Bantleon: Anleihenrenditen dürften steigen – aber nicht nachhaltig

Den aktuellen Daten zufolge zeichnet sich der erste synchrone globale Aufschwung seit den Jahren 2010/2011 ab. Dies hat die Fed dazu bewogen, ihren Leitzinserhöhungszyklus zu beschleunigen…….

 

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von Dr. Dr. Daniel Hartmann  Senior Analyst Economics


Die EZB geht etwas subtiler vor. Offiziell haben die Währungshüter in Frankfurt am vergangenen Donnerstag an ihrer Neigung zu noch expansiveren Massnahmen festgehalten. Demnach könnten die Leitzinsen weiter gesenkt und die Anleihenkäufe nochmals erhöht werden. Indirekt liess Mario Draghi jedoch durchblicken, dass bereits über eine weniger stimulierende Geldpolitik diskutiert wird. Für die Anleihenmärkte ziehen damit zusätzliche dunkle Wolken auf. Deshalb rechnen wir kurzfristig mit steigenden Renditen. 10-jährige Bundesanleihen sollten bis Mitte 2017 in Richtung 0,80% und 10-jährige US-Treasuries in Richtung 3,00% steigen. Die Freude der Investoren über höhere Renditen könnte aber nicht lange anhalten. Im 2. Halbjahr sollte die Konjunktur wieder abkühlen. Die Tendenz der Notenbanken, den Fuss vom Gaspedal zu nehmen, wird daher wohl bereits im Sommer wieder nachlassen. Im Einklang damit würden die Renditen erneut sinken.

Die Trendwende in der globalen Geldpolitik gewinnt immer klarere Konturen. Den ersten offensichtlichen Schritt vollzog die US-Notenbank im Dezember 2015. Mit der Anhebung der Fed-Funds-Rate von 0,00% bis 0,25% auf 0,25% bis 0,50% wurde das Ende der 7-jährigen Nullzinspolitik eingeläutet. Ein weiteres Indiz für die Trendwende lieferte die Bank of Japan im Herbst 2016, als sie sich die Möglichkeit einräumte, die Anleihenkäufe flexibel nach unten anzupassen. Diesen Ball hat die EZB im Dezember 2016 dankbar aufgenommen und angekündigt, die monatlichen Wertpapierkäufe ab April 2017 von 80 auf 60 Mrd. EUR zu reduzieren. Abgerundet wurde das vergangene Jahr schliesslich mit der zweiten Anhebung der Fed-Funds-Rate (auf 0,50% bis 0,75%).

All dies wurde möglich, weil die politischen Störfeuer (Brexit, Trump-Wahl) besser verdaut wurden als gemeinhin erwartet und die Weltwirtschaft im 2. Halbjahr 2016 sogar in einen zyklischen Aufwärtstrend einschwenkte.

Anfang 2017 nahm die konjunkturelle Erholung weiter Fahrt auf. Mithin zeichnet sich der erste synchrone globale Aufschwung seit den Jahren 2010/2011 ab. Dies hat die Fed dazu bewogen, ihren Leitzinserhöhungszyklus zu beschleunigen. Jedenfalls kündigten die US-amerikanischen Währungshüter – nach einer Verschnaufpause von lediglich drei Monaten – für die laufende Woche bereits die nächste Straffung an. Der erneut freundlich ausgefallene Arbeitsmarktbericht vom Februar (235.000 neu geschaffene Stellen) dürfte in dieser Hinsicht die letzten Zweifler im FOMC überzeugt haben.

Noch etwas subtiler geht die EZB vor. Offiziell haben die Währungshüter in Frankfurt am vergangenen Donnerstag an ihrer Neigung zu noch expansiveren Massnahmen festgehalten. Demnach könnten die Leitzinsen weiter gesenkt und die Anleihenkäufe nochmals erhöht werden. Indirekt liess Mario Draghi jedoch durchblicken, dass die Diskussion um eine weniger stimulierende Geldpolitik bereits in vollem Gange ist. Sollten die Wahlen in den Niederlanden und Frankreich glimpflich ausgehen und der konjunkturelle Schwung erhalten bleiben, womit wir rechnen, wird die EZB ihr Wording weiter anpassen. So dürfte im Juni der Passus gestrichen werden, wonach die Leitzinsen gegebenenfalls nochmals gesenkt werden könnten.

Für die Anleihenmärkte ziehen damit zusätzliche dunkle Wolken auf. An den Treasury-Märkten sind derzeit für das laufende und das kommende Jahr jeweils zwei bis drei Leitzinserhöhungen eingepreist. Diese Spekulationen dürften sich im Zuge eines anhaltend positiven Datenstroms in Richtung vier Leitzinsschritte pro Jahr erhöhen (die Fed-Funds-Rate läge dann Ende 2018 bei 2,50% bis 2,75%). In der Eurozone war bis vor Kurzem der Begriff Leitzinserhöhung noch ein Fremdwort. Inzwischen wird eine erste Anhebung Mitte 2018 (um 20 Bp) erwartet. Diese Spekulationen werden in den nächsten Wochen weiter nach vorne wandern.

In Anbetracht dessen rechnen wir kurzfristig mit steigenden Renditen. 10‑jährige Bundesanleihen sollten bis Mitte 2017 in Richtung 0,80% und 10‑jährige Treasuries in Richtung 3,00% marschieren. Obwohl im Grunde das Aufholpotential in der Eurozone grösser ist, spricht gegen einen stärkeren Renditeanstieg bei Bunds nach wie vor das Anleihenkaufprogramm der EZB, das eine Gegenkraft darstellt.

Die Freude der Investoren über zunehmend »anständige« Rendite sollte aber nicht allzu lange anhalten. Für die zweite Jahreshälfte gehen wir von einer konjunkturellen Verlangsamung aus. Die Tendenz der Notenbanken, den Fuss vom Gaspedal zu nehmen, dürfte daher bereits im Sommer wieder nachlassen. Im Einklang damit werden die Renditen erneut sinken.

 

Quelle: BondWorld.ch