Colesmith Gareth BNY Mellon Investment Management

BNY Mellon IM t: Wie Covid-19 auch das globale BIP befällt

BNY Mellon IM: Angesichts der sich mit zunehmenden Abschottungen und Unternehmensschliessungen überschlagenden Reaktionen auf die Corona-Krise, hat Insight Investment eine Einschätzung der potenziellen Auswirkungen auf das globale BIP vorgenommen.

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Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research, Insight Investment -BNY Mellon IM


Dies sind die Ergebnisse:

  1. In den meisten Volkswirtschaften ist ein Rückgang des BIP um etwa 15% wahrscheinlich.
  2. Die finanz- und geldpolitischen Reaktionen werden von zentraler Bedeutung sein, doch Unternehmensschliessungen könnten die Auswirkungen begrenzen.
  3. Arbeitslosigkeit, mögliche Lieferketten-Schwierigkeiten und Verhaltensänderungen sollten genau beobachtet werden, um Hinweise auf die Intensität eines möglichen Aufschwungs zu erhalten.
Tourismus- und Freizeitsektor muss mit Einbruch von bis zu 80 Prozent rechnen

Sektoren, die mit Tourismus und Freizeitaktivitäten verbunden sind, werden besonders stark von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen sein (Abbildung 1).

Sektoren, wie das Bau- und das verarbeitende Gewerbe werden sowohl durch arbeitsrechtliche Beschränkungen als auch durch mögliche Unterbrechungen der Lieferkette betroffen sein. Dennoch werden die Auswirkungen in diesem Bereich weniger schwerwiegend sein als beispielsweise im Gaststättengewerbe.

Abbildung 1: Auswirkungen der Krise auf die einzelnen Sektoren

16-04-20 BNY Mellon
Quelle: Insight Investment, März 2020

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unsere Ansichten zu den am stärksten betroffenen Sektoren werden weitgehend durch unterschiedliche Daten gestützt. So geht OpenTable beispielsweise davon aus, dass die Umsätze in Restaurants in den Vereinigten Staaten, Deutschland und Irland um mehr als 90 Prozent zurückgegangen sind. Es wird erwartet, dass weitere Regionen diesem Trend folgen werden. Ebenso lagen die Einnahmen an den US-Kinokassen in der Woche bis zum 19. März bei 58 Millionen Dollar, dem niedrigsten wöchentlichen Niveau seit 1998 und 70 Prozent unter dem Durchschnittswochenwert von 2019. Da weltweit immer mehr Kinos gezwungen sind, zu schliessen, ist mit einem weiteren Rückgang der Einnahmen zu rechnen.

Abbildung 2: Die am härtesten betroffenen Sektoren gehen in allen Ländern ähnliche Wege

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Quelle: Bloomberg. Daten vom 19. März 2020
Arbeitsmärkte stehen unter Druck

In den USA ist die Google-Suche nach “Arbeitslosigkeit” im Vergleich zum Vormonat um das Neunfache gestiegen. In Grossbritannien liegt der Faktor bei 2,5 und in Frankreich bei 14. In Deutschland, welches über einen einzigartigen Mechanismus zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes verfügt, hat sich jedoch wenig geändert. In den USA deuten vorläufige Daten auf Bundesstaatsebene aus Ohio und Connecticut auf eine Verzehnfachung der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in der dritten Märzwoche hin.

Ladenschliessungen beeinträchtigen Konsumverhalten

Die Umsetzung der Finanzpolitik in den einzelnen Ländern wird der entscheidende Faktor dafür sein, inwieweit Arbeitsmarktfragen eingedämmt werden und wie hoch die wirtschaftliche Erholung ausfallen wird. Anders als in einer typischen Rezession ist die Finanz- und Geldpolitik nur begrenzt in der Lage, die wirtschaftliche Kontraktion abzuschwächen. Selbst dort, wo der Einsatz von “Helikoptergeld” in Betracht gezogen wird (wie in den USA), wird das Konsumverhalten durch die soziale Distanzpolitik und Unternehmensschliessungen beeinträchtigt. Die Massnahmen zielen daher eher darauf ab, Unternehmen, Einzelpersonen und Märkten genügend Liquidität zur Verfügung zu stellen, um den Abschwung zu überwinden und eine deutliche Belebung der Wirtschaftstätigkeit zu erleichtern.

Zweistelliger Rückgang des BIP-Wachstums ist wahrscheinlich

Die unterschiedliche Beschaffenheit des Dienstleistungssektors und der Handelsbilanz jeder Nation führt vermutlich zu leicht unterschiedlichen wirtschaftlichen Ergebnissen. Wir rechnen jedoch mit einem zweistelligen Rückgang des BIP. Der Rückgang dürfte hierbei in den USA aufgrund eines kleineren Restaurantsektors und eines geringeren Handelsdefizits etwas geringer ausfallen. Aufgrund von Unbekannten über die Dauer und Wirksamkeit von Eindämmungsmassnahmen sind diese Prognosen mit einer viel grösseren Unsicherheit behaftet als in normalen Wirtschaftszeiten.

Abbildung 3: Die BIP-Prognosen von Insight Investment 

16-04-20 2 BNY Mellon
Quelle: Insight Investment, März 2020
Politische Massnahmen bleiben Schlüsselfaktor 

Die Geldpolitik wird wahrscheinlich für mehr als 12 Monate sehr akkommodierend sein, während die Finanzpolitik locker sein muss, um sicherzustellen, dass Unternehmen und Einzelpersonen über die notwendige Liquidität verfügen, um den Abschwung zu überstehen. Sollten die Behörden in der Lage sein, das Virus einzudämmen, wird dieser Stimulus wahrscheinlich die Voraussetzungen dafür schaffen, dass das Wachstum deutlich über dem Trend liegen wird. In den meisten Regionen rechnen wir damit, dass es mehr als 12 Monate dauern wird, bis das Niveau der Aktivitäten vor dem Virus wieder erreicht ist.

Drei Dinge, auf die es bei einer möglichen Erholung zu achten gilt:

1) Arbeitslosigkeit: Zwar könnte Helikoptergeld in Verbindung mit den Standardleistungen des Auffangnetzes entlassenen Arbeiternehmern helfen, doch müssen sie auf den Arbeitsmarkt zurückkehren, um den Konsum schliesslich aufrechtzuerhalten.
Aber wie schnell Arbeitnehmer in Restaurants, Hotels oder beispielsweise an Flughäfen wieder eingestellt werden, ist eine Schlüsselfrage. Je grösser der anfängliche Anstieg der Arbeitslosigkeit oder der Unternehmensinsolvenzen ist, desto grösser ist das Risiko, dass die Wirtschaft weiterhin arbeitslos bleibt.

2) Einschränkungen der Lieferkette: Diese werden wahrscheinlich die Rückkehr zur vollen Kapazität verzögern. In China ist dies ein mehrwöchiger Prozess, selbst wenn die Virusbeschränkungen aufgehoben werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden nicht alle Länder die Beschränkungen gleichzeitig aufheben. Aufgrund der globalen Natur der Versorgungskette wird die Produktion möglicherweise nicht so schnell wie die Nachfrage zurückkehren, wodurch sich die Erholung der Produktion verlängert.

3) Verhaltensänderungen: Die Schlüsselfrage ist hier, wie lange es (wenn überhaupt) dauern wird, bis die Verbraucher wieder bereit sind, auswärts zu essen, zu grossen Sportveranstaltungen zu gehen, zu fliegen und/oder zu reisen wie bisher. Diese Präferenzen lassen sich schnell anhand von Echtzeitdaten wie Filmtickets, Restaurantreservierungen sowie Informationen über die wöchentliche Ölnachfrage und die Anzahl der Flüge verfolgen. Aber auch die möglichen längerfristigen psychologischen Verhaltensauswirkungen dieses Ereignisses müssen berücksichtigt werden. Wollen Unternehmen und Einzelpersonen weniger Leverage aufrechterhalten oder mehr Liquidität halten, was die Sparquote erhöhen, den Verbrauch senken und Unternehmensinvestitionen aufschieben könnte? Diese Veränderungen werden sich erst mit der Zeit zeigen.

Quelle: BondWorld