Bantleon: EZB wird der Fed folgen

Die Notenbanken haben zuletzt unterschiedlich auf die schwachen Inflationszahlen reagiert…….

 

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von Dr. Daniel Hartmann  Senior Analyst Economics Research


Während die Fed scheinbar unbeirrt an ihrem vorsichtigen Straffungskurs festhält, zögert die EZB noch. Aus unserer Sicht dürfte indes im kommenden Jahr auch in der Eurozone kein Weg am Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik vorbeiführen. Nicht nur deshalb, weil die Wirtschaft der Eurozone mittlerweile auf einem solideren Fundament steht, darüber hinaus werden auch die verfügbaren Anleihen zur ordnungsgemässen Durchführung des QE-Programms knapp. Wir gehen daher davon aus, dass die EZB 2018 die Anleihenkäufe schrittweise auf null zurückführt.

Die USA, Japan und Europa sehen sich derzeit mit einem ähnlichen wirtschaftlichen Umfeld konfrontiert: Auf der einen Seite fällt das Wachstum robust aus und treibt die Arbeitslosigkeit auf mehrjährige Tiefststände. Auf der anderen Seite ist der Preisdruck gering und die Kerninflation verharrt auf vergleichsweise tiefem Niveau. Die Notenbanken haben darauf zuletzt unterschiedlich reagiert. Während die Fed ihren Straffungskurs unbeirrt fortsetzte, zögern die Japaner und Europäer den Ausstieg weiter hinaus.

So hat sich die US-Notenbank am vergangenen Mittwoch von den jüngsten schwachen Inflationszahlen nicht aus dem Konzept bringen lassen. Die Währungshüter haben nicht nur den Leitzins zum vierten Mal angehoben, sondern ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass sie noch in diesem Jahr damit beginnen, die Notenbankbilanz zu verkleinern. Die Fed vertraut dabei auf den klassischen Inflationsprozess: Fallende Arbeitslosenzahlen führen früher oder später zu stärkeren Lohnzuwächsen, die sich wiederum in beschleunigten Preissteigerungsraten niederschlagen. Zu bedenken gilt dabei, dass die Fed speziell die Prognosen für die Arbeitslosenraten erneut nach unten korrigiert hat (für die Jahre 2018/2019 von 4,5% auf 4,2%). Mit anderen Worten, die Knappheiten am Arbeitsmarkt werden noch grösser als bislang eingeschätzt.

In der Eurozone sinken die Arbeitslosenraten ebenfalls schneller als gedacht. Für die Währungsunion insgesamt lag die Quote im April bei 9,3% und damit bereits deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt (9,8%). Mario Draghi verwies dennoch Anfang Juni stur auf die tiefe Kerninflation, um den anhaltend expansiven Kurs der Geldpolitik zu rechtfertigen. Dies ist aber nur die halbe Wahrheit. Bei genauerem Hinsehen sind die Unterschiede zwischen den Notenbanken gar nicht so gross. Auch die EZB hat den Ausstieg bereits eingeleitet (Senkung der monatlichen Wertpapierkäufe von 80 auf 60 Mrd. EUR) und klar gemacht, dass der Höhepunkt der akkommodierenden Geldpolitik vorbei ist – sprich, die Leitzinsen nicht mehr weiter gesenkt werden.

Wenn die Konjunktur in den kommenden Quartalen nicht allzu sehr nachgibt, wird die EZB den Exit weiter vorantreiben. Unter anderem dürfte sie im Herbst einen Plan zur Rückführung der Anleihenkäufe vorlegen. Im Endeffekt ist auch für die EZB entscheidend: Steht die Wirtschaft der Eurozone auf solidem Fundament oder nicht? Wird dies 2018 bejaht (= fünftes Aufschwungsjahr in Folge), dann werden die Währungshüter das QE-Programm beenden. Ob die Kerninflation bei 1,0%, 1,5% oder 2,0% liegt, dürfte dann zweitrangig sein.

Dies gilt umso mehr, als die Kollateralschäden von Negativzinsen und aufgeblähten Notenbankbilanzen immer stärker ins Blickfeld geraten. Auch den meisten Notenbankern der EZB ist klar, dass mit zunehmender Dauer des geldpolitischen Experiments die Ertragsprobleme der Banken grösser werden und die Gefahren einer Vermögenspreisinflation und von Fehlallokationen in der Realwirtschaft steigen. Es stellt sich überdies die Frage, was die EZB macht, wenn es in den nächsten Jahren zu einer schweren Rezession kommt und die Leitzinsen immer noch unter null liegen. Ganz zu schweigen davon, dass die Notenbank 2018 wachsende Schwierigkeiten bekommen wird, ausreichend Anleihen zu finden, wenn sie das aktuelle Ankauftempo beibehält.

Alles in allem führt kein Weg am Ausstieg vorbei. 2018 dürfte Mario Draghi alle Argumente auf seiner Seite haben, um das QE-Programm auslaufen zu lassen. Dies hätte den Nebeneffekt, dass er sein Haus 2019 ordnungsgemäss übergeben könnte und nicht alle Aufräumarbeiten seinem Nachfolger überlassen müsste.

 

Quelle: BondWorld.ch