Allianz GI: Kapitalmarktbrief – Wenn sich der Nebel lichtet

Auf der geopolitischen Ebene geht es hoch her. In den kommenden Wochen erhalten die Anleger neue Informationen zu einer Reihe von Risiken, die bislang die Schlagzeilen beherrscht haben. ……

 

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Dr. Greg Meier Vice President, US Capital Markets Research & Strategy


Die Ergebnisse werden das Geschehen an den Märkten bestimmen und dort die Richtung für den verbleibenden Teil des Jahres 2017 vorgeben.

In Europa nimmt mit den französischen Präsidentschaftswahlen ein außergewöhnlicher Wahlzyklus Fahrt auf. Zwar hat die gegen EU und Euro eingestellte Rechtsaußenkandidatin Marine Le Pen weiterhin gute Chancen, bei der ersten Abstimmung am 23. April zu gewinnen, doch wird sie wahrscheinlich nicht auf Anhieb eine Stimmenmehrheit erringen. Dann käme es zu einer zweiten Abstimmung am 7. Mai, die einer der etablierteren und marktfreundlicheren Kandidaten – vielleicht Emmanuel Macron – gewinnen dürfte. Doch wie jeder Trump-Unterstützer oder Brexit-Befürworter gern bestätigen wird, können Umfrageergebnisse täuschen. Während Frankreich auf der europäischen Bühne im Mittelpunkt steht, sollten die konkreten Details der Trennung Großbritanniens und der EU auf den Tisch kommen. Außerdem können jederzeit Neuwahlen in Italien ausgerufen werden, wo euroskeptische Parteien in den Umfragen derzeit führen.

Unterdessen enden am 29. April in den USA die ersten 100 Tage der Präsidentschaft von Donald Trump. Der durch Trumps wachstumsfreundliches Programm geweckte Optimismus war bislang eine wesentliche Triebfeder für die Perspektiven der Unternehmensgewinne, Inflationserwartungen und Aktienkurse sowie des Anstiegs „weicher“ Konjunkturindikatoren in den USA – wie dem in Umfragen erhobenen Vertrauen von Verbrauchern und Unternehmen. Doch trotz gewonnener Präsidentschaft und einer Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses sind die Dinge für Trump nicht rund gelaufen. Dabei hat er sich zum einen durch sein eigenes Verhalten – wie zum Beispiel Twitter- Botschaften über Abhöraffären und Verbindungen nach Russland – selbst geschadet. Zum anderen haben sich externe Hindernisse in Form der hohen Staatsverschuldung und in Gestalt fiskalpolitischer Hardliner in seiner Partei aufgetan.

Das Scheitern der republikanischen Initiative bei der Demontage des Gesundheitssystems Obamacare am 24. März könnte einen Vorgeschmack auf zukünftige Herausforderungen für die hochfliegenden Pläne von Trump sein. Das Führen einer Regierung ist nun einmal kompliziert. Einen Konsens über schuldenfinanzierte umfangreiche Steuersenkungen und Infrastrukturausgaben in Höhe von 1 Billion US-Dollar zu finden, ist keine Selbstverständlichkeit. Am 10. April geht der Kongress in eine zweiwöchige Pause, und schon am 28. April geht der US-Regierung voraussichtlich das Geld aus. Ein einfacher Weg, um das Funktionieren der Trumponomics sicherzustellen, wäre zum einen die Vermeidung des Risikos, dass die Regierung ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen kann, zum anderen eine Einigung über die Verlängerung der Finanzierung zumindest bis zum Herbst, wenn die Schuldenobergrenze wieder ein Thema wird.

Während das weltpolitische Umfeld unsicher ist, stehen die internationalen Notenbanken vor der Herausforderung, eine Balance zwischen ihrer stark expansiven Geldpolitik und abrupt gestiegenem Inflationsdruck zu wahren. In den USA, in Großbritannien und dem übrigen Europa beträgt der Anstieg der weitgefassten Inflationsrate bereits 2 % oder mehr. Gleichzeitig betreiben sieben Notenbanken der Welt nach wie vor eine Politik negativer Zinsen, und die Ausweitung der Geldmenge setzt sich mit atemberaubendem Tempo fort. Die von den Notenbanken bereitgestellte Liquidität – einer der stützenden Faktoren für die Kurse risikoreicher Anlageklassen nach der Finanzkrise – könnte nach unserer Einschätzung Anfang 2018 ihren Höchststand erreichen.

Jetzt Risiken einzugehen, dürfte sich auszahlen, wenn günstige Wahlergebnisse in Europa und Fortschritte beim Konjunkturprogramm der US-Regierung die derzeitige Unsicherheit weichen lassen. Wenn allerdings die Risiken Realität werden, könnten sich die Gewinnerwartungen – und damit die Aktienkurse – als etwas überzogen erweisen. Wie immer werden wir das erst dann genau wissen, wenn sich der Nebel gelichtet hat.

Quelle: BondWorld.ch