Bantleon: Ist die Eurokrise zurück?

Frexit, Italexit, Grexit – die Eurokrise scheint ihren zweiten Frühling zu erleben. Vor allem die forsche Wahlkampfrhetorik von Marine Le Pen und die Schwäche ihrer Gegner im Präsidentschaftswahlkampf hat die Märkte aufgeschreckt…….

 

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von Dr. Daniel Hartmann Senior Analyst Economics


Hinzu kommt die Dauerkrise in Griechenland und das politische Durcheinander in Italien. In Anbetracht dessen verwundert es nicht, dass die Risikoaufschläge französischer und italienischer Staatsanleihen zuletzt einen kräftigen Schub erfahren haben. Es ist indes nicht alles negativ in Frankreich und Südeuropa. Das konjunkturelle Umfeld ist sogar ausgesprochen freundlich und die Wahlchancen Le Pens sind im Endeffekt immer noch gering. Es bestehen daher gute Chancen, dass die Eurokrise wieder abschwellt.

Ein Hauch von Eurokrise ist zurück. Dazu trägt vor allem der französische Präsidentschaftswahlkampf bei. François Fillon sah bereits wie der sichere Sieger aus. Er gab sich als glaubwürdiger, wertkonservativer Reformer. Mit der Penelope-Affäre hat diese Kampagne jedoch schweren Schaden genommen. Die Hoffnungen des gemässigten Lagers ruhen damit auf Emmanuel Macron, dem nunmehr die besten Chancen auf das Präsidentschaftsamt eingeräumt werden. Dennoch hat Marine Le Pen in Umfragen zur zweiten Runde zuletzt leicht Boden gut gemacht und bewegt sich in Richtung 40%. Sollte dieser Wert in den nächsten Wochen weiter ansteigen, würde das Zittern so richtig beginnen. Schliesslich hat die Vorsitzende des Front National bereits den Austritt aus der EU bzw. der Eurozone an die Wand gemalt.

Neben Frankreich gibt es aber noch andere Unruheherde. In Italien müsste dieses Jahr eigentlich gar nicht gewählt werden. Dessen ungeachtet wird über nichts anderes diskutiert. Von vorgezogenen Neuwahlen rechnen sich sowohl die in Umfragen führenden (Demokratische Partei, 5-Sterne-Bewegung) oder sich im Aufwind befindenden Parteien (Lega Nord) neue Machtoptionen aus. Es ist jedoch zu befürchten, dass ein erneuter Urnengang keine klaren Mehrheitsverhältnisse mit sich bringt. So oder so bleibt das Regieren in Italien schwierig und damit auch die Fortführung der überfälligen Reformen im Justizwesen, der Verwaltung und am Arbeitsmarkt.

Ein Dauerbrenner ist überdies Griechenland. Wie so oft hält sich das Land nicht an die vereinbarten »Meilensteine«. Der zweite Prüfbericht zum dritten Hilfsprogramm über 86 Mrd. EUR steht daher immer noch aus. Er ist indes die Voraussetzung für die Auszahlung weiterer Gelder. Hinzu kommt der Streit unter den Gläubigern über die Tragfähigkeit der Schuldenlast. Der IWF will einen Forderungsverzicht zugunsten von Griechenland, was von den Europäern abgelehnt wird. Die weitere Beteiligung des IWF ist daher immer noch in der Schwebe. Insgesamt ist die Lage einmal mehr vertrackt. Ein erneutes Hochkochen der Grexit-Debatte ist demzufolge nicht auszuschliessen.

Schliesslich zeichnet sich selbst in Spanien neues Ungemach ab. So erklärte der katalanische Präsident Carles Puigdemont vor kurzem, dass spätestens im September ein erneutes Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens angestrebt werde. Dies dürfte einmal mehr zu Spannungen mit der spanischen Zentralregierung führen, die eine solche Volksabstimmung für illegal hält. Angesichts dieser politischen Gemengelage in Europa zu der noch internationale Anspannungen kommen, ist es nicht verwunderlich, dass sich die Risikoaufschläge französischer bzw. südeuropäischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen spürbar ausgeweitet haben.

Dennoch scheinen die Märkte über das Ziel hinausgeschossen zu sein. Es ist nicht alles negativ. Anders als 2011 bis 2013 zeigt sich die Wirtschaft der Eurozone robust. Die Konjunkturdaten fallen nach wie vor erfreulich aus. Ausgerechnet aus Italien kamen zuletzt die grössten positiven Überraschungen (6-Jahres-Hoch bei der Industrieproduktion). Auch Frankreich befindet sich im Aufwind, der durch einen Präsidenten Macron zusätzlich beflügelt werden dürfte. Hinzu kommen Lichtblicke bei der Lösung der italienischen Bankenkrise. In Griechenland ist die zuletzt günstige Haushaltslage hervorzuheben. Es droht somit kein unmittelbarer Liquiditätsengpass.

Alles in allem bestehen gute Chancen, dass die Eurokrise unter Kontrolle bleibt – vor allem dann, wenn Le Pen verhindert wird. Aufgrund der latenten Risiken scheint aus unserer Sicht indes zweierlei geboten. Zum einen bleiben wir bei Peripherie-Staatsanleihen zurückhaltend. Zum anderen verlieren wir Bundesanleihen nicht aus dem Blickfeld. Hier rechnen wir trotz des übergeordneten renditeseitigen Aufwärtstrends unverändert mit keinem Ausverkauf.

Quelle: BondWorld.ch