Bantleon: US-Leitzinserhöhung im September noch nicht vom Tisch

Die jüngsten US-Wirtschaftsdaten enttäuschen und lassen die Chancen auf eine baldige US-Leitzinserhöhung sinken. Jedoch ist die Lage gar nicht so schlecht und der Arbeitsmarkt ist eindeutig auf Erholungskurs……

 

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Von Dr. Andreas A. Busch Senior Analyst Economics


Somit ist die wichtigste Voraussetzung für eine Zinserhöhung gegeben. Die Industrie erholt sich zwar nur langsam, aber auch dort ist die Verbesserung unverkennbar. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass die US-Leitzinsen schon in zwei Wochen um 25 Basispunkte angehoben werden. Die Treasurymärkte haben entsprechend Korrekturpotential, das auch auf die europäischen Anleihenmärkte ausstrahlt. Dem steht jedoch die expansive Ausrichtung der EZB gegenüber, die ihre Stimuli nochmals ausweiten dürfte. Risikoassets erhalten in diesem Umfeld von zwei Seiten Rückenwind: von der Geldschwemme der EZB und von der Aufhellung des weltwirtschaftlichen Umfeldes.

Auf den ersten Blick warteten die US-Wirtschaftsdaten der vergangenen Woche mit klaren Enttäuschungen auf. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen lag im August deutlich unter der Konsensuserwartung (151.000 statt 180.000). Gleichzeitig ging der ISM-Einkaufsmanagerindex der Industrie von 52,6 auf 49,4 Punkte zurück und tauchte damit zum ersten Mal seit einem halben Jahr wieder unter die Expansionsschwelle ab. Kein Wunder, könnte man denken, dass in Anbetracht dieser Daten einer Zinserhöhung durch die Fed im Rahmen der nächsten FOMC-Sitzung in gut zwei Wochen nur eine Aussenseiterchance eingeräumt wird.

Ganz so eindeutig ist die Lage aber nicht. Die 151.000 Stellenschaffungen im vergangenen Monat sind im Nachgang zu den kräftigen 275.000 vom Juli und den ähnlich hohen 271.000 vom Juni nicht als Schwächesignal anzusehen. Vielmehr hat sich das Tempo bei den Neueinstellungen nach den unerwartet guten Vormonatsergebnissen wieder normalisiert. Der 3-Monats-Durchschnitt weist entsprechend mit 232.000 einen nach wie vor dynamischen Zuwachs aus.

Selbst wenn man die schwachen Frühjahrsmonate (April: 144.000, Mai: 24.000) mitberücksichtigt, fällt das Ergebnis für das laufende Jahr mit durchschnittlich 180.000 eindeutig positiv aus. Das ist zwar weniger als die 220.000 im Mittel der Jahre 2014/2015. Die jüngsten Stellenschaffungen reichen aber immer noch aus, um alle neu in den Arbeitsmarkt Eintretenden eine Beschäftigung zu bieten und darüber hinaus die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Aus Sicht der Fed ist der neuste Arbeitsmarktbericht somit keineswegs als Warnsignal anzusehen. Stattdessen liefert er einen zusätzlichen Beleg dafür, dass sich das Beschäftigungsumfeld weiter verbessert, was als zentrale Bedingung für eine Zinserhöhung formuliert wurde.

Auch bei der Bewertung des ISM-Index ist Vorsicht geboten. Er sorgt zwar für eine gewisse Verunsicherung, da er anzeigt, dass sich die Erholung im verarbeitenden Gewerbe langsamer vollzieht als zuletzt angenommen. Gleichwohl stellt der aktuelle Rückgang das Bild einer übergeordneten Aufhellung des Umfelds nicht in Frage. Die fundamentalen Belastungsfaktoren aufgrund der letztjährigen USD-Aufwertung, des Ölpreisverfalls und der notwendigen Korrektur der Lagerüberhänge haben zweifelsfrei an Kraft verloren. Das zeigt unter anderem der Teilindex zu den Auslandsaufträgen in der ISM-Erhebung, der sich im August nahe seines 1½-jährigen Höchststandes halten konnte.

Wir sehen die US-Industrie daher weiterhin auf Erholungskurs und rechnen in den kommenden Monaten wieder mit merklichen Anstiegen beim Industrie-ISM. Für die Fed spielt dieser Index allerdings ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. Als die Währungshüter im vergangenen Dezember die Leitzinsen zum ersten Mal strafften, notierte das Konjunkturbarometer mit 48,6 Punkten sogar noch tiefer als heute und befand sich darüber hinaus in einem ungebrochenen Abwärtstrend. Viel wichtiger als die Industrie ist für die Fed zum einen der Arbeitsmarkt, der sich – wie bereits erläutert – in einem robusten Zustand präsentiert und zum anderen der Wachstumsausblick insgesamt. Hier deuten die bislang vorliegenden Realdaten für das laufende Quartal auf einen BIP-Zuwachs von über 3,0% hin, was ebenfalls rundum positiv zu werten ist.

Wir sehen es daher nach wie vor als wahrscheinlich an, dass die US-Noten-bank die Leitzinsen nicht erst im Dezember, sondern bereits in zwei Wochen um 25 Bp anhebt. Die Treasurymärkte besitzen entsprechend Korrekturpotential, das auch auf die europäischen Anleihenmärkte ausstrahlt. Dem steht jedoch die expansive Ausrichtung der EZB gegenüber, die ihre Stimuli nochmals ausweiten dürfte. Risikoassets erhalten in diesem Umfeld von zwei Seiten Rückenwind: von der Geldschwemme der EZB und von der Aufhellung des weltwirtschaftlichen Umfeldes.

 Quelle: BondWorld.ch