Bantleon: Fed baut zweitem »Taper Tantrum« vor

Als ob es derzeit an Krisenherden nicht mangelt, sorgte zuletzt auch noch die Fed für einen Paukenschlag……

 

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von Dr. Andreas A. Busch Senior Analyst Economics


Wie aus dem Nichts wies sie darauf hin, dass früher oder später die Notenbankbilanz abschmelzen müsste, was unangenehmen Erinnerungen an das »Taper Tantrum« aus dem Jahr 2013 weckt. Das damals von der Fed heraufbeschworene Durcheinander an den Finanzmärkten dürfte sich jedoch dieses Mal nicht wiederholen. Die Währungshüter haben aus der Episode gelernt und stimmen die Öffentlichkeit deswegen mit grossem zeitlichen Vorlauf auf den Kurswechsel ein. Zusammen mit den bis zuletzt klar positiv überraschenden Konjunkturdaten und den Lebenszeichen von der Inflationsfront zeigt die Diskussion mithin, dass das Vertrauen der Währungshüter in die Widerstandsfähigkeit der aktuellen wirtschaftlichen Erholung weiter zunimmt.

An Krisenherden herrscht derzeit wirklich kein Mangel. So führen die bevorstehenden Wahlen in Europa immer plastischer das Schreckgespenst einer auseinanderbrechenden Eurozone vor Augen. Auf der anderen Seite des Atlantiks erschüttern gleichzeitig die chaotischen Auftritte Donald Trumps mehr und mehr die Hoffnungen, dass im Weissen Haus schliesslich doch die Vernunft regiert. Folglich wächst auch wieder das Risiko eines weltweiten Handelskriegs, bei dem letztlich alle beteiligten Nationen verlieren würden.

Damit aber nicht genug – zuletzt sorgten auch die US-Währungs­hüter für einen Paukenschlag und heizten die Unsicherheit zusätzlich an. Quasi aus dem Nichts wiesen sie plötzlich darauf hin, dass früher oder später die Notenbankbilanz abschmelzen müsste, die im Nachgang der Finanzkrise auf rekordhohe 4.500 Mrd. USD ausgeweitet wurde (≈23% des BIP, im Vergleich zu ca. 6% 2008). Neben einer Reihe von regionalen Notenbankpräsidenten nahm selbst Janet Yellen ausführlich zu diesem Thema Stellung. So unvermittelt wie diese Äusserungen kamen, so sehr sieht man sich an das »Taper-Tantrum« aus dem Jahr 2013 erinnert. Damals sorgte Notenbankpräsident Ben Bernanke an den weltweiten Finanzmärkten für gehöriges Durcheinander, als er erstmals die Option einer Reduktion der bis dahin unbefristeten Anleihenkäufe der Fed ansprach.

Befürchtungen, diese Episode könne sich nun wiederholen, sind unseres Erachtens jedoch unbegründet. Vielmehr hat die Fed aus den Ereignissen von 2013 gelernt und geht genau deshalb schon jetzt öffentlich auf dieses Thema ein, lange bevor es akut wird. In diese Richtung zielten jedenfalls Janet Yellens Erläuterungen im Rahmen ihrer Kongress-Anhörung in der vergangenen Woche.

So führte sie aus, dass die Bilanz nicht als geldpolitisches Fein-Steuerungsinstru­ment eingesetzt werden soll. Vielmehr wird dazu nach wie vor die Fed-Funds-Rate herangezogen. Erst wenn die Leitzinsen soweit angehoben wurden, dass sie genügend Spielraum für Senkungen im Falle einer wirtschaftlichen Schwäche bieten, würde die Bilanz reduziert. Dazu soll dann die bislang vorgenommene Reinvestition fällig werdender Anleihen (jährlich immerhin ca. 240 Mrd. USD Staatsanleihen und ca. 100 Mrd. USD MBS) verringert oder ganz eingestellt werden. Aktive Verkäufe stehen derzeit nicht zur Debatte. Vordringlich geht es darum, dass die Normalisierung der Bilanz systematisch und vorhersehbar abläuft.

Wir sehen uns durch Janet Yellens Äusserungen in unserer bisherigen Erwartung bestätigt und gehen davon aus, dass dieser Teil des Normalisierungsprozess erst im nächsten Jahr beginnen wird. Selbst auf Basis unserer Leitzinsprognose von drei 25 Bp-Anhebungen in diesem Jahr – die über dem aktuell eingepreisten Marktszenario und der Konsensusprognose liegt – würde sich die Fed-Funds-Rate Ende 2017 nur bei 1,375% bewegen. Viel Luft nach unten für Zinssenkungen im Falle eines Konjunkturabschwungs bietet das noch nicht, weshalb die Fed in unseren Augen bis Mitte 2018 abwarten wird, bevor sie die Reinvestitionen reduziert oder stoppt. Bis die Bilanz dann wieder auf einen »normalen« Umfang abgeschmolzen ist (gemessen in Relation zum BIP), könnten angesichts der aktuellen Laufzeitenstruktur der Treasury- und MBS-Bestände zehn Jahre vergehen – eher ein schleichender Prozess als ein abrupter Schnitt.

Alles in allem ist die Diskussion um die bevorstehende Bilanznormalisierung der US-Notenbank somit kein Vorbote neuen Ungemachs. Zusammen mit den bis zuletzt klar positiv überraschenden Konjunkturdaten und den Lebenszeichen von der Inflationsfront zeigt sie vielmehr, dass das Vertrauen der Währungshüter in die Widerstandsfähigkeit der aktuellen wirtschaftlichen Erholung wächst – andernfalls würde die Fed dieses Fass nicht aufmachen. Wir halten dementsprechend an unserer Prognose einer deutliche Wachstumsbelebung 2017 fest. Trotz der eingangs genannten politischen Risiken ist damit der Ausblick für Risikoassets freundlich. Das Fahrwasser für die sicheren Häfen bleibt indes angesichts der bevorstehenden Leitzinserhöhungen auch ohne unmittelbare Bilanzreduktion der Fed rau.

 

Quelle: BondWorld.ch