anstieg der Exporte ist zu erwarten, wenngleich es zum Vorjahresvergleich noch zu Verzerrungen kommen kann. Auf der Importseite könnte sich einerseits die starke chinesische Währung bemerkbar machen, aber auch das Aufstocken vieler Läger im Nachgang des chinesischen Neujahrsfestes. Am Freitag folgen die Aktivitätszahlen für März, allen voran das Bruttoinlandsprodukt für das erste Quartal 2021. Nachdem die Wirtschaftstätigkeit im Januar und Februar robust blieb und die Einkaufsmanagerindizes zuletzt eher einen Hinweis auf eine Stärkung der Wachstumsdynamik gegeben haben, könnte es zu positiven Überraschungen bei diesen Konjunkturindikatoren kommen.

Der starke Anstieg vieler Früh- und Stimmungsindikatoren deutet auf Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes hin, die deutlich über Potenzial im weiteren Jahresverlauf liegen. Der konjunkturelle Aufschwung sollte demnach intakt bleiben, wenngleich sich dieser unter der Oberfläche eher ungleichmäßig entwickelte dürfte. Technische Indikatoren verdeutlichen dies: sie signalisieren nach der jüngsten Dynamik erste Anzeichen für ein überkauftes Umfeld für globale Aktien, insbesondere im Zuge der Entwicklung in den USA, während jene Indikatoren für Japan bzw. die Wachstumsländer einen eher neutralen bis leicht überverkauften Bereich andeuten. Marktteilnehmer haben sich im Zuge dessen am US-Optionsmarkt verstärkt abgesichert, d.h. Put-Optionen wurden gekauft, während das Lager der „Bullen“ unter den USInvestoren laut der American Association of Individual Investors (AAII) einen ersten Rückgang verzeichnen musste. Nichtsdestotrotz, die Positionierungsdaten deuten weiterhin auf ein „Übergewicht“ in Aktien hin, während Anleihen und auch Cash untergewichtet bleiben, obwohl seit Ausbruch der Pandemie noch mehr als 1 Billion US-Dollar in globalen Geldmarktfonds liegen und der Nettomittelzufluss in globale Aktienfonds in den letzten 21 Wochen bei ca. 560 Mrd. US-Dollar lag.

Quelle: BondWorld