Bantleon: Fed stört sich nicht an tiefer Inflation

Die Fed hat gestern wie erwartet bekannt gegeben, im Oktober mit der Bilanzreduktion zu beginnen. ……

 von Dr. Andreas A. Busch  Senior Analyst Economic Research


 

Gleichzeitig hält sie ohne Abstriche am Vorhaben gradueller Zinserhöhungen fest. Die zuletzt von einigen Währungshütern geäusserten Sorgen wegen zu tiefer Inflationsraten sind offensichtlich kleiner als gedacht. Die Terminmärkte haben daraufhin ihre Zinserwartungen nach oben angepasst, unterschätzen das langfristige Erhöhungspotential aber immer noch.

Wie erwartet hat der Offenmarktausschuss der Fed bei seiner gestrigen Sitzung den Startschuss für die Bilanzreduktion gegeben. Im Oktober wird die US-Notenbank beginnen, einen Teil der fällig werdenden Staatsanleihen und Hypothekenpapiere nicht mehr zu reinvestieren (in den ersten drei Monaten im Umfang von jeweils 6 bzw. 4 Mrd. USD). Die Fed setzt damit den Plan in die Tat um, den sie bereits in den vergangenen Monaten ausführlich erläutert hat – hier gab es also keine Neuigkeiten.

Für etwas mehr Überraschung sorgten die sogenannten Dots, die Punktprognosen der 16 Offenmarktausschussmitglieder zum Leitzinsniveau am Ende des laufenden und der kommenden Jahre. In den vergangenen Wochen hatte sich eine Reihe von Währungshütern zu Wort gemeldet und darauf hingewiesen, dass sie es angesichts der unerwartet tiefen Inflationsraten mit Zinserhöhung nicht eilig haben.

In Anbetracht dessen hätte es nicht verwundert, wenn die Dots nach unten wandern – die Währungshüter also ihre offiziellen Leitzinsprognosen zurückschrauben. Das war auch der Fall, aber nur marginal. Nach wie vor rechnen 12 der 16 FOMC-Mitglieder in diesem Jahr mit mindestens einer weiteren Leitzinserhöhung und wie im Juni gehen lediglich vier von unveränderten Leitzinsen aus. Allenfalls ist eine geringfügige Verschiebung zu erkennen: Zwei Zinsschritte im laufenden Jahr kann sich nur noch ein FOMC-Mitglied vorstellen – im Juni waren es noch vier.

Was die zuletzt unerwartet niedrigen Inflationsraten angeht, machen sich die Währungshüter also offensichtlich doch keine allzu grossen Sorgen. Zumindest sind sie nicht so gross, als dass sie ihre Leitzinserwartungen nennenswert anpassen müssten. Denn nicht nur für das laufende Jahr blieben sie im Wesentlichen unverändert. Für das kommende Jahr wurden ebenfalls kaum Anpassungen vorgenommen: Der Median der 16 FOMC-Mit­glieder rechnet weiterhin mit drei 25-Bp-Zins­schrit­ten.

Schliesslich gab sich auch Fed-Präsidentin Janet Yellen im Rahmen der Pressekonferenz auffallend gelassen. Man verstehe zwar nicht genau, warum die Inflation gegenwärtig so tief ist – die aktuelle Schwäche sei aber wahrscheinlich nur temporärer Natur. Solange das der Fall ist, gebe es keinen Grund vom Vorhaben gradueller Leitzinserhöhungen abzuweichen.

Wie wir bereits mehrfach erläutert haben, halten auch wir die aktuelle Inflationsschwäche für ein vorübergehendes Phänomen (vgl. FMM vom 18. September 2017). Im Zuge eines anhaltenden Konjunkturaufschwungs und wieder zulegender Kerninflationsraten sollte die Fed daher tatsächlich im Dezember (wenn die nächste FOMC-Sitzung mit Pressekonferenz ansteht) die Zielbandbreite für die Leitzinsen um 25 Bp auf 1,25% bis 1,50% anheben und im kommenden Jahr drei weitere 25-Bp-Schritte folgen lassen. 

Die Terminmärkte glauben den Ankündigungen der Fed immer noch nicht

Quelle: Fed, Bantleon

Die Geldterminmärkte haben aber in diesem Jahr einen 25-Bp-Schritt – trotz Korrektur im Nachgang der gestrigen Fed-Sitzung – nur zu rund zwei Drittel eingepreist und messen einem weiteren 25-Bp-Schritt im nächsten Jahr ebenfalls eine Wahrscheinlichkeit von lediglich 60% bei (vgl. Abb. oben). US-Treasuries könnten somit im kommenden Jahr von dieser Seite unter Druck geraten. Vor allem dann, wenn die Konjunkturdaten deutlich positiv überraschen und die Inflationsraten schnell nach oben drehen.

 

Quelle: BondWorld