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Allianz GI : Spot-on

Allianz GI : Die Weltwirtschaft hat mit weiter steigenden COVID-19 Infektionszahlen und damit einhergehende Beschränkungsmaßnahmen, insbesondere in Europa, zu kämpfen.

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Von Stefan Scheurer Director, Global Capital Markets & Thematic Research


Die Sorge, dass diese Maßnahmen zur Einschränkung der Mobilität die ohnehin wackelige Erholung der Konjunktur noch stärker gefährden könnten, lastete auf den internationalen Kapitalmärkten. Das Angstbarometer, der Volatilitätsindex (VIX) des US-amerikanischen Aktienmarktes S&P 500, sprang um mehr als 30% nach oben, während die bis dato besser als erwartet laufende Berichtssaison in den Schatten gestellt wurde.

Früh- und Stimmungsindikatoren in Europa verloren zuletzt weiter an Dynamik, während in den USA viele hochfrequente Makrodaten weiterhin deutlich unterhalb ihres Vor-COVIDNiveaus notieren. So hat das Konjunkturmomentum bereits vor der jüngsten COVIDBeschleunigung deutlich nachgelassen und unterstreicht die Risiken einer deutlichen Wachstumsverlangsamung (nicht nur der USWirtschaft) im Schlussquartal 2020.

Spot-on auf die US-Präsidentschaftswahlen. Bereits fast 60 Mio. US-Amerikaner – oder etwa 40% der gesamten Wahlbeteiligung in den USA – ihre Stimme per Briefwahl abgegeben und damit deutlich mehr als die 47 Mio. US-Bürger 2016. Sollten sich die aktuellen Umfragen als zutreffend herausstellen, könnte es auch auf eine Mehrheit der Demokraten in beiden Häusern des Kongresses hinauslaufen (demokratischer „Sweep“). Die Kapitalmärkte scheinen dieses Szenario stärker einzupreisen, und damit auch die Wahrscheinlichkeit eines US-Fiskalpakets, das dadurch bedingt höher als erwartet ausfallen könnte – bis zu 7 Billionen US-Dollar stehen im Raum. So reagierten die Märkte für US-Staatsanleihen in der Tendenz mit steigenden Renditen – sie legten knapp 30 Basispunkte seit ihrem Tief vom August zu –, während der US-Dollar zur Schwäche neigte. Doch nicht nur in den USA heißt es: „Spot-On“. Auf dem alten Kontinent gehen die Brexit-Verhandlungen in die heiße Phase, während Chinas 14. Fünf-Jahres-Plan ebenfalls im Rampenlicht stehen dürfte. Zwar werden bei Letzterem nach dem Ende der Sitzung nur Grundzüge, aber kaum Details des wirtschaftspolitischen Kurs für die kommenden Jahre veröffentlicht (diese werden vom Volkskongress voraussichtlich im kommenden März für die Jahre 2021 bis 2025 verabschiedet), könnten aber im Kontext des Handelskonflikts bzw. der Strategie „Made in China 2025“ (die neuerdings auch „Dual Circulation“ genannt wird) für Aufmerksamkeit sorgen.

Die Woche Voraus: US-Arbeitsmarkt im Fokus

Die kommende Kalenderwoche startet in den USA mit dem ISM-Einkaufsmanager für das verarbeitende Gewerbe. Zwar wird laut Konsensus mit einer leichten Verbesserung gerechnet, das Momentum könnte im Zuge steigender Infektionszahlen allerdings leicht abnehmen – das gleiche könnte auch auf den Index für das Dienstleistungsgewerbe zutreffen (Mi). Am Dienstag folgen die Auftragseingänge, während es am Mittwoch „Spot-on“ auf den monatlichen Bericht zur Beschäftigungsentwicklung in der Privatwirtschaft heißen dürfte. Die Arbeitsmarktdaten sind es auch, die aus Konjunktursicht die kommende Woche in den USA prägen dürften. So wird neben den wöchentlichen Erst- und Folgeanträge auf Arbeitslosenhilfe (Do), die Beschäftigungsentwicklung außerhalb der Landwirtschaft sowie die Arbeitslosenquote für Oktober (beide Fr) veröffentlicht. Die Leitzinsentscheidung der USNotenbank (Do) rückt daher eher in den Hintergrund.

Wie stark der private Konsum von dem gestiegenen Infektionsgeschehen betroffen wurde, darüber könnten die Einzelhandelsumsätze (Di) in der Eurozone Auskunft geben. Länderspezifisch liegt die Aufmerksamkeit in Deutschland ebenfalls auf den Einzelhandelsumsätzen (Do), gefolgt von den Auftragseingängen der Industrie (Do) sowie der Industrieproduktion (Fr). Im Vereinigten Königreich ist das Rampenlicht auf die Bank of England gerichtet (Do). Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus‘ und das Auslaufen des Anleiheaufkaufprogramm zum Jahresende könnte die Diskussion um weitere monetäre Stimulusmaßnahmen neu entfachen.

Der Fokus in Asien liegt einmal mehr auf China. Der privatwirtschaftliche Caixin Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe gleich zu Beginn der Woche (Mo) könnte zwar leichte Bremsspuren signalisieren, die wirtschaftliche Erholung zurück zur Normalität dürfte aber weiterhin voranschreiten. Das könnten auch die Außenhandelsdaten über das Wochenende signalisieren.

Verhaltene Positionierung könnte sich allmählich auflösen

In Anbetracht der Unsicherheit hinsichtlich der anstehenden US-Präsidentschaftswahl sowie der laufenden Verhandlungen nicht nur über das USFiskalpaket, sondern auch über den Brexit scheinen sich Investoren laut dem Optionsmarkt vorerst noch abwartend, gar defensiv zu positionieren. Das könnte sich jedoch im Anschluss dessen schnell ändern, denn in der Vergangenheit konnte des Öfteren beobachtet werden, dass risikobehaftete Vermögenswerte (u.a. Aktien) im Anschluss an eine US-Wahl Nettomittelzuflüsse verzeichnen konnten. So stieg laut der American Association of Individual Investors (AAII) bereits der Anteil der Bullen unter den US-Investoren – mit Blick auf die nächsten 6 Monate – von 25% auf 36% im Verlauf des letzten Monats.

Quelle: BondWorld