Bantleon: US-Notenbank bleibt vorsichtig

Der geldpolitische Ausschuss der US-Notenbank hat die Fed-Funds-Rate unverändert belassen und seine Leitzinserwartungen nach unten korrigiert. In Anbetracht der gemischten Datenlage (Wachstumsbelebung bei gleichzeitig nachlassendem Beschäftigungszuwachs) und des Brexit-Risikos wollen die Währungshüter zunächst abwarten….

 


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Von Dr. Andreas A. Busch Senior Analyst Economics


Ganz so hoch, wie es scheint, ist die Hürde für den nächsten Zinsschritt aber nicht. Wir erwarten ihn nach wie vor im September und sehen gute Chancen, dass anschliessend weitere Anhebungen folgen.

Die US-Notenbank hat gestern den Leitzinskorridor unverändert bei 0,25% bis 0,50% belassen. Zur Begründung dieses Stillhaltens verwies Fed-Präsi­den­tin Janet Yellen auf die widersprüchlichen Wirtschaftsdaten. Während die Zahlen zum privaten Konsum die Erwartung eines anziehenden BIP-Wachstums im laufenden Quartal bestätigt hätten, würde die nachlassende Dynamik beim Stellenaufbau ernsthafte Warnsignale liefern.

Ihren Niederschlag findet diese vorsichtige Sichtweise auch in den Makro- und Leitzins-Pro­jek­tio­nen der Währungshüter. Demnach wurde die Prognose zum Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr von 2,2% auf 2,0% abwärtskorrigiert (Q4 2016 gegenüber dem Vorjahr). Noch deutlicher fiel die Revision bei den Leitzinsen aus. Für Ende 2017 wanderte der Median der 17 Offenmarktausschuss­mitglieder um 25 Bp von 1,875% auf 1,625% nach unten, für 2018 waren es sogar -50 Bp auf 2,375% (vgl. Abb.). Der Median für 2016 blieb zwar unverändert bei 0,875%, was zwei weiteren Anhebungen um 25 Bp in diesem Jahr entspricht. Gleichwohl haben die Währungshüter auch für das laufende Jahr ihre Erwartungen zurückgeschraubt. Inzwischen gehen sechs FOMC-Mit­glieder von nur noch einer Anhebung aus – im März war lediglich ein FOMC-Mitglied so skeptisch gewesen.

Die Notenbank schraubt ihre Leitzinserwartungen weiter zurück

Quellen: Fed, BANTLEON

Als Erklärung für die zum Teil deutliche Abwärtsrevision der längerfristigen Leitzinserwartungen führte Yellen im Wesentlichen strukturelle Faktoren an. Die meisten Währungshüter hätten zuletzt ihre Erwartungen an den neutralen Leitzins nach unten korrigiert (u.a. aufgrund eines zurückhaltenderen Ausblicks für das langfristige Potentialwachstum).

Was den kurzfristigen Leitzinsausblick angeht, blieb Yellen – wie zu erwarten war – hinreichend vage. Auf Nachfrage, welche Bedingungen erfüllt sein müssten, damit die Fed-Funds-Rate erneut angehoben werden kann, rückte sie die Beschäftigungsdynamik in den Mittelpunkt. Demnach müsse die Zahl der Stellenschaffungen wieder soweit anziehen, dass alle Arbeitssuchenden einen Job finden. Gemessen an früheren Äusserungen verschiedener FOMC-Mit­glie­der sind dafür rund 100.000 bis 150.000 neue Arbeitsplätze pro Monat nötig. Das sind eindeutig mehr als die durchschnittlich 80.000 im April und Mai – eine Rückkehr zu den 230.000, die im vergangenen Jahr zu verzeichnen waren, ist aber offensichtlich nicht nötig. Ganz so hoch, wie es scheint, ist die Hürde für den nächsten Zinsschritt damit nicht.

Auf Basis unseres positiven Konjunkturausblicks gehen wir davon aus, dass der scharfe Rückgang beim Stellensaldo in diesem Frühjahr einen vor-übergehenden Ausreisser darstellt. Im laufenden und den kommenden Monaten sollte die Zahl der Neueinstellungen wieder zunehmen. Darüber hinaus rechnen wir auch mit einer nachhaltigen Wiederbelebung beim BIP-Wachstum. Schon jetzt zeichnet sich für Q2 ein Zuwachs von 2,5% bis 3,0% ab (annualisiert gegenüber dem Vorquartal). Für Q3 rechnen wir mit einem ähnlichen Expansionstempo. Unter diesen Voraussetzungen sollte der Offenmarktausschuss im Rahmen seiner übernächsten Sitzung im September den Leitzinskorridor um 25 Bp anheben. Im allerbesten Fall, wenn sich alle Unsicherheiten schnell auflösen (z.B. sich die Brexit-Ängste als unbegründet erweisen), wäre sogar ein Zinsschritt im Juli denkbar.

Wenn sich die wirtschaftliche Erholung zum Jahresende fortsetzt – wie wir in unserem Basisszenario annehmen – und in 2017 nur wenig Schwung verliert, dürften weitere Leitzinserhöhungen folgen. Solange keine neuen weltwirtschaftlichen Krisenherde auftauchen, erwarten wir mithin nach der September-Zinserhöhung bis Ende 2017 vier zusätzliche Leitzinsanhebungen. Dafür spricht auch unser längerfristiger Inflationsausblick, der weiter anziehende Teuerungsraten ankündigt. Die Geld­terminmärkte, die bis Ende 2017 insgesamt nur rund einen 25 Bp-Zinsschritt eingepreist haben, wiegen sich damit unseres Erachtens in falscher Sicherheit.

Quelle: BondWorld.ch