„Berichtssaison“

In den USA hat die Berichtssaison für das zweite Quartal begonnen. Nachdem die Anleger in den vergangenen Wochen zahlreiche Makroereignisse einordnen mussten, können sie sich jetzt wieder auf die Fundamentaldaten der Unternehmen konzentrieren, die mittel- bis langfristig wohl der wichtigste Einflussfaktor für die Aktienkurse sind…….


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Charles Ma Client Investment Strategist Greater China & South East Asia, Retail Distribution


In Europa beginnt die Berichtssaison erst zum Monatsende hin, so dass die Aktienanleger ihre Aufmerksamkeit hierzulande auf die nächsten Schritte der neuen Premierministerin nach dem britischen Referendum richten und genau beobachten werden, ob die Bank of England (BoE) geldpolitische Lockerungen signalisiert.    

Zu Beginn der Berichtssaison für das zweite Quartal rechnen die Analysten damit, dass die Gewinne der im S&P 500 enthaltenen Unternehmen um 5% zurückgehen. Falls sich dies bewahrheitet, wäre das Gewinnwachstum im fünften Quartal in Folge negativ. Angesichts der jüngsten Kursentwicklungen am Aktienmarkt – der S&P 500 hat seit dem ersten Quartal 2016 um über 4% zugelegt – könnten die Managementprognosen für das künftige Gewinnwachstum von größerer Bedeutung für die Anleger sein als die Unternehmensergebnisse im zweiten Quartal. Die in der vergangenen Woche bekanntgegebenen und besser als erwarteten Beschäftigungszahlen außerhalb des Agrarsektors haben den US-Markt sicherlich beflügelt. Aktienanleger sind jedoch tendenziell zukunftsorientiert. Und sie erwarten Folgendes:  ein Gewinnwachstum von 1% im dritten Quartal und  ein Gewinnwachstum von 9% im vierten Quartal bei USUnternehmen.

Wenn die amerikanischen Unternehmen in der Tat die Wende schaffen und wieder ein nachhaltiges Gewinnwachstum verzeichnen, könnten die derzeit hohen Bewertungen gerechtfertigt sein.

Vor dem Referendum hatte sich der Gewinnausblick für europäische Unternehmen insgesamt verbessert; die Gewinnrevisionsquote, die das Verhältnis zwischen Aufwärts- bzw. Abwärtskorrekturen der Gewinnprognosen angibt, war für europäische Unternehmen drei. Monate in Folge angestiegen. Zum Monatsende hin werden auch europäische Unternehmen ihre Zahlen für das zweite Quartal bekanntgeben. Dies dürfte mehr Klarheit darüber schaffen, wie rentabel sie tatsächlich sind und wie der Ausblick nach dem Brexit aussieht.

An makroökonomischen Daten stehen in der kommenden Woche die US-Baubeginne im Juni an. Seit dem Jahr 2009 ist am USImmobilienmarkt eine stetige Aufwärtstendenz festzustellen. Der Markt rechnet für Juni mit einem leichten Anstieg um 0,3% gegenüber dem Vormonat. Der Markit-US-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe dürfte im Juli mit 51,4 im Expansionsbereich verharren (Juni: 51,3). Der US-Dollar hat seit Jahresbeginn abgewertet, und es gibt Anzeichen dafür, dass der schwächere Dollar das verarbeitende Gewerbe in den USA stützt. In Europa wird in der kommenden Woche der Markit-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe für Juli bekanntgegeben. Er verharrt seit zwölf Monaten über dem Schwellenwert von 50, d.h. im Expansionsbereich.

Im Euroraum werden am Donnerstag alle Augen auf die Europäische Zentralbank gerichtet sein. Unsere Investmentstrategin Ann-Kathrin Petersen erläutert: Angesichts der Flucht der Anleger in sichere Häfen nach dem Brexit-Votum ist wieder die Sorge aufgekommen, dass Anleihen, die den Kaufkriterien der EZB entsprechen, knapp werden könnten. Derzeit weist ein Rekordvolumen von über 50% der Staatsanleihen im Euroraum eine negative nominale Rendite auf. Insbesondere der Bundesbank scheinen die für Käufe in Frage kommenden Anleihen auszugehen. Diese Knappheiten dürften durchaus auf dem Radar der EZB aufscheinen.

Die Politik spielt bereits seit einigen Wochen eine wichtige Rolle, und geopolitische Ereignisse dürften auf der Agenda bleiben. Die neu gewählte britische Premierministerin Theresa May könnte in den kommenden Wochen die Gespräche mit der Europäischen Union aufnehmen. Zunächst ist auf beiden Seiten mit weiteren rhetorischen Manövern zu rechnen. Darüber hinaus sollte der USPräsidentschaftswahlkampf Fahrt aufnehmen. Verstehen. Handeln.

Die Fundamentaldaten wie z.B. die Unternehmensgewinne und die makroökonomischen Daten verbessern sich sowohl in den USA als auch im Euroraum. Allerdings haben die vergangenen Wochen gezeigt, dass die Entwicklung an den Kapitalmärkten zumindest kurzfristig zunehmend von geopolitischen Ereignissen abhängt. Da die wirtschaftspolitischen Unsicherheiten (z.B. gemessen von www.policyuncertainty.com) weiterhin sehr hoch sind und die „harten Fakten“ dies nicht kompensieren dürften, wird die Marktvolatilität auf kurze Sicht wohl hoch bleiben.

Quelle: BondWorld.ch