Bantleon: Widersprüchliche Konjunktursignale in der Eurozone

Widersprüchliche Konjunkturdaten kennzeichnen das Umfeld in der Eurozone. Auf der einen Seite hat der Composite-Einkaufsmanagerindex seinen flachen Aufwärtstrend fortgesetzt…….

 

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Dr. Daniel Hartmann Senior Analyst Economics


Auf der anderen Seite brach der deutsche IFO-Index um zwei Punkte ein. Das ist keine leichte Situation für die EZB, die am 8. September ihre Politik prüfen will und diese noch expansiver gestalten dürfte. Derweil könnte die Fed bereits im September den US-Leitzins anheben. In diesem Umfeld sollten die Bundesanleihenrenditen sich volatil seitwärts bewegen.

Zwei Konjunkturdaten der Eurozone sind in der vergangenen Woche besonders hervorgestochen. Auf der einen Seite hat der Composite-Einkaufsmanagerindex seinen flachen Aufwärtstrend fortgesetzt (53,3 nach 53,2 Punkten). Auf der anderen Seite brach der deutsche IFO-Index um zwei Punkte von 108,3 auf 106,2 Punkten ein. Welcher Indikator hat Recht?

Der eng mit der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung korrelierte Einkaufsmanagerindex gibt weiterhin Entwarnung. Der Brexit hat die Konjunktur der Eurozone nicht in die Knie gezwungen. Vielmehr deutet alles darauf hin, dass das Expansionstempo im 3. Quartal in etwa so hoch ausfällt wie im Mittel des 1. Halbjahrs 2016 (ca. +0,4% im Vergleich zum Vorquartal).

Unter der Decke enthält indes bereits die Einkaufsmanagerumfrage einige Warnsignale. So ist die Auftragskomponente des Industrie-EMI auf einen 1½-jährigen Tiefststand gefallen. Gleichzeitig haben sich im Servicesektor die lange Zeit sehr optimistischen Erwartungen eingetrübt. Solche Rücksetzer wurden in der Vergangenheit zwar auch schnell wieder wettgemacht, dennoch spiegelt sich darin eine gewisse Verunsicherung wider.

Letztere zeigt sich noch mehr in den Geschäftsklimabarometern der Eurozone, die im August auf breiter Front gefallen sind. Die Verbindung dieser Indikatoren zur Realwirtschaft ist im Vergleich zu den Einkaufsmanagerindices kleiner. Hinsichtlich des Konjunkturtrends geben sie aber durchaus die Richtung vor – und der Trend ist zunehmend nach unten gerichtet.

In Deutschland hat sich vor allem der Ausblick des Fahrzeugbaus eingetrübt, was am durchwachsenen aussenwirtschaftlichen Umfeld liegen dürfte. Einer konjunkturellen Belebung in den USA steht die Abkühlung in Grossbritannien gegenüber. Auch China dürfte nach einer kurzen Phase des Aufbäumens zum Jahresende in den übergeordneten Abwärtstrend zurückfallen.

Die binnenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben dagegen freundlich. Neuer Schwung ist indes auch hier nicht auszumachen. Alles in allem rechnen wir bis zum Jahresende mit einer Wachstumsverlangsamung aber – dank der stabilen heimischen Nachfrage – keinem Rückfall in die Stagnation.

Die ambivalenten Konjunktursignale stellen auch für die EZB eine Herausforderung dar. Die Währungshüter haben für den 8. September eine Überprüfung ihrer Politik angekündigt. Auch wenn sich die schlimmsten Befürchtungen zu den Folgen des Brexits zweifellos nicht bewahrheitet haben, bietet das Umfeld keinen Anlass zur Gelassenheit. Wir rechnen daher nach wie vor damit, dass die EZB eine Verlängerung der Anleihenkäufe ankündigt (über März 2017 hinaus) und einige Änderungen an den Parametern des Programms vornimmt (unter anderem: Anhebung der Ankauflimite für Staatsanleihen).

Die Federal Reserve marschiert unterdessen genau in die andere Richtung. Nicht nur Janet Yellen, sondern auch zahlreiche andere prominente Fed-Vertreter (Fischer, Dudley, Lockhart, Bullard) haben in den vergangenen Tagen klar zum Ausdruck gebracht, dass sie die Leitzinsen bald – wahrscheinlich schon im September – anheben wollen.

Das Umfeld für Bundesanleihen bleibt damit widersprüchlich. Während von der Fed Gegenwind ausgeht, sollte die abflauende Konjunktur der Eurozone für leichten Rückenwind sorgen. Unterschiedliche Einflüsse erzeugt daneben auch die EZB. Die Verlängerung des Kaufprogramms wirkt stützend, die Änderung der technischen Parameter könnte dies jedoch konterkarieren. Wir rechnen angesichts dieser Gemengelage mit einer volatilen Seitwärtsbewegung.

Quelle: BondWorld.ch