Naumer Hans-Jorg Allianz GI

Allianz GI : Stagflation? 

Allianz GI : Die Konjunktur wird mit immer stärkeren Argusaugen beobachtet.

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Von  Dr. Hans-Jörg Naumer Director Global Capital Markets & Thematic Research


Das war auch zu erwarten, denn es war nur eine Frage der Zeit, bis die starke konjunkturelle Aufholbewegung nach der Pandemie, die mit starken fiskalischen und monetären Spritzen aufgepäppelt wurde, ihren Zenit überschreitet. Sie tut dies nach Regionen bzw. Ländern de-synchron. Der Gipfel scheint nun aber überall überschritten. So auch in China. Das Reich der Mitte meldete für das dritte Quartal dieses Jahres eine Verlangsamung des Wachstums des Bruttoinlandsproduktes. Zusätzlich weisen die September-Daten ein deutlich gedrosseltes Kreditwachstum aus. Das Finanzierungsvolumen war das geringste seit 2006.

Die Sorgen um die Inflation verdichten sich im Reigen der Konjunkturdaten der letzten Wochen immer mehr zum Reizwort „Stagflation“, also dem Zusammenspiel steigender Preise bei einer gleichzeitig stagnierenden Wirtschaft. Nicht zuletzt die steigenden Rohstoffpreise erinnern an dieses aus den 70’ern bekannte Phänomen.

Die Berichtssaison für das dritte Quartal in den USA nimmt derweil weiter Fahrt auf. Während die Analysten im Allgemeinen von einem robusten Gewinnwachstum ausgehen, sind sie im Vorfeld der Berichtssaison doch vorsichtiger geworden, was sich in der Dynamik der Gewinnrevisionen widerspiegelt. Die Relation der Aufwärts vs. der Abwärtsrevisionen liegt deutlich unter dem Höchststand, und schwächt sich von hohen Niveaus weiter ab. Der bröckelnde Optimismus lässt zwar Raum für positive Überraschungen, aber das Ausmaß, mit dem die Berichte in den letzten fünf Quartalen besser als erwartet ausfielen, wird sich wahrscheinlich nicht wiederholen. Angesichts der unbequemen Mischung aus langsamerem, globalem Wachstum und erhöhtem Inflationsdruck werden Anleger genau prüfen, inwieweit die Unternehmen (bereits) Margendruck verspüren oder diesen in Zukunft erwarten. In diesem Zusammenhang wird es auch bedeutsam sein, inwieweit die Unternehmen in der Lage sind, Engpässe bei den Lieferketten zu bewältigen.

Die Woche voraus

Die kommende Woche wird dominiert von Sentimentindikatoren. Den Auftakt machen der ifo-Konjunkturklimaindex für Deutschland und der nationale Aktivitätsindex der Chicago Fed für die USA am Montag. Am Mittwoch folgen dann das GfK-Verbrauchervertrauen für Deutschland und die Auftragseingänge für langlebige Güter (USA). Am Donnerstag stehen die Wirtschaftsstimmung und die Verbraucherpreisentwicklung für die Eurozone, sowie die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe für die USA an. Diese zeigten zuletzt einen engen Arbeitsmarkt an, eine Quelle für aufkommenden Preisdruck. Zusätzlich kommen Zahlen zur Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes für das dritte Quartal aus der Eurozone und aus den Vereinigten Staaten

„Stagflation“ also? Der Begriff erscheint als zu stark, und zeigt, dass Märkte gerne von Extrem zu Extrem wechseln, und „Narrative“ (man denke nur Robert Shiller) oft in zu kurz greifende Begriffe gegossen werden. Die Inflation ist aber da und dürfte uns noch länger beschäftigen.

Technisch bewegen sich die Aktienmärkte in unruhigem Fahrwasser, dass immer wieder Rücksetzer erwarten lässt. Dabei bilden die 200-Tageslinien bisher gute Widerstände, und auch die RelativeStärke-Indikatoren bewegen sich auf entspanntem Terrain. Dies dürfte möglichen Abgabedruck abmildern. (?) Die Renditen langlaufender Staatsanleihen für die USA und die Eurozone, sowie der BloombergRohstoffpreisindex, brachen dagegen nach oben aus.

Quelle: BondWorld