Bantleon: Das Auf und Ab der Eurozonen-Konjunktur geht weiter

In der Eurozone wechseln sich in diesem Jahr Euphorie- und Angstwellen ab. So hat sich im September die Stimmung in der Industrie nach dem Brexit-Schock wieder erkennbar aufgehellt…

 

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Von Dr. Daniel Hartmann – Senior Analyst Economics


Aber auch dabei dürfte es sich nur um ein Strohfeuer handeln. Das Potential an Querschüssen bleibt in den nächsten Monaten hoch. Obwohl der Wachstumsausblick damit kurzfristig durchwachsen ausfällt, halten wir mittelfristig an unseren vorsichtigen Optimismus für die Konjunktur der Eurozone fest.

Beim Konjunkturausblick der Eurozone gilt es weiterhin auf Sicht zu fahren. Im Grunde sind nach wie vor alle Voraussetzungen für einen robusten Aufschwung gegeben: Die Wogen der Eurokrise haben sich geglättet, Unternehmen und Staaten können sich zu rekordniedrigen Zinsen verschulden, an sämtlichen Arbeits- und Immobilienmärkten geht es aufwärts und die Fiskalpolitik ist leicht expansiv ausgerichtet. In den vergangenen Monaten haben allerdings immer wieder Querschüsse verhindert, dass sich die aufkeimenden Wachstumskräfte tatsächlich richtig entfalten konnten. Mithin ist 2016 bislang ein Jahr der enttäuschten Hoffnungen.

Ende 2015 war zunächst alles auf Euphorie gepolt: Die Unternehmer- und Verbraucherstimmung war prächtig und das Wachstum setzte Anfang 2016 zum Sprung über die 2,0%-Marke an. Bereits im Januar machten jedoch die China-Turbulenzen (Aktienkurseinbrüche, schwindendes Vertrauen in das chinesische Wachstumsmodell) alles zunichte. Hinzu kamen einige interne Probleme, allen voran in Frankreich (Streiks und Terroranschläge). Im Frühsommer hatte sich dann jedoch die Lage wieder beruhigt. Die Zuversicht kehrte zurück und die Konjunkturbarometer setzten zum nächsten Höhenflug an – der deutsche Einkaufsmanagerindex der Industrie erreichte etwa im Juni einen 2-jährigen Höchststand. Doch auch dies erwies sich nur als Strohfeuer. Das Brexit-Votum kam einem Donnerschlag gleich. Ein Abgleiten Grossbritanniens in die Rezession und ein allgemeines Chaos in der EU schienen vorprogrammiert.

So wie die Euphoriewellen haben sich bislang aber auch die Angstschübe sehr schnell wieder verflüchtigt. Der befürchtete Konjunktureinbruch in Grossbritannien ist – zumindest vorerst – ausgeblieben. Die Wirtschaft wuchs offensichtlich im 3. Quartal solide weiter. Der glimpfliche Verlauf hat in der Eurozone zu einem spürbaren Aufatmen geführt, was sich im September in den Geschäftsklimaumfragen zeigte. Der IFO-Index erholte sich nicht nur, sondern schoss regelrecht in die Höhe. Auch in den meisten anderen Euroländern verbesserte sich die Stimmung deutlich. Ist damit endgültig die Basis für eine länger anhaltende Wachstumsbelebung gelegt?

Leider ist nach wie vor von einem Zickzackkurs auszugehen, denn das Potential an Störfeuern ist ungebrochen hoch. Dies zeigte in der vergangenen Woche exemplarisch die Panik um die Deutsche Bank, die bis ins Kanzleramt vordrang. Ungeachtet der jüngsten Beruhigung bleibt die Lage im Bankensektor angespannt. In Italien stehen die Aufräumarbeiten erst am Anfang.

Daneben liegt aber auch ein politisches Minenfeld voraus. Neben der Präsidentschaftswahl in den USA ist für die Eurozone vor allem das Senatsreferendum in Italien relevant. Ähnlich dem Brexit-Entscheid steht zu befürchten, dass die Zitterpartie bis zum Wahlabend (4. Dezember) anhält. Ergibt die Abstimmung ein »Nein«, würde nicht nur eine Regierungskrise ins Haus stehen, sondern der gesamte italienische Reformprozess in Frage gestellt.

Trotz dieser ernüchternden Aussichten wäre es aber voreilig, die Flinte ins Korn zu werfen. Zum einen sind jeweils marktfreundliche Ausgänge der politischen Abstimmungen immer noch möglich. Zum anderen bietet das freundliche fundamentale Umfeld weiterhin ein Sicherheitsnetz. Es bedarf daher nach wie vor nur ein paar Monate ohne Sturm und Hagel, damit die Saat der konjunkturellen Belebung aufgeht.

Quelle: BondWorld.ch