Bantleon: EZB hält sich alle Optionen offen

Die erste EZB-Ratssitzung nach dem Brexit fiel unspektakulär aus. Erwartungsgemäss wurden keine neuen Massnahmen lanciert. Im »Wording« zeigten sich die Währungshüter betont gelassen. Im September dürfte die Notenbank dennoch eine Verlängerung des QE-Programms beschliessen……

 

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Dr. Daniel Hartmann Senior Analyst Economics


Die EZB hat im Rahmen der jüngsten Notenbanksitzung im Einklang mit unseren Erwartungen noch keine neuen Massnahmen beschlossen. Auch sonst liess sich Mario Draghi wenig entlocken. Seine zwei wesentlichen Botschaften lauteten: Zum einen haben die Finanzmärkte widerstandsfähiger auf die Brexit-Entscheidung reagiert als gedacht. Die Währungshüter rechnen daher weiterhin mit einer Fortsetzung der moderaten Konjunkturerholung.

Zum anderen herrscht aber nach wie vor grosse Unsicherheit. Man werde daher in den nächsten Monaten alle Informationen sammeln und auf dieser Basis eine Neubewertung der Lage vornehmen. Eine wichtige Rolle spielten dabei die im September publizierten Inflations- und Wachstumsprognosen. Mit anderen Worten, die Währungshüter haben sämtliche ausstehenden Entscheidungen vertagt. Draghi betonte in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Bereitschaft zum Handeln, sollte dies notwendig werden.

Wie eine Reaktion aussehen könnte, liess Draghi indes vollkommen offen. Weder zur künftigen Entwicklung der Anleihenkäufe noch zu den möglichen technischen Anpassungen des QE-Programms wurde der Notenbankpräsident konkret. Rückfragen zum Tapering und zu Änderungen des Ankaufsschlüssels bügelte Draghi entsprechend barsch ab: »Darüber sei nicht diskutiert worden.«

In der Pressekonferenz zur Notenbanksitzung nahm auch die italienische Bankenkrise breiten Raum ein. Das Problem der »faulen« Kredite müsse entschlossen angegangen werden – so Draghi. Gleichzeitig liess er durchblicken, dass die EU-Abwicklungsrichtlinie nicht zu strikt ausgelegt werden sollte und staatliche Beihilfen unter Umständen notwendig werden könnten.

Darüber hinaus fiel auf, dass die vielfältigen Probleme des europäischen Bankensektors nicht unter den konjunkturellen Abwärtsrisiken genannt wurden. Zu einer gewissen Gelassenheit in diesem Zusammenhang dürfte die jüngste Bank Lending Surey beigetragen haben (Ende Juni durchgeführt). Diese Umfrage unter den wichtigsten Banken der Eurozone deutet auf keinerlei Panikstimmung in den vergangenen Wochen hin. Stattdessen setzte sich der Trend zur weiteren Lockerung der Kreditkonditionen fort – selbst bei italienischen Banken (wenn auch hier in geringerem Umfang als in den Vorquartalen, vgl. Abbildung unten). Die Antworten, die nach dem 23. Juni eingegangen sind, hätten dabei keinen Bruch erkennen lassen.

Abb.: Vom Bankensektor kommen weiterhin Entspannungssignale

Quelle: EZB, BANTLEON

Alles in allem fiel der Ton der Währungshüter weniger besorgt (»dovish«) aus, als man es hätte erwarten können. Ein umfassendes weiteres Massnahmenpaket der EZB, wie es im Dezember 2015 oder März 2016 lanciert wurde, ist damit im September keineswegs ausgemachte Sache. Vielmehr liessen sich die Währungshüter alle Optionen offen und machen ihre Entscheidung stark abhängig vom künftigen Datenstrom.

Wir gehen unverändert davon aus, dass die EZB ihre mittelfristige Inflationsprognose im September absenken wird und insofern Handlungsdruck entsteht. Entsprechend rechnen wir mit einer Verlängerung des QE-Programms um weitere 6 Monate. Darüber hinausgehende Massnahmen wird die EZB nur vornehmen, wenn die Konjunkturbarometer im Juli/August einbrechen, was nicht unser Basisszenario ist. Bei den technischen Parametern rechnen wir mit einer Anhebung des Ankaufslimits von 33% auf 50%. Ausserdem dürfte sich die EZB grosszügiger bei der Abweichung vom Kapitalschlüssel zeigen. Auch eine Abschaffung der Mindestrendite (-0,40%) wollen wir nicht ausschliessen .

 Quelle: BondWorld.ch