Bantleon: Fed zögert – noch

Wie erwartet, hat die US-Notenbank die Leitzinsen gestern unverändert belassen. In den Erläuterungen zum Zinsentscheid findet sich aber gleich eine Reihe von Hinweisen, die für eine baldige Zinserhöhung sprechen. Wenn sich die Konjunkturdaten in den kommenden Wochen – wie von uns prognostiziert – erholen, dürfte die Fed daher spätestens im Rahmen ihrer Dezember-Sitzung die Fed-Funds-Rate anheben……

 

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Von Dr. Andreas A. Busch Senior Analyst Economics


Die US-Notenbank hält weiter still. Wie erwartet, entschieden die Währungshüter im Rahmen ihrer gestrigen Sitzung, die Zielbandbreite für die Fed-Funds-Rate bei 0,25% bis 0,50% zu belassen. Gleichzeitig korrigierten sie ihre Projektionen zum künftigen Leitzinspfad nach unten. Der Median der 17 Offenmarktausschussmitglieder rechnet für das laufende Jahr nur noch mit einer Anhebung um 25 Bp, im Juni waren es noch zwei 25 Bp-Schritte gewesen. Darüber hinaus wurden die Projektionen für das kommende Jahr zurückgenommen: 2017 stehen nun lediglich zwei Anhebungen auf der Agenda (vorher drei). 2018 wird weiterhin mit drei 25 Bp-Schritten gerechnet – die Zielgrösse für die Fed-Funds-Rate am Jahresende liegt aufgrund der Anpassungen in den Jahren 2016 und 2017 indes mit 1,875% deutlich unter der Juni-Erwartung von 2,375% (siehe Abb.).

Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank korrigiert seine Leitzinserwartungen weiter nach unten

Quelle: Fed, BANTLEON

Der Trend der zurückliegenden beiden Jahre setzt sich damit ungebrochen fort. Angesichts eines enttäuschend schwachen BIP-Wachstums und immer neuer weltwirtschaftlicher Unsicherheitsquellen korrigierten die Währungshüter ihre Erwartungen an den Leitzinspfad von Sitzung zu Sitzung nach unten. Vor zwei Jahren wurde für Ende dieses Jahres ein Leitzins von knapp 3,0% vorhergesagt – jetzt ist es gerade einmal noch ein Wert von 0,625% (vgl. Abb.).

Ungeachtet dieser Erfahrungen sieht es aber danach aus, als ob die Fed dieses Mal Ernst macht und die Fed-Funds-Rate bis zum Jahresende noch einmal anhebt. Allein im offiziellen Statement zum gestrigen Zinsentscheid finden sich drei Aspekte, die darauf hindeuten.

– Drei der zehn stimmberechtigten FOMC-Mit­glie­der sprachen sich gegen ein Stillhalten aus und forderten schon jetzt eine Anhebung der Leitzinsen. Eine derartige Dissonanz ist sehr selten. In den vergangen 30 Jahren kam das gerade drei Mal vor. 

– Während im Juli-Statement noch davon die Rede war, dass die konjunkturellen Risiken abgenommen haben (aber fortbestehen), heisst es nun, die Risiken seien »in etwa ausgeglichen«. 

– Neu wurde der Satz eingefügt, dass es »inzwischen mehr Argumente für eine Zinserhöhung gebe, wobei man aber zunächst noch weitere Bestätigungen abwarten wolle«.

Jeder dieser Aspekte ist für sich genommen kein eindeutiger Hinweis auf eine bald bevorstehende Leitzinsanhebung. In der Summe geht von ihnen jedoch ein klares Signal aus, dass die Fed die Geldpolitik tatsächlich schon bald straffen wird. Darüber hinaus ist aus den »Dots« abzulesen (den Punkt-Projek­tio­nen der FOMC-Mitglieder zu den Leitzinsniveaus am Ende des laufenden und der kommenden Jahre), dass nur drei der 17 Währungshüter mit keiner Anhebung in diesem Jahr rechnen. Schliesslich sind die von der Fed formulierten wichtigsten Bedingungen für eine Zinsanhebung eigentlich komplett erfüllt: Erstens ist der Arbeitsmarkt wieder auf Erholungskurs – der Einbruch des Stellensaldos im Mai stellt sich in der Nachbetrachtung eindeutig als statistischer Ausreisser dar. Zweitens zieht das Wirtschaftswachstum nach dem schwachen ersten Halbjahr erneut an. Für das laufende Quartal deutet alles auf ein BIP-Wachstum von rund 3,0% hin (annualisiert gegenüber dem Vorquartal).

Sollten sich die zuletzt enttäuschenden Konjunkturdaten – die ISM-Einkaufsmanagerindikatoren – wie von uns prognostiziert in den kommenden Monaten spürbar erholen, ist somit der Weg für eine Anhebung der Fed-Funds-Rate noch in diesem Jahr frei. Falls die Zahlen besonders stark ausfallen (z.B. kräftige ISM-Anstiege und umfangreiche Stellenschaffungen) könnte es sogar schon beim nächsten FOMC-Treffen am 1./2. November so weit sein, auch wenn das genau eine Woche vor der Präsidentschaftswahl wäre. Janet Yellen hatte im Rahmen der gestrigen Pressekonferenz wiederholt darauf verwiesen, dass Überlegungen zur Politik bei den Fed-Entscheidungen keine Rolle spielen.

Als wahrscheinlicheren Zeitpunkt für den Zinsschritt erachten wir indes die Dezember-Sitzung. Für die US-Anleihenmärkte, die einem derartigen Schritt nur eine knapp 70%-ige Wahrscheinlichkeit beimessen, sehen wir entsprechend Korrekturpotential.

Quelle: BondWorld.ch