Bantleon: Bank of Japan gibt nicht auf

In Anbetracht der Vorreiterroller der Bank of Japan bei der ultraexpansiven Geldpolitik und der sich abzeichnenden Grenzen dieser Strategie wurde die für heute angesetzte »umfassende Bewertung« der BoJ weltweit mit Spannung erwartet. Im Ergebnis dieser Überprüfung sieht sich die japanische Notenbank in ihrem Kurs bestätigt……

 

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Von Dr. Andreas A. Busch Senior Analyst Economics


Deswegen will sie mit der Politik des billigen Geldes fortfahren, ohne allerdings die Renditen langlaufender Staatsanleihen zu sehr zu drücken. Gleichzeitig verspricht sie, die Kerninflation sogar über das bisherige 2%-Ziel steigen zu lassen. Um hier ihre Entschlossenheit zu demonstrieren, wird sie im Zuge zunächst weiter sinkender Inflationsraten um eine baldige Leitzinssenkung nicht herumkommen.

Heute gab die Bank of Japan die Ergebnisse ihrer Ende Juli angekündigten »umfassenden Bewertung des geldpolitischen Umfelds« bekannt. In Anbetracht der Vorreiterrolle der BoJ bei der ultraexpansiven Geldpolitik und der sich langsam abzeichnenden Grenzen dieser Strategie wurde dieses Ereignis weltweit mit Spannung erwartet. Das Zeugnis, das sich die Notenbank ausstellte, fiel dabei gemischt aus. Auf der einen Seite hätten die bisherigen expansiven Massnahmen die Nominal- und Realzinsen gedrückt, was positiv auf die Konjunktur gewirkt und die Deflation beendet habe. Auf der anderen Seite wurde aber das 2%-Inflationsziel nicht erreicht, weil die Inflationserwartungen nur wenig zulegten. Dafür machen die Währungshüter im Wesentlichen externe Faktoren verantwortlich, wie den Ölpreisverfall, die MwSt.-Anhebung im Jahr 2014 und die Schwäche der Emerging Markets.

Alles in allem sehen sich die Währungshüter damit in ihrer Strategie umfassender geldpolitischer Lockerungen bestätigt. Gleichwohl erweiterten sie wegen der Verfehlung des Inflationsziels das bisherige Programm und rückten die Anhebung der Inflationserwartungen in den Vordergrund. Konkret wurde folgendes beschlossen:

1 Neben dem kurzfristigen Leitzins – der unverändert bei -0,10% blieb – sollen neu auch die langfristigen Kapitalmarktzinsen gesteuert werden (»Yield Curve Control«). Dazu wird das bestehende Anleihenkaufprogramm so eingesetzt, dass die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen »ungefähr auf dem aktuellen Niveau von 0,00%« bleibt. 

2 Um die Inflationserwartungen in die Höhe zu treiben, gab die Notenbank bekannt, länger als bisher veranschlagt an der expansiven Geldpolitik festhalten zu wollen. Neu soll die Inflationsrate nicht nur auf 2% steigen. Vielmehr werden die monetären Stimuli erst dann reduziert, wenn die Kerninflationsrate stabil darüber liegt (»Inflation-Overshooting Commitment«). Etwas konkretisiert wird diese vage Formulierung dadurch, dass nun im Durchschnitt von Aufschwungs- und Abschwungsphasen ein Wert von 2% angestrebt wird.

Im Gegenzug zum neu formulierten Renditeziel für 10-jährige JGBs wurde die Zielbandbreite für die durchschnittliche Duration der zu kaufenden Staatsanleihen (die zuletzt bei 7 bis 12 Jahre lag) aufgegeben. Am Vorhaben, 80 Bio. Yen pro Jahr zu erwerben (≈ 700 Mrd. EUR), wurde hingegen festgehalten. Allerdings gesteht sich die BoJ hier eine grössere Flexibilität zu, um nötigenfalls weniger oder mehr zu kaufen, falls es zu kräftigen Ausschlägen bei den Renditen langlaufender Staatsanleihen kommt.

Wie sind die neuen Massnahmen der BoJ zu werten? Grundsätzlich sehen wir darin eine Fortsetzung der Politik des billigen Geldes, mit dem Ziel, auf diesem Weg die Inflation in die Höhe zu treiben. Gleichwohl zeigen sich immer mehr die Grenzen dieser Strategie. So weist selbst die BoJ in ihren jüngsten Ausführungen darauf hin, dass zu tiefe Langfristzinsen negative Nebenwirkungen auf die Konjunktur und das Finanzsystem haben können. Die Währungshüter relativieren diese Bedenken zwar mit dem – unseres Erachtens wenig glaubwürdigen – Hinweis darauf, dass die kurz- und mittelfristigen Zinsen ohnehin wichtiger für die Wirtschaft seien. Das neu verkündete Renditeziel für 10-jährige Staatsanleihen, das einem unbeabsichtigten Renditeverfall vorbeugen soll, zeigt aber, dass die BoJ sich dieser Problematik bewusst ist.

Das Vorhaben, die Inflationserwartungen durch das »Inflation-Overshooting Commitment« in die Höhe zu treiben, wird nach unserer Auffassung wenig erfolgreich sein. Wenn es der Notenbank schon nicht gelungen ist, die Inflationsrate auf 2,0% zu hieven, wieso sollte man ihr dann glauben, dass die Teuerung sogar auf 3,0% oder noch höher steigen wird?

Um angesichts der hier dominierenden Skepsis ihre Entschlossenheit zu demonstrieren, dürfte die Notenbank künftig nicht um weitere geldpolitische Lockerungen herumkommen. In den nächsten Monaten wird die Kerninflationsrate aufgrund der währungsbedingten Verbilligung der Importe weiter abnehmen. Zur Bekräftigung des »Inflation-Overshooting Commitments« muss die Notenbank daher dann zusätzliche Massnahmen beschliessen. Den Weg dafür hat die BoJ durch die Aufzählung der verschiedenen Optionen in ihrem jüngsten geldpolitischen Statement bereits bereitet. In einem ersten Schritt rechnen wir bei der Präsentation der neuen Makroprognosen im November dieses Jahres bzw. spätestens im Januar nächsten Jahres mit einer weiteren Reduktion des Leitzinses  auf ‑0,20% bis ‑0,30%.

Quelle: BondWorld.ch