Bantleon: Positive Signale von der deutschen Konjunktur

Die Unkenrufe bezüglich der deutschen Konjunkturentwicklung haben zuletzt zugenommen. Die jüngsten Unternehmensumfragen zeichnen indes ein positives Bild….

 

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Von Dr. Daniel Hartmann – Senior Analyst Economics


Der IFO-Index ist einmal mehr für eine positive Überraschung gut. Nachdem das Barometer im August einen Dämpfer erfahren hatte (106,3 nach 108,3 Punkten), rechnete der Konsensus für September mit einem weitgehend unveränderten Ergebnis (106,3 Punkte). Allgemein herrscht die Meinung vor, dass den Unternehmen nach wie vor der Brexit-Schock in den Knochen sitzt. Schliesslich war auch der ZEW-Index – offensichtlich genau aus diesem Grund – im September »stehen geblieben«.

Abb. 1: Aufatmen bei den Unternehmen

IFO Geschäftsklima

Quelle: IFO, BANTLEON

Es kam jedoch anders. Das IFO-Barometer, zu dessen Ermittlung monatlich 7.000 Unternehmen befragt werden, verzeichnete im laufenden Monat einen seiner grössten Anstiege der vergangenen Jahre und markierte mit 109,5 Punkten ein 2-Jahres-Hoch (vgl. Abb. 1). Allen voran die Geschäftserwartungen schraubten sich nach oben (104,5 nach 100,1 Punkten). Der Optimismus nahm dabei in allen Branchen zu. Am deutlichsten fiel das Comeback in der Industrie aus, dessen Teilindex sich um 6,9 Punkte verbesserte. Der Erwartungsindex verbuchte hier mit 10,8 Punkten sogar das stärkste Monatsplus seit den Zeiten der Finanzkrise (August 2009).

Details zur IFO-Umfrage liegen noch nicht vor. Es ist aber davon auszugehen, dass das Aufatmen vor allem im Fahrzeugbau stattfand. Hier hat sich das Sentiment im Juli/August am stärksten eingetrübt. Was auch immer dafür die Ursache war (das Brexit-Votum oder der VW-Zulieferstreit), die Ängste scheinen – zumindest vorerst – wie weggeblasen zu sein.

Eine ähnlich erfreuliche Botschaft hatte bereits der deutsche Einkaufsmanagerindex der Industrie ausgesandt. Gemäss der ersten Schätzung legte er im September von 53,6 auf 54,3 Punkte zu und scheiterte damit nur knapp an einem 2-jährigen Höchststand (54,5 Punkte). Dessen ungeachtet hat der EMI seinen lediglich kurz (Juli/August) ins Stocken geratenen Aufwärtstrend wieder aufgenommen, wobei die wesentliche Triebkraft von aussen kommt: Die Unternehmen berichteten über eine verstärkte Nachfrage aus den USA und Asien, was sich entsprechend in der Exportkomponente niederschlug (55,8 nach 54,7 Punkten).

Abb. 2: Aktuell widersprüchliches Bild

Dienstleistungen Deutschland

Quelle: IFO, Markit, BANTLEON

Ein Fragezeichen hinterliess indes der deutsche Service-Einkaufsmanagerindex. Er sackte zwischen Juli und September von 54,4 auf 50,6 Punkte ab (vgl. Abb. 2). Ausgerechnet die in den vergangenen Quartalen so starke Binnennachfrage scheint demnach ins Trudeln geraten zu sein.

Aber auch in dieser Hinsicht sorgt die jüngste IFO-Umfrage für ein Stück Gelassenheit. Das daraus hervorgehende Geschäftsklima des Dienstleistungssektors liess sich nicht unterkriegen und stieg parallel zu seinem Pendant aus der gewerblichen Wirtschaft an (von 29,8 auf 32,2 Punkte, vgl. Abb. 2). Abweichungen zwischen verschiedenen Indikatoren sind nichts Ungewöhnliches. Zu bedenken gilt, dass die IFO-Umfrage im Vergleich zur EMI-Erhebung mehr Kleinunternehmen einbezieht, dafür aber den Finanzsektor ausspart. Unter Umständen liegt die Wahrheit derzeit in der Mitte. Aus unserer Sicht gibt es jedenfalls keine fundamentalen Faktoren, die für eine länger anhaltende Abschwächung der Binnennachfrage sprechen.

Abb. 3: Industrie vor Erholungsrallye

Deutschland Industrie

Quelle: IFO, Markit, Destatis, BANTLEON

Alles in allem machen die jüngsten Indikatoren Hoffnung, dass die konjunkturelle Lage in Deutschland besser ist als gedacht. Vor allem die Industrie sollte nach dem schlechten Quartalsauftakt bei der Produktion zu einer Erholungsrallye ansetzen (vgl. Abb. 3). Im Endeffekt dürfte das Wachstum im 2. Halbjahr kaum schwächer ausfallen als im 1. Halbjahr, als der BIP-Zuwachs bei annualisiert 2,2% lag.

Quelle: BondWorld.ch