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Allianz GI : Zurück zur Normalität?

Allianz GI : Zurück zu Normalität? Zumindest im Zuge der angekündigten langsamen Lockerungsmaßnahmen vieler Länder scheinen die Mobilitätsdaten jedenfalls in diese Richtung zu deuten..

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von Dr. Stefan Scheurer Director, Global Capital Markets & Thematic Research


Und die zunehmende Mobilität und das Hochfahren der Wirtschaft hat nicht zuletzt auch dem Ölpreis geholfen. Allerdings befindet sich wie jüngst erwähnt das weltweite Ölangebot weiterhin in einer „Ära des Überflusses“ (trotz der beispielslosen Kürzung der in der OPEC+ zusammengefassten Ölstaaten), so dass sich die Aussichten für einen nachhaltig steigenden Ölpreis angesichts der schwachen Nachfrage und dem Mangel an zusätzlichen Rohölspeicherkapazitäten nicht wesentlich verbessern dürften. Stattdessen werden die öffentlichen Haushalte der Förderländer auf die Probe gestellt. Saudi-Arabien gab im Zuge dessen neben geringeren Staatsausgaben auch eine Verdreifachung der Mehrwertsteuer von 5 auf 15 Prozent bekannt. Um darüber hinaus seine Haupteinnahmequelle zu stabiliseren, gab das Königreich zudem eine weitere und einseitige Kürzung seiner Ölfördermenge im Juni um eine Million Barrel pro Tag (je 159 Liter) bekannt – das wäre die niedrigste Ölproduktion seit 18 Jahren.

Der zugrundeliegende Angebots- und Nachfrageschock, der durch das Coronavirus und den Einbruch der Ölpreise ausgelöst wurde, wurde im April im makroökonomischen Datenfluss zunehmend sichtbar. Unser Global Macro Breadth Index verzeichnete im vergangenen Monat den tiefsten und breitesten Rückgang seit Januar 2009, dem die Analysten mit weiteren signifikanten Abwärtsrevisionen ihrer Prognosen begegneten

Positiv dabei ist jedoch, dass die aggressiven Interventionen der Zentralbanken in den letzten Wochen eine weitere Straffung der globalen Finanzbedingungen verhindert haben. Doch von Normalität ist bei den internationalen Zentralbanken nach wie vor nichts zu spüren. Während in der abgelaufenen Woche die Bank of England auf zusätzliche Anleihekäufe in der Größenordnung von weiteren 100 Mrd. Pfund andeutete (Quantitative Easing), preisen US Fed Funds Futures negative Leitzinsen in den USA ein – auch wenn führende US-Notenbanker sich entschieden dagegen aussprechen. Hinzu kamen weitere Notenbanken, die neben signifikanter Liquiditätsbereitstellung, ihre Leitzins weiter reduzierten: Norwegen (-25 Basispunkte auf 0,0%), Brasilien (-75 Basispunkte auf 3,0%), die Tschechische Republik (-75 Basispunkte auf 0.25%) oder Malaysia (-50 Basispunkte auf 2%).

Die Woche Voraus

Die kommende Kalenderwoche startet in den USA mit aktuellen Daten vom Immobilienmarkt für den Monat April, von denen ein nachlassender Trend der US-Bautätigkeit erkennbar werden sollte (Di und Do). Nach dem Sitzungsprotokoll des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (Mi), blicken die Marktteilnehmer auf die jüngsten Anträge auf Arbeitslosenhilfe sowie auf die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes (beide Do). Der Philly Fed Index als weiterer Frühindikator – ebenfalls am Donnerstag – könnte die anhaltend negative Geschäftsentwicklung im produzierenden Gewerbe für den Monat Mai fortschreiben.

So sind es auch die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes, die die wichtigsten Konjunkturindikatoren für die kommende Woche im Vereinigten Königreich (Do) und in der Eurozone (Fr) darstellen, die in Summe die fragile wirtschaftliche Lage innerhalb der Europäischen Union untermauern dürften.

In Asien richtet sich die Aufmerksamkeit vor allem auf China, denn am 22. Mai (Fr) findet der von der Coronapandemie verschobene Nationale Volkskongress statt. Dabei dürfte die Frage nach dem Weg zurück in die soziale und wirtschaftliche Normalität im Mittelpunkt stehen. Zahlreiche Konjunkturdaten stehen zudem in Japan im Fokus. Das vorläufige Q1-Bruttoinlandsprodukt dürfte auf Jahresbasis um 4,5% schrumpfen (nach -7,1% in Q4 des Vorjahres). Neben den (Kern-)Maschinenbestellungen (Mi), die als Barometer für die Nachfrage nach industriellen Gütern gelten, liegt der Fokus auf der Handelsbilanz und den vorläufigen Einkaufsmanagerindizes (beide Do).

Active is:

Während die oben genannten Maßnahmen (zusammen mit der Abflachung der Kurve der Neuinfizierten) zuletzt zu einer Erholung in den Risikoassetmärkten beigetragen haben, deuten das schwache fundamentale Umfeld und eine mögliche zweite Coronavirus-Welle auf erhöhte Risiken einer erneuten Korrektur in den Finanzmärkten hin, bevor eine nachhaltigere Talsohle gefunden werden kann. Zudem wächst die Sorge über ein erneutes Aufflammen des Handelskonflikts zwischen den USA und China. Sentimentdaten deuten zwar bereits auf einen großen Pessimismus hin – der Anteil der Bären gemäß der American Association of Individual Investors (AAII) ist auf den höchsten Stand seit 7 Jahren gestiegen und die Geldmarktfonds verzeichneten global laut dem Datenanbieter EPFR Nettomittelzuflüsse von 1,1 Billionen USDollar innerhalb der letzten 10 Wochen. Technische Indikatoren signalisieren derweil ein teilweise überkauftes Marktumfeld. Es zeichnet sich ein kurvenreicher Weg ab zurück zur Normalität.

Source: BondWorld