Bantleon: EZB wird den Geldhahn nicht so schnell zudrehen

Eine unbestätigte Pressemeldung, wonach sich der EZB-Rat auf die schrittweise Reduktion der Anleihenkäufe um 10 Mrd. EUR pro Monat verständigt habe, sorgt für Unruhe an den Finanzmärkten….

 

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Dr. Andreas A. Busch  Senior Analyst Economics


Genaugenommen ist aus der Meldung aber nichts Substantielles herauszulesen. Vor allem die entscheidende Frage, wann mit der Rückführung der Käufe begonnen werden soll, steht nach wie vor unbeantwortet im Raum. Nach unserer Einschätzung wird das Ankaufprogramm zunächst noch einmal verlängert, bevor das Tapering beginnt.

Aus Sicht der Finanzmärkte ist der US-Arbeitsmarktbericht für September rundum erfreulich ausgefallen. Die 156.000 neu geschaffenen Arbeitsplätze spiegeln einen ansehnlichen Beschäftigungsaufbau wider, der eine wichtige Voraussetzung für die Fortsetzung des aktuellen Wirtschaftsaufschwungs ist. Gleichzeitig waren die Zahlen nicht zu gut – von Überhitzung kann bei diesem Stellensaldo keine Rede sein. Die leicht gestiegene Arbeitslosenquote zeigt vielmehr, dass nach wie vor kaum Engpässe am Arbeitsmarkt bestehen, die zu kräftig steigenden Löhnen führen würden und damit ernsthafte Inflationsgefahren heraufbeschwören könnten. Fazit: Die Wirtschaft nimmt nach dem enttäuschend schwachen 1. Halbjahr wieder Fahrt auf – für die Fed besteht trotzdem kein Grund zur Eile, die Zinsen schneller als bislang geplant anzuheben.

Interessanterweise ist es damit nicht die Fed, die Ängste vor einer Straffung der Geldpolitik schürt. Stattdessen fängt die Europäische Zentralbank an, hier Kopfzerbrechen zu bereiten. Wie ein Blitz schlug die Meldung ein, der EZB-Rat habe sich auf eine schrittweise Rückführung der Anleihenkäufe um 10 Mrd. EUR pro Monat verständigt. Sowohl die Anleihen- als auch die Aktienmärkte kamen daraufhin in der vergangenen Woche unter Druck, wenngleich Erstere weitaus deutlicher litten.

Genaugenommen ist aus der knappen Pressemeldung – die sich auf nicht genannte Quellen beruft und die von der EZB keine Bestätigung erfuhr – nicht viel Substantielles herauszulesen. Zwar wird zum ersten Mal von offizieller Seite ausgesprochen, dass die Käufe nicht schlagartig, sondern in Etappen von aktuell 80 Mrd. EUR pro Monat auf null zurückgefahren werden. Davon war aber ohnehin auszugehen. Nicht zuletzt hatte es die Fed als Vorbild der EZB genauso gemacht.

Darüber hinaus wird in der Meldung kein Wort über den Zeitpunkt des Taperings verloren. Das ist aber die eigentlich entscheidende Frage. Wann wird die EZB beginnen, den Stimulus zu reduzieren bzw. wie lange wird das Programm in seiner bisherigen Ausgestaltung weitergeführt? Bisher heisst es von offizieller Seite nur: mindestens bis März 2017.

Die zuletzt überraschend freundlichen Konjunkturdaten schüren bei manchen Beobachtern die Erwartungen eines kräftiger als bislang angenommenen Aufschwungs, sodass der monetäre Stimulus bald reduziert werden könnte. Diese Schlussfolgerung ist in unseren Augen aber voreilig. So wird die EZB ungeachtet der zuletzt etwas robusteren Erholungsdynamik ihre Wachstumsprognose für das kommende Jahr leicht nach unten korrigieren müssen. Darüber hinaus halten wir wegen des nicht vorhandenen fundamentalen Teuerungsdrucks auch eine Reduktion der Inflationsprognose für wahrscheinlich. Die vom EZB-Rat angestrebte nachhaltige Korrektur bei der Teuerungsentwicklung ist damit nach wie vor nicht eingetreten. Entsprechend rechnen wir mit einer Fortsetzung der Anleihenkäufe im aktuellen Umfang von 80 Mrd. EUR pro Monat bis mindestens September 2017 und erst danach mit einer schrittweisen Rückführung.

Alles in allem sollten mithin von der EZB bis Herbst 2018 weitere 1.500 Mrd. EUR in die Finanzmärkte gepumpt werden. Zusammen mit dem freundlichen konjunkturellen Umfeld ist der Ausblick für die Aktienmärkte mithin einheitlich positiv. Die globalen Anleihenmärkte sehen sich zwar infolge der bevorstehenden Zinserhöhung durch die Fed einem gewissen Gegenwind ausgesetzt. Einen nachhaltigen Aufwärtstrend erwarten wir bei den Renditen in der Eurozone angesichts der anhaltenden Schützenhilfe durch die EZB jedoch nicht.

Quelle: BondWorld.ch