Scheurer Stefan Allianz GI

Allianz GI : Zweifel wachsen

Allianz GI : Die internationalen Aktien- und die Rohstoffmärkte kamen zu Beginn der abgelaufenen Kalenderwoche unter Druck – Letztere nicht zuletzt auch aufgrund der Ausweitung …

Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter


Von  Dr. Stefan Scheurer Director, Global Capital Markets & Thematic Research


der Ölfördermengen der OPEC+- Staaten –, während die Renditen von 10-jährigen US-Staatsanleihen auf den niedrigsten Stand seit Februar fielen.

Zu groß scheinen vor allem die Sorgen vor der zunehmenden Ausbreitung der infektiöseren Delta-Variante zu sein, die bereits in mittlerweile über 100 Ländern nachgewiesen wurde. Insbesondere Länder mit niedrigen Impfquoten, u.a. jene Wachstumsländer in Südostasien, werden mit neuen Beschränkungen konfrontiert – mit entsprechender Auswirkung auf Mobilität bzw. Konjunktur. So nahm die Weltbank für die Region Ostasien und Pazifik (ohne China) wegen schleppender Impfstoffversorgung jüngst ihre Wachstumsprognose zurück.

Die potenziellen negativen Wachstumseffekte in den entwickelten Volkswirtschaften dürften sich bis dato in Grenzen halten. Doch mit der zunehmenden Verbreitung der Delta-Variante, dürfte auch das Infektionsgeschehen wieder zunehmen und den Konjunkturoptimismus dämpfen. Wachstumszweifel könnten zudem vermehrt von Seiten der Inflation kommen. Aktuelle Frühindikatoren deuten unvermindert auf anhaltende Lieferengpässe hin, die bei einer breiteren Öffnung der Volkswirtschaften zunehmend sichtbarer werden dürften. Entsprechend stiegen beispielsweise die (kurzfristigen) US-Inflationserwartungen laut der Umfrage der Universität Michigan auf den höchsten Stand seit 2008.

Im Zuge des Inflationsdrucks wurden zuletzt Maßnahmen unternommen, um diese abzuwenden. Einige Zentralbanken der Schwellenländer sind zu einer restriktiveren Haltung übergegangen und haben ihren Zinserhöhungszyklus eingeleitet. In Australien, Kanada oder Neuseeland kündigten die Zentralbanken an, dass sie ihre Anleiheaufkaufprogramme (QE) weiter reduzieren werden. Und angesichts der steigenden Inflation in Großbritannien weisen bereits mehrere Vertreter der Bank of England darauf hin, dass eine früher als erwartet straffere Geldpolitik erforderlich sein könnte. Doch obwohl der Inflationsdruck in allen Regionen zugenommen hat, sind viele Zentralbanken dem Beispiel der US-Notenbank (Fed) gefolgt und tolerieren vorsichtig einen „vorübergehenden“ Preisdruck.

Zweifel könnten jedoch wachsen, sollten auf mittlere Sicht die Aufwärtsrisiken für die Inflationsentwicklung weiter zunehmen und die Fed im Zuge dessen zu spät reagieren. Die Diskussion über ein Zurückfahren der extrem lockeren US-Geldpolitik hat indessen begonnen und der US-Geldmarkt preist bereits zwei Zinserhöhungen bis Ende 2023 ein.

Die Woche Voraus

Im Zuge dessen dürften die Marktteilnehmer mit Interesse die anstehende Zinsentscheidung in den USA verfolgen (Mi), wobei die Diskussion um den Beginn der allmählichen Rückführung der Anleihekäufe („Tapering“) an Fahrt gewinnen sollte. Zum Wochenstart jedoch richtet sich das Augenmerk auf diverse Frühindikatoren regionaler US-Notenbanken (Mo, Di), gefolgt von aktuellen Daten zum US-Immobilienmarkt (Mo, Di und Do), dessen Entwicklung in den Entscheidungen der US-Notenbanker zunehmend eine gewichtigere Rolle spielen dürfte. Das Verbrauchervertrauen des Conference Boards (Di) könnte erneut Anzeichen des Inflationsdrucks signalisieren, während die erste Schätzung zum US-Wirtschaftswachstum (Q2) den konjunkturellen Gipfel widerspiegeln sollte (Do). Zu guter Letzt: die US-Berichtssaison nimmt weiter Fahrt auf. Interessant könnten die Kommentare der Unternehmen hinsichtlich der Preisgestaltung sein.

In der Eurozone richtet sich der Fokus neben der Wirtschaftsstimmung (Do) und den ersten Schätzungen für das Q2-Wirtschaftswachstum (Fr), vor allem auf die vorläufigen (Kern-) Verbraucherpreise (Do, Fr). In Deutschland dürfte der ifo-Konjunkturklimaindex (Mo) sowie der GfK Verbrauchervertrauen (Mi) von Bedeutung sein, während im Vereinigten Königreich die Immobilienpreise im Mittelpunkt stehen sollten.

In Asien liegt besonderes Augenmerk diesmal auf Japan, vor allem auf den vorläufigen Einkaufsmanagerindizes (Mo). Während u.a. die Verlängerung des Ausnahmezustands die Leistung des japanischen Privatsektors im Juni einschränkte, könnten sich die konjunkturellen Aussichten mit Voranschreiten der Impfungen aufhellen.

Die weitere Ausbreitung der Delta-Variante dürfte die Kapitalmärkte auch in den kommenden Wochen beschäftigen. Die Frage scheint nur zu sein, inwiefern die Märkte die neue Infektionswelle als Risiko für die konjunkturelle Erholung sehen. Zweifel immerhin wachsen, so stieg u.a. das Put-Call-Verhältnis zuletzt auf den höchsten Stand seit Mitte Mai, während sich die Stimmung unter den Marktteilnehmer zumindest laut der letzten Umfrage der American Association of Individual Investors weiter eintrübt: Der Anteil der „Bullen“ im Markt reduzierte sich in den letzten beiden Wochen um über 10- Prozentpunkte auf 36% und damit zurück auf den Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Und das, obwohl technische Indikatoren bereits ein teils überverkauftes Niveau andeuten.

Quelle: BondWorld