BNY Mellon: Donald Trumps “First 100 Days” – Zwischenbilanz

„High-Yield-Anleihen – allen voran der US-Dollar-Markt – entwickelten sich nach dem Wahlsieg von Donald Trump sehr gut. Die Märkte beurteilten die Aussichten auf  ein mögliches Konjunkturprogramm in den USA, eine Senkung der Unternehmensbesteuerung sowie ein vergleichsweise lockeres aufsichtsrechtliches Umfeld in einer Reihe von Branchen optimistisch…..


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Ulrich Gerhard, Lead Manager des BNY Mellon Global Short-Dated High Yield Bond Fund bei Insight Investment


So entwickelten sich beispielsweise die Aktien von Bau- und Infrastrukturunternehmen gut, weil die Märkte unter der Trump-Administration mit einem für diese Industriezweige günstigeren Umfeld rechneten. Im Gegensatz dazu blieben Gesundheits- und Pharmafirmen deutlich hinter den Erwartungen zurück, weil man befürchtet, dass das Preisniveau in diesen Sparten genau unter die Lupe genommen werden könnte. Gleichzeitig machten die Aussichten für das US-Wirtschaftswachstum einen viel versprechenden Eindruck.

 
Allerdings herrscht nach wie vor grosse Unsicherheit, da im Hinblick auf die zukünftige politische Marschrichtung nach wie vor nur wenige Einzelheiten bekannt sind, zumal die neue Regierung bei einigen Themen zuletzt recht irritierende Signale ausgesandt hat. Darüber hinaus scheint das Ganze wesentlich länger zu dauern als ursprünglich erwartet. Das gilt auch für den erwarteten Anstieg der Inflation sowie das Entstehen neuer Geschäftsmöglichkeiten. Falls die Konjunktur zudem langsamer als erwartet wieder anziehen sollte, dürfte die US-Notenbank die Zinsen wahrscheinlich nicht massiv anheben. Unserer Meinung nach bringen diese Aspekte für die Märkte ein hohes Mass an Unsicherheit mit sich, die bei Anlagen mit hohem Beta – wie etwa Hochzinsanleihen – Wertschwankungen auslösen könnte.
 
Wir vertreten die Auffassung, dass ein eher “short-dated” ausgerichteter Investmentansatz bei Hochzinsanleihen von den positiven politischen Trends in den USA profitieren könnte. Gleichzeitig ist  man mit einer solchen Strategie besser positioniert, um mögliche Wertschwankungen infolge der politischen Unsicherheit abzufedern und davon sogar zu profitieren. Ein solcher Investmentansatz geht mit einem niedrigen Zinsrisiko und – was die Bonität betrifft – mit prognostizierbaren Cashflows einher, durch welche auch die Wahrscheinlichkeit einer Rückzahlung steigt.“



Bailer John TheBostonCompany
John Bailer, Lead-Manager des BNY Mellon US Equity Income Fund bei The Boston Company Asset Management


„Unserer Meinung nach wird Trump innerhalb der nächsten 100 Tage das Thema Steuerreform angehen. Wir erwarten, dass eine Reform der Unternehmensbesteuerung für US-Firmen einen grundlegenden Wandel mit sich bringen könnte. Und im Gegensatz zu früheren Bestrebungen dieser Art sind sowohl Präsident Trump als auch der von den Republikanern dominierte Kongress eindeutig für eine solche Reform.

Die angedachte Steuerreform sieht eine Senkung der Unternehmensbesteuerung von derzeit 35% auf dann möglicherweise 20% vor. Dadurch würde das steuerliche Umfeld in den USA wettbewerbsfähiger und die Abwanderung von Kapital auf Unternehmensebene praktisch gestoppt werden. Momentan ist der Regelsteuersatz in den USA so hoch wie in kaum einer anderen grossen Volkswirtschaft. Deshalb neigen die Firmen dazu, ihre Gelder im Ausland zu horten und keinen nennenswerten Anteil an ihren Cashflows an die Investoren auszuschütten. Die Steuerreform sollte die Gewinne von US-Unternehmen also steigern sowie das Wirtschafts- und das BIP-Wachstum ankurbeln. Allerdings dürfte diese Steuerreform ein unglaublich komplexes Unterfangen werden, bei dem immer wieder neue Entwicklungen berücksichtigt und verarbeitet werden müssen.

Wir gehen davon aus, dass die Reform der Unternehmensbesteuerung die Gewinne pro Aktie innerhalb des S&P 500-Index bis 2018 um 7% nach oben treiben könnte. Dies hat für 2018 ein attraktives KGV von 15 zur Folge, was angesichts des aktuellen Zinsniveaus durchaus als vernünftig zu bezeichnen ist. Ausserdem gibt es Unternehmen und Branchen, die von dem aktuellen Umfeld sogar überdurchschnittlich stark profitieren. So könnten beispielsweise die Gewinne von Finanzfirmen aufgrund einer niedrigeren Besteuerung um 18% nach oben klettern. Und bei höheren Zinsen, sinkenden aufsichtsrechtlichen Kosten sowie einem wieder anziehenden Kreditwachstum könnten die Gewinne in der Finanzbranche letztlich sogar noch wesentlich kräftiger ansteigen. Wir halten es für möglich, dass einzelne Unternehmen aufgrund dieser Veränderungen ein Gewinnplus von fast 50% vorlegen können.“


Hatfield Paul Alcentra Paul Hatfield, Global Chief Investment Officer, Alcentra:

„Aufgrund der Pläne, welche die Trump-Administration bisher vorgestellt hat, sind wir für Loans und Hochzinsanleihen aus den Branchen Gesundheitswesen und Technologie zurückhaltend gestimmt. Papiere aus dem erst genannten Segment könnten durch politische Entwicklungen unter Druck geraten, während einige Anleihen von Technologiefirmen durch das Verhalten der Konsumenten belastet werden könnten. Derweil haben das Wahlergebnis sowie die Massnahmen der OPEC-Staaten dem Energiesektor zwar eindeutig einen Schub gegeben, aber der starke US-Dollar und das steigende Angebot aus den USA könnten die Entschlossenheit der OPEC dämpfen und die Ölpreise beeinträchtigen. Die möglichen Auswirkungen der neuen Haushaltspolitik der Trump-Regierung beurteilen wir jedoch optimistisch und gehen davon aus, dass US-Loans und -Hochzinsanleihen davon profitieren sollten. Steigende Zinsen werden dazu führen, dass wegen der Duration wieder mehr Geld in Kredit-Fonds geschleust wird. Papiere mit Investmentstatus dürften unserer Einschätzung nach zwar in Mitleidenschaft gezogen werden, aber Hochzinsanleihen tendieren bei steigenden Zinsen üblicherweise fest. Falls es darüber hinaus zu einer Deregulierung kommen sollte, könnte auch die Nachfrage nach Finanzwerten wieder anziehen. Allerdings könnten einige andere grössere Belastungen diesem Sektor Probleme bereiten.“


Reinhart Vincent StandishVincent Reinhart, Chefökonom bei Standish Mellon Asset Management:


„Laut einer aktuellen Umfrage unter Ökonomen erwarten etwa neun von zehn Befragten für die nächsten drei Jahre ein reales BIP-Wachstum zwischen 1% und 3%. Historische Zahlen belegen aber, dass das BIP-Wachstum seit dem Zweiten Weltkrieg in lediglich 30% der Fälle innerhalb dieses engen Korridors gelegen hat. Dass die Ökonomen praktisch unisono völlig undramatische Prognosen abgeben, scheint im Widerspruch zu dem ununterbrochenen politischen Theater zu stehen, das sich derzeit in Washington abspielt. Diese Einschätzung teilen auch jene Investoren, die wohl eher mit ihrem Geld als mit ihrer Ehre abstimmen. So spiegelt sich in den Kursen am Markt derzeit weder eine gestiegene Unsicherheit wider noch wird eine zusätzliche Kompensation zur Absicherung gegen diese Unsicherheit verlangt. Stattdessen sind die bedeutenden Aktienindizes kürzlich auf neue Hochs geklettert, während die implizite Volatilität des S&P 500 Aktienkurs-Index ihren Abwärtstrend sogar noch fortgesetzt hat. Parallel dazu sind Absicherungen gegen ungünstige „Tail Risks“ für eben diesen Index momentan nicht besonders teuer, und auch die implizite Volatilität von Zins-Futures ist aktuell niedrig.

Daraus resultiert die unangenehme Möglichkeit, dass die Finanzmärkte bei der Bewertung von Investments ein Mass an Sicherheit bei den Konjunkturaussichten berücksichtigen, das offenbar überzogen ist. Dieser Zuversicht muss eigentlich die feste Erwartung zugrunde liegen, dass Präsident Trump wirklich umfassende politische Reformen auf den Weg bringen wird – einschliesslich einer Umgestaltung der Unternehmens- und Einkommensteuer, eines Ersatzes für den „Affordable Care Act“ sowie einer deutlichen Deregulierung, und zwar insbesondere im Bankensektor sowie in der Energiebranche. Doch Präsident Trump steht einer Koalition von Politikern mit ganz unterschiedlichen Auffassungen vor. Wirklich grundlegende gesetzliche Veränderungen umzusetzen, dürfte sich als schwierige Aufgabe erweisen – zumal seine Partei im Senat nur über eine knappe Mehrheit verfügt. Das übertrieben grosse Vertrauen der Marktteilnehmer in die Durchsetzungsfähigkeit der neuen Administration – und zwar sowohl im Hinblick auf den Umfang als auch auf eine kurzfristige Umsetzung solcher Massnahmen – wird also wahrscheinlich enttäuscht werden.“

 

Source: BondWorld.ch