Bantleon: Notenbanken und Weltwirtschaft erfreuen die Finanzmärkte

Wer geglaubt hat, die Leitzinserhöhung der Fed im Dezember 2015 würde das Ende der ultraexpansiven Geldpolitik einläuten, wird nunmehr endgültig eines Besseren belehrt. Ein Ereignis (Brexit) hat bereits ausgereicht und die Welt steht vor einer neuen Runde der monetären Droge…..

 

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Dr. Daniel Hartmann Senior Analyst Economics


Die Bank of England hat zwar auf der jüngsten Sitzung noch nicht agiert, aber unverblümt für den August neue Massnahmen angekündigt. Eine Leitzinssenkung um mindestens 25 Bp sowie eine nochmalige Aufstockung des QE-Programms um 50 bis 100 Mrd. £ (aktuell 375 Mrd. £) gelten als gesetzt.

Ganz ähnlich wie die BoE dürfte die EZB vorgehen. In der laufenden Woche werden die Währungshüter noch stillhalten, um dann Anfang September zu handeln. Auch wenn die Eurozone möglicherweise gar nicht so hart vom Brexit getroffen wird, war bereits vor dem Schock fraglich, ob in absehbarer Zeit das Inflationsziel erreicht wird. Wir gehen daher davon aus, dass die EZB im Minimum eine Verlängerung des QE-Programms um sechs Monate beschliesst (von März 2017 auf September 2017), womit das Gesamtvolumen der Wertpapierkäufe auf mindestens 2.300 Mrd. EUR steigt.

Selbst nach Japan scheint ein Funke des Brexits übergesprungen zu sein. Der Index der japanischen »ZEW-Umfrage« (»Eco-Watchers«) ist im Nachgang des 23. Juni eingebrochen. Allerdings war man hier ebenfalls bereits zuvor mit der Konjunktur- und Inflationsentwicklung unzufrieden. Die jüngste Parlamentswahl, aus der die Regierung gestärkt hervorging, wird daher allgemein als Plebiszit für zusätzliche expansive Massnahmen verstanden. Neben der Geldpolitik kommt dabei auch wieder die Fiskalpolitik ins Spiel. Ob dies bereits in Form von »Helikoptergeld« geschieht, ist noch offen. Das Ende des japanischen Experiments ist jedenfalls nicht in Sicht, vielmehr stösst das Land in immer neue Dimensionen der Konjunkturpolitik vor.

Summa summarum werden die Notenbanken in den nächsten Monaten zusätzliches Geld in die Finanzmärkte pumpen und all dies geschieht vor dem Hintergrund einer an sich stabilen Weltwirtschaft. Zum Ende des 2. Quartals gab es sogar erstmals seit langem Anzeichen, dass die stark gebeutelte Industrie Fahrt aufnimmt. In den USA sprang der ISM-Einkaufsmanagerindex auf einen 1½-jährigen Höchststand. In China kletterte die Jahresrate der Industrieproduktion wieder über 6,0%. Wie überhaupt die zwei grössten Volkswirtschaften derzeit ein erfreuliches Bild abgeben. Für die Finanzmärkte – allen voran Risikoassets – ist dies ein Umfeld wie gemalt: Robuste Weltwirtschaft, weiterhin geringe Inflation und Notenbanken, die Gas geben.  

Trotz allem gibt es natürlich auch Risikofaktoren – aktuell sind (neben dem Brexit) vor allem zwei zu nennen. Das eine ist die Zinspolitik der Fed. Die Leitzinserhöhungsrhetorik wurde zuletzt vonseiten der US-Notenbank wieder verschärft. Macht die Fed ernst und beschliesst bereits im September die nächste Straffung, könnte dies erneut weltweite Turbulenzen auslösen.

Daneben muss die EZB über kurz oder lang technische Anpassungen an ihrem QE-Programm vornehmen, um die Knappheitsprobleme bei Bundesanleihen zu beseitigen. Im Raum steht die Aufhebung der Mindestankaufsrendite (‑0,40%). Eine Massnahme, die zur Kurvenversteilerung beitragen würde. Nicht auszuschliessen ist darüber hinaus eine generelle Adjustierung des Ankaufsschlüssels, der das Gewicht Deutschlands reduziert. Hierdurch würden Bunds sogar über das gesamte Laufzeitspektrum unter Druck geraten. Alles in allem rechnen wir in den nächsten Wochen mit einem freundlichen Finanzmarktumfeld. Vor allem bei Bundesanleihen ist aber Vorsicht geboten.

Quelle: BondWorld.ch