„Aufgewühlt“

Was vielen vor wenigen Wochen noch undenkbar erschien, ist nun geschehen: Die Mehrheit der Briten hat sich im Referendum für einen Austritt aus der Europäischen Union (EU) ausgesprochen…….


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Nach 43 Jahren steht das Land damit vor dem Ende der EU-Mitgliedschaft. (siehe dazu auch das Statement von Allianz Global Investors). Bis zuletzt war der Ausgang unsicher gewesen, wobei die Märkte in den Tagen vor der Volksabstimmung auf einen Verbleib zu setzen schienen. Entsprechend aufgewühlt zeigten sich die Kapitalmärkte am Tag der Ergebnisbekanntgabe. Das britische Pfund ist gefallen (vgl. auch unsere Grafik der Woche), die Volatilität gestiegen und nicht nur britische Aktien verzeichneten Kurseinbrüche.

Das Referendum in Großbritannien ist nun vorüber – politische Risiken bleiben bestehen. Neben den Folgewirkungen des britischen Votums dürften in der nächsten Zeit weitere Ereignisse die Märkte beeinflussen, zum Beispiel die Parlamentswahlen in Spanien (Sonntag), das Verfassungsreferendum in Italien (Oktober), die Wahlen in den USA (November) und die Wahlen in Frankreich und Deutschland (2017). Weiterhin ist mit kräftigen Kursausschlägen nach oben und unten zu rechnen.  

Neben politischen Ereignissen stehen in der kommenden Woche auch zahlreiche wichtige Wirtschaftsdaten an. Gleich am Montag werden die Daten zur Geldmenge (M3) im Euroraum im Mai veröffentlicht. Im April ging das M3-Wachstum (ein möglicher Indikator für Inflationsdruck) auf lediglich 4,6% zurück und war damit so gering wie seit dem Beginn des quantitativen Lockerungsprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht mehr. Auch die Unternehmensgewinne in der Industrie in China stehen am Montag an. Im April war der Gewinnanstieg gegenüber dem Vorjahr von 11,1% auf 4,2% eingebrochen, was auf eine gewisse Schwäche in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hindeutet.

Am Dienstag wird die dritte und endgültige Revision der US-BIPDaten für das erste Quartal veröffentlicht. Die meisten Ökonomen rechnen nicht mit einer Korrektur des vorhergehenden Werts von 0,8% gegenüber dem Vorquartal (saisonbereinigte Jahresrate) – dem schwächsten Wachstum seit Anfang 2015. Die Zahlen geben zwar Anlass zur Sorge, aber neueren Schätzungen zufolge hat sich die USKonjunktur wieder belebt. Der „GDPNowcast“ der Atlanta Fed lautet derzeit auf 2,8%. Ebenfalls am Dienstag werden die aktuellen Daten zu den US-Immobilienpreisen (der Anstieg könnte sich im April verlangsamt haben) sowie das Verbrauchervertrauen für die USA, Frankreich und Italien veröffentlicht.

Das Verbrauchervertrauen in Deutschland – das im Juni wahrscheinlich vom höchsten Stand seit acht Monaten aus leicht zurückgegangen ist – wird am Mittwoch bekanntgegeben, zusammen mit dem Verbraucherpreisindex für Deutschland, der geringfügig höher ausfallen könnte. In den USA werden die geldpolitischen Beobachter genau darauf achten, ob sich die Kernrate der Verbraucherpreisinflation (PCE) – eine der bevorzugten Kennzahlen der Fed – im Mai verbessert hat. Außerdem werden in den USA Zahlen zum Einkommen und zum Konsum der privaten Haushalte veröffentlicht; beide Datenreihen könnten gegenüber den jüngsten Höchstständen leicht zurückgegangen sein.

Am Donnerstag sollte sich die Aufmerksamkeit wieder auf Europa richten, wo die vorläufigen Verbraucherpreisinflationsdaten für Juni für Italien, Frankreich und den Euroraum anstehen. In Deutschland werden zudem die Arbeitsmarktdaten veröffentlicht, nämlich die Zahl der neu geschaffenen Stellen im Juni und die Arbeitslosenquote. Letztere dürfte stabil geblieben sein.

Zum Ende der Woche stehen noch die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe in den USA und China sowie Arbeitsmarkt- und Verbraucherpreisinflationsdaten aus Japan an. Vor allem die Zahlen aus Japan werden wohl genau beobachtet werden, da sich die Inflationsrate weiter vom Zielwert der Bank of Japan entfernt. Die Verbraucherpreise sanken im Mai um 0,3% gegenüber dem Vorjahr – das schwächste Ergebnis seit drei Jahren. Die Preisdaten für Tokio, die einen Monat vor den landesweiten Daten veröffentlicht werden, deuten auf eine möglicherweise noch stärkere Deflation im Juni hin. Dies könnte die politischen Verantwortungsträger dazu veranlassen, weitere Impulse in Form zusätzlicher quantitativer Lockerungen, Zinssenkungen und/oder fiskalpolitischer Maßnahmen zu geben.

Aus technischer Sicht bietet das derzeitige Umfeld wenig Anlass, klare Überzeugungen zu hegen. Staatsanleihen dienen weiterhin als „sichere Häfen“, und Aktien sind auf Widerstände gestoßen, nachdem sie nicht auf neue Allzeithöchststände klettern konnten. An den Devisenmärkten wurde die Erholung des US-Dollar unterbrochen; der japanische Yen hat aufgewertet.

Quelle: BondWorld.ch