Bantleon: Gute Konjunkturdaten und abnehmende politische Risiken sprechen für Risikoassets

Die Konjunkturdaten sind nicht kleinzukriegen – speziell in der Eurozone. Ungeachtet aller politischen Unruhen klettern viele Indikatoren weiter nach oben oder halten sich zumindest auf hohen Niveaus…..

 

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von Dr. Dr. Daniel Hartmann  Senior Analyst Economics


Ein besonders beeindruckendes Beispiel in dieser Hinsicht ist der Composite-Einkaufsmanagerindex der Währungsunion, der im laufenden Monat ein 6-Jahres-Hoch markierte (56,7 Punkte). In der Vergangenheit hatte der EMI so gut wie immer den Wachstumstrend korrekt antizipiert. Schliesslich setzte auch das IFO-Geschäftsklima – nach einem Durchhänger zu Jahresbeginn – seinen Höhenflug fort. Die im März erreichten 112,3 Punkte wurden letztmals im Juli 2011 übertroffen. Es besteht daher kaum noch ein Zweifel daran, dass die Eurozone derzeit die erste echte konjunkturelle Blütephase seit sechs Jahren erlebt.

In China ist zwar eine Rückkehr zu den Wachstumsraten der Jahre 2010/2011 (10,4% bzw. 9,5%) ausgeschlossen. Immerhin ist aber der seit sechs Jahren vorherrschende zyklische Abwärtstrend unterbrochen. Im 4. Quartal 2016 legte das BIP-Wachstum (im Vorjahresvergleich) erstmals seit Langem wieder zu (von 6,7% auf 6,8%) und die Zahlen des neuen Jahres lassen noch keine Abschwächung erkennen. Die Kredit-, Immobilien- und Industriedaten sind vielmehr weiter aufwärtsgerichtet.

Im Ergebnis sind die zwei grössten Sorgenkinder der Weltwirtschaft aus den vergangenen Jahren – China und die Eurozone – in ruhigeres Fahrwasser zurückgekehrt bzw. sogar zu Hoffnungsträgern avanciert. In Anbetracht dessen lässt sich auch verschmerzen, dass nicht alle hochfliegenden Pläne des neuen US-Präsidenten Realität werden. Dies gilt umso mehr, als die US-Daten auch ohne die Unterstützung von Donald Trump eine Fortsetzung der konjunkturellen Belebung in den USA nahelegen.    

Der Niederlage Trumps im Ringen um den Rückbau von »Obamacare« lässt sich sogar etwas Positives abgewinnen. Der Dämpfer für den amerikanischen Präsidenten trägt zur Entzauberung der Populisten bei, gegen die sich derzeit ohnehin wachsender Widerstand der demokratischen Kräfte formiert. Dies bekam bereits Geert Wilders in den Niederlanden und ganz aktuell die AfD im Saarland zu spüren. In Frankreich scheint überdies der Vormarsch des Front National gestoppt. Marine Le Pen bleibt in Umfragen zur zweiten Runde der Präsidentschaftswahl abgeschlagen zurück. Sollte Emmanuel Macron zum neuen französischen Präsidenten gewählt werden, dürfte der Strukturpessimismus gegenüber Frankreich in Optimismus umschlagen. Zumindest steht Macron für frischen Wind und eine proeuropäische Politik.

Bleibt als Störquelle für ein optimales Finanzmarktumfeld die Geldpolitik. Die Kehrseite der guten Konjunkturdaten sind wachsende Spekulationen um Leitzinserhöhungen. Unbedachte Äusserungen einiger europäischer Währungshüter haben diese Erwartungen zuletzt zusätzlich befeuert. Steigende Zinsen sind mittelfristig zweifellos eine Wachstumsbremse. Aktuell spiegeln sie jedoch gleichzeitig die gewünschte Normalisierung der Geldpolitik wider. Noch vor wenigen Monaten bestand die Befürchtung, dass die Notenbanken für ewige Zeiten in der ultraexpansiven Ausrichtung gefangen sind. Auch in dieser Hinsicht ist inzwischen Licht am Ende des Tunnels auszumachen.

Alles in allem ist das Finanzmarktumfeld aktuell so erfreulich wie lange nicht mehr und in den nächsten Monaten dürfte sich die Lage sogar weiter verbessern. Wir gehen daher unverändert bis zur Jahresmitte von einer Fortsetzung des übergeordneten Aufwärtstrends bei Aktien sowie anderen Risikoassets aus und rechnen mit Gegenwind für die sicheren Häfen.

Quelle: BondWorld.ch