Bantleon: Das Pflänzchen »Inflation« wächst vorsichtig

Dank der seit Januar anziehenden Rohstoffpreise ist die globale Deflationswelle zu einem Ende gekommen…..

 

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Von Dr. Daniel Hartmann – Senior Analyst Economics


Die übrigen klassischen Inflationstreiber (Löhne und Konjunktur) sind bislang zwar noch nicht richtig aus den Startlöchern gekommen, aber auch hier dürfte die Tendenz mittelfristig nach oben gerichtet sein. Die Basis für eine moderate Reflationierung in den nächsten Jahren ist damit gelegt, woraus gleichzeitig Gegenwind für die Anleihenmärkte resultiert.

Nähert sich die globale Deflationswelle dem Ende? Das fragen sich derzeit viele Investoren. Die vergangene Woche hat der aufkeimenden Inflationsangst neue Nahrung gegeben. So vermeldete China die erste positive Jahresrate der Erzeugerpreise seit 54 Monaten (+0,1% im September nach -0,8% im August). Gleichzeitig sprang in den USA die entsprechende Rate von ±0,0% auf +0,7%. Dazu korrespondiert die aktuelle Ölpreisentwicklung – ein Barrel kostete am vergangenen Montag zeitweilig mehr als 52 USD (Sorte Brent). In Grossbritannien treibt unterdessen die Abwertungswelle des britischen Pfundes (inzwischen -18% gegenüber USD seit Ende Juni) die Inflationserwartungen in die Höhe. Schliesslich stieg die deutsche Teuerungsrate im September von +0,4% auf +0,7% – immerhin ein 1½‑jähriger Höchststand.

Hinter den weltweit anziehenden Inflationszahlen verbirgt sich bislang zumeist nicht mehr als der Ölpreiseffekt. Anders als 2014/2015 hat das »schwarze Gold« im laufenden Jahr noch keinen Schwächeanfall erlitten. Mit dem Herausfallen der Basiseffekte aus dem Vorjahr ziehen die Teuerungsraten daher an. Immerhin bedeutet aber bereits das einen Fortschritt. Anfang des Jahres konnte sich noch kaum jemand einen nachhaltigen Aufwärtstrend beim Ölpreis vorstellen – zu gross schien die Angebotsschwemme (von den »Frackern«, dem Iran und generell der OPEC). Die jüngste Erholung des Ölpreises legt nunmehr nahe, dass es doch zu einer Verschiebung zwischen Angebot (rückläufig) und Nachfrage (anziehend) gekommen ist. Hierzu korrespondiert die Entwicklung bei anderen Rohstoffen, die sich ebenfalls verteuert haben. Die Metallpreise legten seit Jahresbeginn z.B. im Durchschnitt um 30% zu.

Abgesehen von den Rohstoffen sucht man indes noch vergeblich nach Inflationstreibern. Das Wachstum der Löhne fällt weltweit gering aus. In der Eurozone war die Lohninflation Anfang 2016 sogar auf einen Tiefststand gesunken. In den USA besteht zwar ein Aufwärtstrend – angesichts des boomenden Arbeitsmarktes verläuft die Entwicklung aber enttäuschend zögerlich. Global dämpfend wirkt sich aus, dass neue Stellen vor allem in den schlechter bezahlten Dienstleistungssektoren geschaffen werden, während die Industrie rationalisiert. Gleichzeitig verabschiedet sich zusehends die Baby-Boomer-Generation aus dem Erwerbsleben. Die sie ersetzenden jüngeren Arbeitskräfte werden (im Durchschnitt) mit schlechter dotierten Verträgen abgespeist.

Trotz dieser strukturellen Bremsfaktoren ist aber nicht zu leugnen, dass die Richtung des Lohnwachstums in den meisten Ländern – wenn auch flach – nach oben gerichtet ist. Selbst in Japan gibt es nach jahrelanger Stagnation erste Anzeichen für eine gewisse Belebung.

Die Unternehmen waren in den vergangenen Jahren die Gewinner des niedrigen Kostendrucks. Gleichzeitig hatten sie allerdings auch wenig Spielraum, ihre Gewinnmargen auszudehnen – zu gross waren die weltweiten Überkapazitäten nach der scharfen Rezession von 2008/2009. Im achten Jahr der globalen Erholung beginnt sich aber auch hier allmählich die Lücke zu schliessen. Dies gilt umso mehr, als wir unter anderem für die USA und die Eurozone 2017 mit Wachstumsraten rechnen, die das Produktionspotential leicht übersteigen. Die Preisüberwälzungsspielräume dürften mithin zunehmen.

Fazit: Aktuell ist der fundamentale – von den Löhnen und der Konjunktur ausgehende – Preisdruck weltweit immer noch gering. Viele strukturelle Faktoren wirken überdies zusätzlich dämpfend. Dessen ungeachtet dürfte der Tiefpunkt der Deflationswelle inzwischen durchschritten und der Boden für eine flache Reflationierung in den nächsten Quartalen gelegt sein. Dies sorgt an den Anleihenmärkten für entsprechenden Gegenwind.

Quelle: BondWorld.ch