Bantleon: Bank of Japan spannt Märkte auf die Folter

Die Bank of Japan gibt am Mittwoch die Ergebnisse ihrer »umfassenden Bewertung« des geldpolitischen Umfeldes bekannt. Unter anderem dürfte sie dabei die jüngste Verflachung der Zinsstrukturkurve beklagen und entsprechende Gegenmassnahmen ergreifen……

 

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Von Dr. Andreas A. Busch Senior Analyst Economics


Wie die genau aussehen, lässt sich schwer abschätzen. Klar ist jedoch, dass sie keinen nachhaltigen Renditeanstieg bei langlaufenden Staatsanleihen nach sich ziehen werden. Solange die Notenbank daran festhält, die Inflation mit aller Kraft auf 2% hieven zu wollen, wäre das absolut kontraproduktiv. Für die globalen Staatsanleihenmärkte droht somit von dieser Seite kein Gegenwind. In den USA sollte es mithin im Zuge langsamer Leitzinsanhebungen lediglich zu moderat steigenden Renditen kommen – in der Eurozone gehen wir sogar von weiter fallenden Renditen aus.

Angesichts der am Mittwoch anstehenden geldpolitischen Entscheide der Bank of Japan und der US-Federal Reserve blicken die Finanzmärkte in dieser Woche einmal mehr gebannt auf die Notenbanken. Von besonderer Bedeutung sind diese Ereignisse zum einen wegen der in den vergangenen Jahren gestiegenen Abhängigkeit der Finanzmärkte vom billigen Geld der Zentralbanken und zum anderen wegen der unterschiedlichen Stossrichtung der beiden führenden Notenbanken: Während die US-Währungshüter auf Kurs sind, den geldpolitischen Stimulus vorsichtig zurückzufahren, müssen ihre Kollegen in Japan in Anbetracht der permanenten Verfehlung des Inflationsziels in die andere Richtung steuern.

Hinzu kommt neu als besondere Schwierigkeit, dass nicht klar ist, was die BoJ – als weltweiter Vorreiter der expansiven Geldpolitik – als nächstes vorhat. So hatten die Währungshüter im Rahmen ihrer letzten Sitzung Ende Juli mit Nichtstun enttäuscht und stattdessen für September eine »umfassende Bewertung« der geldpolitischen Strategie angekündigt. In den zurückliegenden Wochen kamen von den Notenbankvertretern zwar einige Andeutungen, was damit gemeint ist. So dürften die Leitzinsen falls notwendig ausgehend von aktuell -0,10% weiter ins Negative abgesenkt werden, um zusätzliche Stimuli zu erzeugen. Gleichzeitig ist der Notenbank aber auch eine steilere Zinsstrukturkurve ein Anliegen, um damit die Profitabilität der Finanzinstitute zu stützen. Der seit Anfang des Jahres zu beobachtende scharfe Renditeverfall bei langlaufenden Staatsanleihen (bei 30-jährigen von rund 1,30% bis auf zwischenzeitlich 0,05% im Juli) hatte eine markante Kurvenverflachung ausgelöst und entsprechende Sorgen auf Seiten von Versicherungen und Pensionskassen geschürt.

Was genau die BoJ aber machen wird, um die Kurvenverflachung zu stoppen, ist unklar. Wird die Notenbank künftig nur stärker an der Leitzinsschraube drehen oder zusätzlich auch die durchschnittliche Duration der anzukaufenden Anleihen wieder reduzieren (im vergangenen Dezember hatte sie diese von 7 bis 10 Jahre auf 7 bis 12 Jahre angehoben)? Oder hat sie vielleicht sogar vor, das Ankaufvolumen zurückfahren um damit den Abwärtsdruck auf die Renditen langlaufender Anleihen zu mildern? Um sich diese Möglichkeit zu eröffnen, könnte sie statt einem fixen Jahresziel für die Assetkäufe (derzeit 80 Bio. Yen) eine Bandbreite (z.B. 70 bis 90 Bio. Yen) formulieren.

Welche Option die BoJ beim Ankaufprogramm auch wählt – einen nachhaltigen Renditeanstieg bei langlaufenden Anleihen kann sie nicht wollen. Denn das würde ihrem Vorhaben, die Wirtschaft über zusätzliche monetäre Stimuli in Schwung zu bringen, diametral entgegenwirken.

Die von manchen Beobachtern befürchtete Trendwende bei den Kapitalmarktrenditen infolge eines Strategiewechsels der Bank of Japan sehen wir daher nicht kommen. Für die globalen Staatsanleihenmärkte lässt zwar nach dem Ende des scharfen Renditerückgangs langlaufender JGBs der Rückenwind nach. Gegenwind ist aber nicht zu befürchten, solange die BoJ nicht das Scheitern ihrer bisherigen Politik eingesteht, sondern die Geldpolitik immer weiter lockert.

Für die EUR- und US-Staatsanleihenmärkte stehen damit primär die geldpolitischen Perspektiven von EZB und Fed im Fokus. In den USA rechnen wir mit einer Fortsetzung des Zinserhöhungszyklus noch in diesem Jahr, wobei es den Währungshütern auch künftig gelingen sollte, keine Zinserhöhungsängste aufkommen zu lassen. Die Treasuryrenditen dürften mithin steigen, wenn auch nur moderat.

In der Eurozone wird die Konjunktur in den kommenden Monaten etwas an Schwung verlieren. Die EZB wird daraufhin ihre Erwartung an eine anziehende Kerninflationsrate weiter nach hinten verschieben müssen. Eine Verlängerung des Anleihenkaufprogramms ist damit in unseren Augen vorgezeichnet. Das Angebot an EUR-Staatsanleihen wird mithin noch knapper, was zusammen mit der Eintrübung des Konjunkturausblicks für fallende EUR-Staatsanleihenrenditen spricht.

Quelle: BondWorld.ch