Bantleon: Fed steuert auf Dezember-Zinserhöhung zu

Die US-Notenbank hat wie erwartet die Leitzinsen gestern unverändert belassen. Die Erläuterungen zum Zinsentscheid wurden zwar nur geringfügig gegenüber der letzten FOMC-Sitzung im September angepasst….

 

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Dr. Andreas Busch Senior Analyst Economics


Die wenigen Modifikationen, die vorgenommen wurden, deuten aber klar in eine Richtung: Wenn sich die wirtschaftliche Erholung fortsetzt und keine neuen Krisenherde entstehen, werden die Leitzinsen im Dezember angehoben.

Die US-Notenbank hat bei ihrer gestrigen Sitzung wie erwartet stillgehalten und den Leitzins erneut unverändert belassen (0,25% bis 0,50%). Gleichzeitig haben die Währungshüter das nach der FOMC-Sitzung veröffentlichte »Statement«, das Auskunft über den künftigen Kurs der Geldpolitik geben soll, nur geringfügig gegenüber der vorangegangenen Sitzung Mitte September angepasst. Die wenigen Modifikationen, die vorgenommen wurden, senden aber ein klares Signal aus.

So wurde zum einen die Beschreibung des Inflationsumfelds geändert (vgl. Abb. unten). Der Offenmarktausschuss spricht nicht mehr von tiefen Inflationsraten, sondern von zuletzt leicht gestiegenen. Gleichzeitig wurde beim Teuerungsausblick die Passage gestrichen, wonach man zunächst mit weiterhin niedrigen Preissteigerungsraten rechne. Stattdessen heisst es einzig, man gehe mittelfristig von einem Anstieg der Inflationsraten in Richtung des 2%-Ziels aus.

Inflationstrend dreht wieder nach oben

Quelle: BEA, Bantleon

Zum anderen fand eine Anpassung des Leitzinsausblicks statt und zwar bei dem im September neu aufgenommenen Satz, »man warte zunächst zusätzliche Belege für weitere Fortschritte bei der Reduktion der Arbeitslosigkeit und der Reflationierung der Wirtschaft ab«, bevor man die Leitzinsen erneut anhebe. Jetzt heisst es, »man warte zunächst einige zusätzliche Belege … ab«.

Während die Modifikationen beim Inflationsausblick zeigen, dass sich die Währungshüter dem 2%-Ziel etwas näher sehen, spricht die Veränderung beim Leitzinsausblick noch konkreter dafür, dass der Zeitpunkt des nächsten Zinsschritts unmittelbar bevorsteht. Schon im Juli vergangenen Jahres hatte der FOMC eine ähnliche Anpassung des »Wordings« vorgenommen, um eine Zinserhöhung vorzubereiten. Damals vereitelten die anschliessend auftretenden Turbulenzen an Chinas Devisen- und Aktienmärkten indes einen entsprechenden Schritt. Sollten derartige Störfeuer dieses Mal ausbleiben, spricht mithin vieles für eine Anhebung des Fed-Funds-Rate-Zielbandes im Dezember.

Auch das mit drei Wochen Verzögerung veröffentlichte Protokoll zur September-Sitzung unterstützt diese Einschätzung. Dort hiess es, mit dem oben genannten Satz wolle man signalisieren, dass eine Zinserhöhung »relativ bald« bevorstehe. Wenn jetzt davon die Rede ist, nur noch »einige« zusätzliche Belege abzuwarten, sieht sich der FOMC entsprechend noch näher am nächsten Zinsschritt.

Alles in allem halten wir daher an unserer Prognose fest und rechnen mit einer Anhebung der Fed-Funds-Rate im Rahmen der Offenmarktausschusssitzung am 13./14. Dezember. Nur wenn wider Erwarten neue Krisenherde auftreten oder das Ergebnis der Präsidentschaftswahl am kommenden Dienstag die Finanzmärkte nachhaltig belastet, könnten wir uns einen weiteren Aufschub vorstellen. Wir erachten diesen Fall indes als sehr unwahrscheinlich.

 

Quelle: BondWorld.ch