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Allianz GI : Realökonomische Indikatoren wieder im Fok

Allianz GI : Es war ein vielversprechender Start in die abgelaufene Kalenderwoche. Die positiven Impfstoffnachrichten…

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Von Stefan Scheurer Director Global Capital Markets & Thematic Research


die jeweils eine über 90- prozentige Wirksamkeit gegen das Coronavirus attestieren, sorgten für weiteren Rückenwind an den Börsen.

US-amerikanische Aktienmärkte, aber auch der MSCI-Index für asiatische Aktien erreichten neue Allzeithochs. Letztere standen aber vor allem im Zeichen der Unterzeichnung des weltweit größten regionalen Freihandelsabkommens, dem sogenannten Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP). Es umfasst 15 Nationen mit einer Bevölkerung von 2,2 Milliarden Menschen, deren Wirtschaftskraft mit 26,2 Billionen US-Dollar fast 30% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts ausmacht und ist damit größer als das Abkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada bzw. der Europäischen Union. Aus globaler Sicht stellt es einen wichtigen Schritt in Richtung einer umfassenderen regionalen Integration dar. Es signalisiert aber auch, dass Asien die Handelsliberalisierung weiter vorantreibt und sich dabei das globale wirtschaftliche Gravitationszentrum weiter nach Osten hin verschiebt.

Dazu passen die jüngsten Wirtschaftsdaten aus China, die eine stetige Erholung der Wirtschaft widerspiegeln. Zudem reflektiert der Datenfluss vom Oktober, dass sich die Wachstumsbelebung auf den inländischen Verbrauch bzw. den Dienstleistungssektor ausgeweitet hat. Erwartungsgemäß sollte sich das Wirtschaftswachstum im 4. Quartal 2020 in Richtung des Potenzialwachstums von 6 % für das Gesamtjahr bewegen. Diese Erholung dürfte aber auch maßgeblichen Anteil daran haben, dass bis Ende Q3 mehr als zwei Drittel des 10- prozentigen Einbruchs der Weltwirtschaft im ersten Halbjahr rückgängig gemacht werden konnten. Nichtsdestotrotz, es scheint ein langer und steiniger Weg in Richtung vollständiger Konjunkturerholung zu werden. Vor dem Hintergrund eines nachlassenden geld- und fiskalpolitischen Impulses, eines Abebbens der aufgestauten Güternachfrage und eines weiterhin fragilen Dienstleistungssektors rechnen wir daher mit einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den kommenden Monaten. Dabei überwiegen die konjunkturellen Abwärtsrisiken, zumindest auf kurze Sicht, im Zuge der zuletzt deutlich verschlechterten Pandemieentwicklung in vielen Ländern.

Die ökonomischen Kosten der Pandemie dürften daher weiter steigen. Die Rufe nach einem weiteren US-Konjunkturprogramm werden lauter, während die Notenbanken nicht müde werden, taubenhafte Signale zu senden oder gar weitere expansive Schritte in Aussicht zu stellen.

Die Woche Voraus

In der kommenden Kalenderwoche dürfte sich der Fokus nach Tagen des Aufwinds im Zuge der auflösenden Unsicherheit im Kontext der USWahl sowie der positiven Impfstoffnachrichten wieder verstärkt auf das COVID-19 Infektionsgeschehen bzw. die realökonomischen Indikatoren richten. In den USA startet die Woche mit diversen Früh- und Stimmungsindikatoren, insbesondere dem Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (Mo), gefolgt vom Verbrauchervertrauen des Conference Boards (Di). Letzteres könnte sich angesichts der Tatsache, dass immer mehr Staaten Beschränkungen auferlegen, stärker eintrüben und letztendlich auch auf dem privaten Konsum lasten. Am Mittwoch stehen neben den wöchentlichen Arbeitsmarktdaten und den vorläufigen Auftragseingängen für langlebige Güter auch das Sitzungsprotokoll der USNotenbank an.

In der Eurozone sind es vorwiegend die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe, auf denen das Interesse der Marktteilnehmer liegen dürfte (Mo). Die neuerlichen Beschränkungsmaßnahmen hingegen könnten sich negativ auf die Wirtschaftsstimmung (Fr) auswirken. Länderspezifisch liegt die Aufmerksamkeit in Deutschland auf dem ifo-Geschäftsklimaindex (Di) bzw. dem GfK-Verbrauchervertrauen (Do), während die vorläufigen Verbraucherpreise in Frankreich einen ersten Anhaltspunkt für die Zinssitzung der Europäischen Zentralbank im Dezember geben könnten. In Asien scheint der Datenkalender in der kommenden Woche spärlich besetzt zu sein – einzig die Verbraucherpreise im Großraum Tokio stehen Ende der Woche an (Fr).

Seit der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl hat sich die Positionierung in riskanteren Vermögenswerten, zu denen auch Aktien zählen, deutlich ausgeweitet. So stieg laut der American Association of Individual Investors (AAII) der Anteil der „Bullen“ unter den US-Investoren – mit Blick auf die nächsten 6 Monate – allein in der letzten Woche von 38% auf 56%, während laut der aktuellen Umfrage der Bank of America unter Fondsmanager die Cash-Quote mit knapp 4% auf das Niveau vor COVID-19 gefallen ist. Im Zuge dessen konnten globale Aktienfonds jüngst den größten wöchentlichen Nettomittelzufluss der letzten 20 Jahre verzeichnen – 44,5

Milliarden US-Dollar (siehe Grafik der Woche). Während die positiven Nachrichten über anstehende Impfstoffe die Aussichten für die derzeit schwächelnde Ölnachfrage etwas aufgehellt haben, begünstigte dies auch eine weitere Versteilerung der Zinsstrukturkurven an den Anleihemärkten. Doch allem Optimismus zum Trotz, der Rückenwind könnte nachlassen: Eine flächendeckende Impfung benötigt Zeit und gemessen an den Relative-Stärke Indikatoren nähern sich die globalen Aktienmärkte einem überkauften Niveau. Das könnte zwischenzeitlich zu einzelnen Gewinnmitnahmen in den kommenden Wochen führen

Quelle: BondWorld