Bantleon: Investment Insight Mai 2017

Der US-Arbeitsmarkt brummt wieder! War er im März noch mit einem Rückgang des monatlichen Stellensaldos auf 79.000 ins Stottern geraten, kam er im April mit einem Plus von 211.000 erneut auf Touren….

 

Sign up for our free newsletter to receive weekly news from BONDWorld Click here to register for your free copy 


von Dr. Dr. Daniel Hartmann  Senior Analyst Economics


Eine Erholung war vor allem bei dem im Vormonat von Saisoneffekten belasteten Bildungswesen zu beobachten (41.000 nach 10.000 neuen Beschäftigungsverhältnissen). Daneben verbuchte auch der vom schlechten Wetter im März in Mitleidenschaft gezogene Freizeitsektor wieder umfangreiche Neueinstellungen (55.000 nach 9.000).

Damit aber nicht genug der guten Nachrichten. Überraschend freundlich entwickelte sich auch die Arbeitslosenquote. Obwohl sie schon im März unerwartet um zwei Zehntel auf 4,5% nachgegeben hatte, ging sie im April um ein weiteres Zehntel auf 4,4% zurück. Damit hat sie inzwischen nicht nur den Tiefststand von vor der grossen Rezession in den Jahren 2006 und 2007 erreicht. Sie unterschreitet auch immer deutlicher die Marke, unterhalb derer auf längere Sicht mit engpassbedingten Anstiegen der Inflationsrate zu rechnen ist. Die Fed sieht diesen Wert bei knapp 4,9%.

Insgesamt zeichnet der jüngste Arbeitsmarktbericht das Bild einer robusten Konjunkturdynamik und liefert damit ein weiteres Argument, die Schwäche beim BIP-Wachstum im 1. Quartal (0,7% annualisiert gegenüber dem Vorquartal) als Ausrutscher anzusehen. Die jüngsten Einkaufsmanagerumfragen bestätigen diese Sicht.

Während die US-Wirtschaft auf Kurs für eine deutliche Wachstumsbeschleunigung im 2. Quartal ist, weisen die neuesten Daten für China in die entgegengesetzte Richtung. Nachdem das Wirtschaftswachstum der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt zum Jahresende 2016 und Anfang 2017 moderat Fahrt aufgenommen hatte, deutet inzwischen immer mehr darauf hin, dass jetzt die bereits seit geraumer Zeit erwartete Abschwächung einsetzt.

An erster Stelle legen die April-Einkaufsmanagerindikatoren diesen Schluss nahe. So gab der Composite-EMI von Markit im April von 52,1 auf 51,2 Punkte nach und markierte damit den tiefsten Stand seit zehn Monaten. Das Pendant des nationalen Statistikamtes – das noch im März bei 53,5 Punkten ein 3-Jahres-Hoch erreicht hatte – rutschte ebenfalls ab und fiel mit 52,6 Punkten auf ein 6-Monats-Tief.

Es ist aber nicht nur die relativ grobe Parallelität von EMI-Verlauf und BIP-Wachstum, die für eine Abschwächung spricht. In die gleiche Richtung deuten auch die jüngsten Zahlen zur Kreditvergabe und zu den Immobilienverkäufen im April. Alles in allem sehen wir durch die neuesten Statistiken unsere Prognose einer nachlassenden gesamtwirtschaftlichen Expansionsdynamik im weiteren Jahresverlauf bestätigt. Diese dürfte allerdings vergleichsweise moderat ausfallen – nach 6,7% im Jahresdurchschnitt 2016 rechnen wir für 2017 mit 6,6%.

Unumwunden überzeugend ist derweil die robuste Konjunkturentwicklung in der Eurozone. Nicht nur die Stimmungsindikatoren erleben einen Höhenflug, auch in den harten Fakten spiegelt sich dies. So ist das BIP-Wachstum im 1. Quartal mit 0,5% äusserst robust ausgefallen, gleichzeitig wurde der Wert für das 4. Quartal 2016 um ein Zehntel auf nun ebenfalls 0,5% nach oben korrigiert. Im Vorjahresvergleich steuert das Expansionstempo damit auf die 2%-Marke zu.

Unter den Euroländern erwies sich im 1. Quartal einmal mehr Spanien als Stütze. Nach der leichten Abkühlung im 2. Halbjahr 2016 – in Q3 und Q4 betrug der BIP-Zuwachs 0,7% – kehrte das Expansionstempo wieder auf 0,8% zurück, was exakt dem Durchschnitt der vergangenen zweieinhalb Jahre entspricht. Ausser in Spanien zeichnet sich auch in Deutschland ein überdurchschnittliches Ergebnis ab. Wir rechnen mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,7%. Deutschland und Spanien bleiben damit das Wachstumstandem der Währungsunion.

Aufgrund dieses positiven konjunkturellen Umfelds gehen wir davon aus, dass die Rückkehr aussereuropäischer Investoren an die EUR-Finanzmärkte infolge des fürs Erste überstandenen Wahlmarathons durchaus noch eine Weile anhalten wird. Das sollte Risikoassets Rückenwind verleihen. Die Jahresbestmarken (Rekordhoch bei Aktien, Rekordtief bei den Risikoprämien von Anleihen) liegen wohl noch vor uns.

Mit Blick auf das 2. Halbjahr 2017 sind wir indes nicht mehr ganz so optimistisch. Der Aufschwung wird sich zwar fortsetzen, nach Massgabe unserer Frühindikatoren aber nur noch in gedrosseltem Tempo. Die Aktienhausse dürfte daher in den Sommermonaten auslaufen und in eine Konsolidierung übergehen.

Umgekehrt schliesst sich an den Anleihenmärkten das Fenster für einen Renditeanstieg. Noch gehen wir davon aus, dass die Renditen 10-jährigr Bundesanleihen den Widerstand bei 0,5% überwinden und bis zum Ende des 2. Quartals auf 0,8% klettern werden. Je länger sich dieser Anstieg jedoch verzögert, umso geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass es so kommt. Denn bei nachlassender Konjunkturdynamik nimmt die Nachfrage nach Safe-Haven-Assets zu, was die Renditen in einen Abwärtstrend zwängen dürfte.

Dass man im aktuellen Finanzmarktumfeld flexibel bleiben muss, haben wir in den vergangenen Monaten mehrfach betont. Entsprechend haben wir bei der Ausrichtung unserer Fonds die durchschnittliche Anleihenlaufzeit je nach Fonds entweder auf vergleichsweise tiefem Niveau beibehalten oder noch etwas reduziert (bei Bantleon Opportunities S und L). Der Grund für die Verkürzung der Gesamtlaufzeit auf 3,0 bzw. 3,5 bei den beiden Fonds ist, dass sich das markttechnische Umfeld – nach einer kurzzeitigen Verbesserung in der Vorwoche – wieder eingetrübt hat. Vorher hatten wir bereits die durchschnittliche Anleihenlaufzeit der amerikanischen T-Notes reduziert.

Die Quoten der Risikoassets wie Aktien und Unternehmensanleihen haben wir nahe oder auf den jeweils zulässigen Höchstständen der einzelnen Fonds belassen. Wir sind jedoch dazu bereit, diese Anteile schnell zu verkaufen, wenn sich das Umfeld verschlechtert.

Quelle: BondWorld.ch