Bantleon: Eurozone: Konjunktur weiter im Aufwind, politische Risiken nehmen ab

Die Bewertung der Eurozone fällt aus Sicht der Finanzmärkte weiterhin zwiespältig aus. Den freundlichen Wirtschaftsdaten werden nach wie vor die latenten politischen Risiken gegenübergestellt. Aber auch hier gibt es inzwischen Entspannungssignale. Am 7. Mai dürfte das Frexit-Thema endlich vom Tisch sein…..

 

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von Dr. Dr. Daniel Hartmann  Senior Analyst Economics


Gleichzeitig hat die Angst vor der Trump´schen Handelspolitik nachgelassen. Alles in allem überwiegen die positiven Tendenzen in der Eurozone. An den Finanzmärkten ist damit unverändert »Risk-on« angesagt.

Die Bewertung der Eurozone fällt aus Sicht der Finanzmärkte nach wie vor zwiespältig aus. Den freundlichen Wirtschaftsdaten auf der einen Seite stehen politische Risiken auf der anderen Seite gegenüber. Was die Konjunktur angeht, werden die Belege für eine schwungvolle Belebung im 1. Halbjahr 2017 immer erdrückender. Im April sind die Einkaufsmanagerindikatoren der Eurozone, das EUR-Wirtschaftsvertrauen und der deutsche IFO-Index auf neue 6- bis 10-jährige Höchststände geklettert. Noch sind es nur »softe« und keine »harten« Daten. In der Vergangenheit hatten die Umfragen aber zumindest im Trend immer Recht behalten. Nicht vergessen werden sollte dabei, dass bereits 2015 und 2016 das Wachstum der Währungsunion bei annähernd 2,0% lag und dies trotz aller politischer Krisen und dem fehlenden aussenwirtschaftlichen Rückenwind. Dennoch hält sich an den Finanzmärkten hartnäckig die Skepsis, wozu in erster Linie die vielfältigen politischen Unwägbarkeiten beitragen.

Ein – ganz zentraler – Störfaktor könnte am kommenden Sonntag allerdings endgültig in den Hintergrund treten: Die Angst vor dem Frexit. Die Spannung im Präsidentschaftswahlkampf hat zwar wieder etwas zugenommen, weil Emmanuel Macron in den Umfragen an Vorsprung eingebüsst hat (von 65% zu 35% auf 60% zu 40%). Ausserdem konnte Marine Le Pen am Wochenende mit Nicolas Dupont-Aignan erstmals einen prominenten Gaullisten auf ihre Seite ziehen. Dennoch ist ein Sieg Le Pens nach wie vor unwahrscheinlich.

Ebenfalls am Abklingen sind die Spannungen um Trumps Handelspolitik. Die Idee einer »Border Tax« scheint erstmal vom Tisch. Jedenfalls war davon im Rahmen der jüngsten Steuervorschläge keine Rede mehr. Im Vordergrund steht stattdessen eine breite Entlastung aller US-Unternehmen. Auch beim Thema »NAFTA« ist Donald Trump auf einen gemässigten Kurs eingeschwenkt. Statt den Freihandelsvertrag einfach zu kündigen, versucht es die US-Administration zunächst mit Neuverhandlungen. Das befürchtete Feuerwerk an protektionistischen Massnahmen ist damit ausgeblieben.

An Brisanz gewonnen hat hingegen die Brexit-Debatte. Die EU hat die Reihen am Wochenende geschlossen und es läuft alles auf eine konfrontative Auseinandersetzung hinaus. Die Nachteile, die daraus entstehen (anhaltende Unsicherheit, Wiedereinführung von Handelshemmnissen), sollten jedoch Grossbritannien weit härter treffen als die EU und die Eurozone.

Das schwerwiegendste Problem bleibt damit die politische Krise in Italien. Daran hat auch die Wiederwahl Matteo Renzis zum Chef der Demokratischen Partei (PD) wenig geändert. Der frühere Ministerpräsident hat an Charisma eingebüsst. Die Parlamentswahlen, die voraussichtlich im Frühjahr 2018 stattfinden, dürften folglich zu einer weiteren Bewährungsprobe für die Eurozone werden. Immerhin wurde aber selbst Italien vom konjunkturellen Aufwärtstrend erfasst, was den gemässigten Kräften in Italien Auftrieb verleihen sollte.

Alles in allem haben sich die Rahmenbedingungen in der Eurozone – ungeachtet des latenten Populismus – in den vergangenen Monaten aufgehellt. Die Konjunktur befindet sich im Aufwind und einige politische Risiken klingen ab bzw. dürften sich in den nächsten Wochen weiter entschärfen. Bezogen auf die Finanzmärkte bleibt das Umfeld für Risikoassets demzufolge vorerst freundlich. Bundesanleihen sehen sich dagegen einer steifen Brise ausgesetzt. Dies gilt umso mehr, als auch die EZB ihre Risikowahrnehmung in den nächsten Wochen weiter anpassen und zunehmend vom ultraexpansiven Kurs abrücken dürfte.

Quelle: BondWorld.ch