Bantleon: IFO-Index erreicht Rekordstand

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft – allen voran der Industrie – ist euphorisch. Dies ist die Botschaft der IFO-Umfrage vom Mai. Der daraus hervorgehende Geschäftsklimaindex erreichte das höchste Niveau im wiedervereinigten Deutschland…..

 

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von Dr. Daniel Hartmann  Senior Analyst Economics


Dies spricht dafür, dass sich im laufenden Quartal vor allem die Investitionsbelebung fortsetzt und das Wachstum robust bleibt. Für die 2. Jahreshälfte kündigt sich ungeachtet dessen eine leichte Eintrübung des Konjunkturklimas an.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in Hochstimmung – aus allen Ecken treffen derzeit positive Signale ein. Besonders eindrücklich ist das Beispiel des IFO-Index. Das Stimmungsbarometer, das aus einer monatlichen Erhebung unter 7.000 Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft hervorgeht, setzte seinen Höhenflug im Mai fort und sprang von 113,0 auf 114,6 Punkte, was gleichbedeutend mit einem neuen Allzeithoch im wiedervereinigten Deutschland ist (vgl. Abb. 1). Der Konsensus hatte dagegen lediglich mit einer Seitwärtsbewegung gerechnet (113,1 Punkte).

Abb. 1: Euphorie in der deutschen Wirtschaft

Quellen: IFO, Bantleon

Treibende Kraft ist weiterhin die Lagekomponente, die seit September 2016 in einen steilen Aufwärtstrend eingeschwenkt ist (durchschnittlicher Monatsanstieg: +1,1 Punkte, vgl. Abb. 1), der im laufenden Monat seinen ungebremsten Fortgang fand (123,2 nach 121,4 Punkten). Die Geschäftserwartungen wurden in den vergangenen Monaten hingegen immer wieder von politischen Störimpulsen ausgebremst. Im Mai kam es aber auch hier zu einer positiven Überraschung. Der Erwartungsindex kletterte von 105,2 auf 106,5 Punkte – immerhin ein neuer zyklischer Höchststand (vgl. Abb. 1).

Auf Sektorebene liegt inzwischen das klassische Muster eines Aufschwungs vor. Nachdem sich die Industrie im 2. Halbjahr 2016 noch schwer getan hat, kommt ihr mittlerweile eindeutig die Führungsrolle zu. Seit Januar legte das Geschäftsklima hier um 12,0 Punkte zu (allein im Mai waren es 5,0 Punkte). Allerdings hat der Industrieindex noch nicht ganz seinen Rekord aus dem Jahr 2011 erreicht. Dies ist bislang dem Baugewerbe vorbehalten, dessen Geschäftsklima seit Ende 2016 auf extrem hohem Niveau seitwärts marschiert.

Die erfreuliche Botschaft des IFO-Barometers spiegelt sich eins zu eins im Einkaufsmanagerindex der Industrie wider (vgl. Abb. 3). Gemäss der ersten Mai-Schätzung kam es auch hier – ausgehend von bereits stattlichem Niveau – zu einem unerwartet deutlichen Anstieg. Mit 59,2 Punkten ist das Allzeithoch vom April 2011 (62,0 Punkte) ebenfalls nicht mehr allzu weit entfernt. Die Unterkomponenten ergänzen das Bild einer zunehmend boomenden Wirtschaft. Demnach nehmen die Kapazitätsengpässe zu (lange Lieferzeiten, rückläufige Fertigwarenbestände, kräftig anziehende Beschäftigungsnachfrage) und die Auslandsnachfrage haussiert (der entsprechende Index kletterte von 58,4 auf 60,2 Punkte).

Schliesslich bestätigte auch die jüngste Umfrage des DIHK den hohen Optimismus in der Wirtschaft. Sämtliche Indikatoren weisen auch hier neue zyklische Höchststände aus. Allen voran haben sich die Investitionsabsichten weiter verstärkt. Als einzig schwerwiegendes Problem gilt derzeit der Fachkräftemangel.

Alles in allem spricht das positive Geschäftsklima dafür, dass sich die bereits zu Jahresbeginn sichtbare Belebung bei den Investitionen fortsetzt (vgl. Abb. 2). Gemäss Destatis legten die Bauinvestitionen in Deutschland im 1. Quartal 2017 um 2,3% und die Investitionen in Maschinen und Anlagen um 1,2% gegenüber dem Vorquartal zu. Im laufenden Vierteljahr sollten die Gesamtinvestitionen ähnlich stark expandieren. Die Führungsrolle wird dann aber den Ausrüstungsinvestitionen zukommen. Stützend dürfte sich dabei nicht zuletzt das weniger angespannte politische Umfeld auswirken – allen voran die rückläufigen Ängste vor US-Zöllen und einem Auseinanderbrechen der Eurozone.

Abb. 2: Investitionen dürften anziehen

Quellen: IFO, Destatis, Bantleon

Der private Verbrauch wurde um die Jahreswende noch von der anziehenden Inflation gebremst. Diese Gegenkraft schwindet jedoch bereits wieder. Die Konsumnachfrage sollte entsprechend im weiteren Jahresverlauf robust expandieren.

Neben der Binnennachfrage boomte zuletzt auch das Auslandsgeschäft – Rückenwind ging speziell von Asien aus. Laut Destatis expandierten die Exporte nach China, Südkorea, Indien und Japan im 1. Quartal 2017 mit zweistelligen Raten. Wie die Umfragen zeigten, dürfte der Schub im laufenden Vierteljahr anhalten.

Abb. 3: Der Rückenwind aus Asien lässt nach

Quellen: Markit, Bantleon

Mit Blick voraus deutet sich indes eine Eintrübung des Umfelds an. Unter anderem haben die Einkaufsmanagerindikatoren aus China und Japan zuletzt nach unten gedreht (vgl. Abb. 3). Hinzu kommt die Euro-Aufwertung – der handelsgewichtete Kurs hat sich seit Mitte April um knapp 4,0% verteuert. Schliesslich ist auch die Zeit der sich immer weiter verbessernden Finanzierungskonditionen passé. Vor diesem Hintergrund wird das konjunkturelle Momentum im 2. Halbjahr nachlassen. Da es sich um keinen scharfen Gegenwind handelt, rechnen wir indes nur mit einer moderaten Wachstumsverlangsamung. Die BIP-Zuwächse sollten von 0,6% bis 0,7% pro Quartal im 1. Halbjahr 2017 auf 0,4% bis 0,5% im 2. Halbjahr zurückgehen. Für das Gesamtjahr 2017 prognostizieren wir ein Wachstum von 2,0% in Deutschland, was leicht über dem Niveau der Vorjahre (2016: 1,8%, 2015: 1,5%) und der aktuellen Konsensusschätzung (1,7%) liegt.

Quelle: BondWorld.ch