Scheurer Stefan Allianz GI

Allianz GI : Verschnaufpause? 

Allianz GI : Die Entwicklung der Pandemie zeigte auch in dieser Woche ein differenziertes Bild.

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Von Stefan Scheurer Director, Global Capital Markets & Thematic Research


Während vereinzelt lokale Ausbrüche unter anderem dazu führten, dass Regierungen wieder Ausgangsbeschränkungen einführten, zeigten erste klinische Studien zu möglichen Impfstoffen gegen das Coronavirus aussichtsreiche Erfolge. Diese Hoffnung auf einen Impfstoff sowie Aussichten auf weitere fiskalische Hilfsprogramme waren es dann auch, die die internationalen Aktienmärkte teils zu neuen Jahresoder gar Allzeithochs führten.

Und dass, obwohl in den USA in vielen Bundesstaaten das öffentliche Leben wieder zurückgefahren wurde. 25 US-Staaten haben mittlerweile ihre Pläne zur Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit im Zuge des rasanten Anstiegs von Corona-Neuinfektionen unterbrochen. Angesichts dessen hat sich die Stimmung der USKonsumenten wieder eingetrübt. Dies könnte die Erholung der größten Volkswirtschaft der Welt verlangsamen – alternative Indikatoren signalisieren bereits eine Verlangsamung der Mobilität bzw. einen Rückgang der Restaurantreservierungen –, denn der private Konsum gilt als tragende Säule der US-Wirtschaft. Angesichts der angespannten Situation ringt der US-Kongress mitten im US-Wahlkampf nun um das nächste billionenschwere Corona-Hilfspaket, denn nicht nur die wirtschaftlichen Konsequenzen sind enorm, auch droht die Finanzierung der USArbeitslosenunterstützung Ende Juli auszulaufen.

Zur gleichen Zeit einigten sich die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union auf ein Haushalts- und Finanzpaket im Umfang von 1,8 Billionen Euro – 1074 Mrd. EUR stehen für den nächsten siebenjährigen Haushaltsrahmen zur Verfügung, während 750 Mrd. EUR für ein Konjunktur- und Investitionsprogramm gegen die Folgen der Pandemiekrise bereitgestellt wurden. In Summe, ein wichtiger Schritt zur Krisenbekämpfung – u.a. soll die EU-Kommission auf den Kapitalmärkten Mittel zur Finanzierung des Wiederaufbaufonds aufnehmen.

Nicht zu vergessen: Die Berichtssaison für das zweite Quartal dürfte weiter mit Interesse beobachtet werden. Bis dato zeigte sich, dass trotz des schwierigen Marktumfelds die Unternehmen in der Lage waren, die Konsensus-Erwartungen zu schlagen. So konnten in den USA knapp 80% der US-Unternehmen die Gewinnerwartungen bzw. über 70% die Umsatzerwartung der Analysten übertreffen. Ein Zahlenwerk, dass zwar ermutigend erscheint, aber aufgrund der stark reduzierten Gewinnerwar-tungen im Vorfeld und der verhaltenen Ausblicke der Unternehmenslenker mit Vorsicht zu genießen ist.

Die Woche Voraus: Q2-Wirtschaftsleistung zeigt Auswirkung der Corona-Pandemie

In den USA startet die kommende Kalenderwoche mit den Auftragseingängen für langlebige Güter (Mo), gefolgt von Frühindikatoren einzelner regionaler US-Notenbanken (Mo und Di). Das Verbrauchervertrauen des Conference Boards (Di) könnte sich laut Konsensus in Folge der Rücknahme der geplanten Lockerungen leicht abschwächen. Mit Interesse dürfte demzufolge die anstehenden US-Notenbanksitzung verfolgt werden (Mi) samt anschließender Pressekonferenz. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Beschränkungen sollten sich auch laut Konsensus in der ersten Schätzung des Q2-Wirtschaftswachstums widerspiegeln – hochgerechnet auf das Gesamtjahr (annualisiert) wird ein Rückgang von über 30 Prozent erwartet.

Für die Eurozone liegt das Augenmerkt ebenfalls auf dem vorläufigen Q2-Bruttoinlandsprodukt (Fr). Durch einen weitaus längeren Zeitraum indem die Wirtschaftstätigkeiten unterbrochen waren, dürfte die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal deutlich stärker zurückgegangen sein als im ersten Quartal. Stimmungsindikatoren hingegen, z.B. der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex (Mo) oder das französische Verbraucher-vertrauen (Mi), könnten sich im Zuge weiterer Lockerungsmaßnahmen erneut verbessern und den positiven Trend der Stimmungsaufhellung in Europa fortsetzen. Ob es am europäischen Arbeitsmarkt zu einer schnellen Erholung kommt, darüber dürften die jüngsten Arbeitsmarktzahlen am Donnerstag Auskunft geben.

Nachdem sich Chinas Wirtschaft im 2.Quartal schneller als erwartet erholt hat, sollte sich die konjunkturelle Stabilisierung auch im Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (Fr) widerspiegeln. Unterdessen dürfte in Japan die Industrieproduktion (Fr) im Zuge der schwachen Exporte in der ersten Jahreshälfte weiter rückläufig sein.

Verschnaufpause an den Aktienmärkten?

Die Aktienmärkte scheinen weiterhin einen langen Atem zu beweisen, der u.a. von ausreichender Liquidität und steigendem Risikoappetit angetrieben wurde. Nicht verwunderlich, dass im Zuge dessen die Cash-Quoten seit März laut einer Umfrage der American Association of Individual Investors (AAII) von 26% auf 18% gesunken sind und Geldmarktfonds laut EPFR allein in der letzten Woche Nettomittelabflüsse von 78 Mrd. US-Dollar verzeichneten. Doch kurzfristige technische Verschnaufpause könnten drohen, falls sich die Aussichten auf eine weitere konjunkturelle Erholung nicht bestätigen sollten. Der Anteil der Bären ist laut der AAII derweil leicht auf 45% gestiegen, das PutCall-Ratio liegt deutlich über seinem langjährigen Durchschnitt und gemessen an den Relative-Stärke Indikatoren nähern sich die Aktienmärkte in Europa und den USA einem überkauften Niveau.

Quelle: BondWorld