Rondorf Stefan Allianz GI

Allianz GI : Und „Action“, bitte!

Allianz GI : Nach einer Phase vergleichsweiser niedriger Schwankungsbreiten auf Aktien-, Anleihe- und Währungsmärkten über den Sommer hinweg lässt der Blick in den Kalender für die kommenden Wochen mehr „Action“ erwarten.

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Von  Dr. Stefan Rondorf Senior Investment Strategist, Global Economics & Strategy


Die Kombination von politischen Ereignissen mit einer Reihe von Zentralbankmeetings vor dem Hintergrund unerwartet hoher Inflationsraten dürfte den Puls der Märkte höherschlagen lassen.

So stehen in der kommenden Woche ganze sieben Zentralbanksitzungen an, in den USA, im Vereinigten Königreich, in Japan, Südafrika, Indonesien, Brasilien und der Türkei. Wie gewöhnlich dürfte das Meeting der Federal Reserve die meiste Aufmerksamkeit auf sich lenken. Nachdem sich die US-Zentralbank beim neuen Durchschnittsinflationsziel bereits voll auf Kurs sieht, dürften sich in den nächsten Wochen und Monaten auch genug Verbesserung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt erreichen lassen. Dann könnte gegen Jahresende das Volumen der Anleihekäufe zurückgefahren werden („Tapering“). Dies dürfte keine Überraschung mehr sein. Von daher könnte zunehmend ins Blickfeld geraten, wann die Währungshüter über Zinserhöhungen nachdenken. Dies teilen sie uns im sogenannten „Dot chart“ mit. Bisher peilen Sie das erste Quartal 2023 dafür an.

Mit Blick auf politische Ereignisse erhöht sich in den nächsten Wochen ebenfalls die Schlagzahl. Neben Wahlen in Kanada rückt die deutsche Bundestagswahl am 26. September in den Fokus. Hier interessiert die Kapitalmärkte vor allem, wie wieviel „konservative“ Fiskalpolitik in der neuen Regierung übrigbleiben wird und wie die Klimapolitik gestaltet wird. Als Maßgröße dafür könnte der CO2-Preis für deutsche Verbraucher in den Fokus rücken. Zu hoffen bleibt, dass sich die Regierungsbildung mit vermutlich drei notwendigen Koalitionspartnern nicht als übermäßig langwierig und kompliziert darstellen wird.

In den Vereinigten Staaten befinden sich die immensen Infrastrukturpakete der Biden-Regierung zudem noch im Abstimmungsprozess. Vermutlich wird sich vor allem bei den Ausgabenplänen im sozialen Bereich noch Kürzungen ergeben. Zuletzt haben sich auch Gegenfinanzierungsvorschläge in Form von selektiven Steuererhöhungen für Unternehmen und Bezieher hoher Einkommen konkretisiert. Parallel steht Anfang bis Mitte Oktober die Heraufsetzung der Schuldenobergrenze und die Freigabe des Haushalts an. Daher sollte sich der (Zeit-)Druck auf alle Beteiligten erhöhen.

Die Woche voraus

Auch neben den oben bereits angesprochenen Zentralbankmeetings ist der Datenkalender kommende Woche gut gefüllt. Besondere Beachtung verdienen die Flash-Einkaufsmanagerindizes für den September, die überwiegend am Donnerstag veröffentlicht werden.

Wir beobachten dabei

1) ob eine leichte Beruhigung bei der Delta-Infektionswelle in einigen Ländern den Indizes für Dienstleister stabilisieren können, und

2) wie sich die weiter angespannten Lieferketten auf das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe auswirken.

Dazu gesellt sich in der Eurozone der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex am Freitag, und das Verbrauchervertrauen der EU-Kommission am Mittwoch. Aus Japan wird die Konsumentenpreisinflation für den August gemeldet, sie dürfte weiter deutlich niedriger als in anderen Industrieländern verharren. Aus den Vereinigten Staaten werden zudem eine Reihe von Häusermarktdaten berichtet.

Das Umfeld bleibt insgesamt robust

Vielen Marktteilnehmern scheint bewusst zu sein, dass ereignisreichere Wochen bevorstehen. Gemäß einer Umfrage der Deutschen Bank unter überwiegend professionellen Investoren rechnen fast 70% der Befragten mit zeitweiligen Kursrückgängen an den Aktienmärkten bis zum Jahresende. Viele Umfragen zum Investorensentiment wie diejenige unter US-Privatanlegern von AAII (American Association of Individual Investors) deuten auf ein gegenüber der Hochstimmung des Frühjahrs abgekühltes Sentiment hin. Vor dem Hintergrund weiter robusten globalen Wachstums über dem Trend, und sehr maßvoller Rückführung von Stimulus von Seiten der Zentralbanken sehen wir den kommenden Wochen gespannt aber nicht verunsichert entgegen.

Quelle: BondWorld