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Allianz GI : Unklarer Trend, steigende Volatilität

Allianz GI : Das Jahr 2020 wird in die Geschichtsbücher eingehen. Zum einen ist eine weltweite Pandemie ausgebrochen, welche die Weltwirtschaft auf den Kopf stellt.

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Von Dr. Greg Meier Senior Economist Direktor


Dabei sind jetzt drei Punkte von Bedeutung.

Erstens ist die Staatsverschuldung in zahlreichen Ländern stark angestiegen, damit die Regierungen die von Covid-19 betroffenen privaten Haushalte und Unternehmen durch Konjunkturmaßnahmen unterstützen konnten.

Zweitens hat die Pandemie eine historisch einzigartige geldpolitische Reaktion ausgelöst. Die Zentralbanken pumpen Liquidität in die Wirtschaft, senken die Kreditkosten und kaufen finanzielle Vermögenswerte auf. Dies hat beträchtliche Auswirkungen: Am Markt schnellte das implizierte Risiko einer globalen Kreditkrise im März zwar in die Höhe, kehrte aber rasch wieder auf das Niveau vor der Pandemie zurück.

Die jetzt ergriffenen geldpolitischen Maßnahmen könnten jedoch eine „Normalisierung“ der Politik in den kommenden Jahren erschweren. Den meisten Zentralbanken ist es ja schon nicht gelungen, die Zinsen (und ihre Bilanzvolumina) nach der Krise des Jahres 2008 wieder auf das Niveau vor der Rezession zu bringen. Und dabei sind die pandemiebedingten Kreditaufnahmen von heute noch gar nicht berücksichtigt, aufgrund derer künftige Zinserhöhungen noch schwieriger werden könnten

Und drittens ist da noch die Politik. Die Regierungen hatten sehr unterschiedlichen Erfolg damit, das Virus einzudämmen, ihre Volkswirtschaften wieder zu öffnen und sich politische Unterstützung für ihre Maßnahmen zu sichern.

Die Covid-19-Pandemie könnte übrigens einen Einfluss auf den Ausgang der Wahlen in den USA haben. Knapp 80% der über 220.000 an Covid-19 verstorbenen US-Bürger waren über 65 Jahre alt. In dieser Altersgruppe hatte Präsident Trump im Jahr 2016 einen Vorsprung von 8%-Punkten. Nun stellt sich die Frage, ob er weiterhin auf diese Unterstützung bauen kann, wenn eine dritte Infektionswelle in den USA naht.

 Die Woche voraus 

In der kommenden Woche könnte es zum Thema US-Wahlen etwas Neues geben, wenn mehr zum Wahlverhalten der Frühwähler bekannt wird.

Gleich zum Wochenbeginn am Montag werden in Deutschland die Ifo-Indizes für die Geschäftserwartungen und die aktuelle Lage veröffentlicht, die beide im Oktober ansteigen sollten. In den USA stehen die Hausverkäufe im September und der Chicago National Activity-Einkaufsmanagerindex für Oktober an. Beide Datenreihen könnten moderater ausfallen

Auch am Dienstag stehen die USA im Zentrum der Aufmerksamkeit. Den Konsensprognosen zufolge sollten die Auftragseingänge für dauerhafte Konsumgüter im September angestiegen, das Verbrauchervertrauen dagegen etwas gesunken sein. Außerdem werden die Daten zum Geldmengenwachstum (M3) in der Europäischen Union veröffentlicht; wir rechnen mit einer Beschleunigung

Am Mittwoch ist weniger los, am Donnerstag und Freitag dafür umso mehr. In Asien stehen in Japan die Einzelhandelsumsätze, der Index für das Verbrauchervertrauen und eine Sitzung der Bank of Japan an. In Europa richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, die Arbeitslosenzahlen und Inflationsdaten für Deutschland, das Verbrauchervertrauen und die Arbeitslosenzahlen in Italien und das Wirtschaftsvertrauen in der EU. Außerdem werden vorläufige Zahlen zum Bruttoinlandprodukt für das dritte Quartal für Frankreich, Deutschland, Italien und die Europäische Union veröffentlicht. Nach dem historischen Einbruch im zweiten Quartal ist nämlich mit einem deutlichen Anstieg zu rechnen.

In den USA werden die Anleger vor allem die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, die Kernrate der Inflation und die Vorabschätzung für das BIP im dritten Quartal im Blick behalten. Das BIP sollte kräftig zugelegt haben.

Technische Faktoren

Einige Anleger setzen wieder auf eine Reflation. Die Breakeven-Kurse von USStaatsanleihen steigen an. Die Rohstoffpreise klettern nach einer (schwachen) Zwischenkonsolidierung wieder. Vor allem bei Agrarrohstoffen ist eine gewisse Dynamik zu verzeichnen. Der US-Dollar hat seine Widerstandslinien nicht durchbrochen und schwächt sich insbesondere gegenüber asiatischen Währungen wieder ab. An den Finanzmärkten ist kein klarer Trend zu erkennen, und die Volatilität nimmt zu. Die Kurse von europäischen Aktien haben sich nach der jüngsten Korrektur nicht vollständig erholt. Der Optimismus hat sich zwar abgekühlt, aber die Kombination aus reichlich vorhandener Liquidität und einer günstigen saisonalen Entwicklung könnte die Aktienkurse stützen, so dass Aufwärtspotenzial besteht.

An den Finanzmärkten ist kein klarer Trend zu erkennen, und die Volatilität nimmt zu. Die Kurse von europäischen Aktien haben sich nach der jüngsten Korrektur nicht vollständig erholt. Der Optimismus hat sich zwar abgekühlt, aber die Kombination aus reichlich vorhandener Liquidität und einer günstigen saisonalen Entwicklung könnte die Aktienkurse stützen, so dass Aufwärtspotenzial besteht.

Quelle: BondWorld