Candriam: Asset Management bei politischen Risiken

Die US-Wahlen haben an den Finanzmärkten vieles verändert. Deflationsangst war gestern. Jetzt ist von Inflation und Reflation die Rede. Aktien und Unternehmensanleihen steigen, und in den Industrieländern ziehen die Zinsen an…..


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Nadège Dufossé


Die Investoren haben schnell reagiert und sich auf die neue Richtung vorbereitet. Und das Wort „Reflation“ löst heute offenbar kaum noch Diskussionen aus.

Wo stehen wir, nachdem sich risikoreiche Assetklassen ein Quartal lang gut entwickelt haben? Gibt es überzeugende Gründe für eine neue Ordnung in den USA? Welche Folgen haben die politisch bedingten Risikoaufschläge in Europa auf die Märkte des Euroraums? Sind die Emerging Markets eine gute Alternative zu den Industrieländern?

Die Wende in den USA ist da … solange die Reformvorschläge des neuen US-Präsidenten nicht zurückgenommen werden

Nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten hat sich das Blatt in den USA gewendet. Die Wirtschaft hat sich vollständig von der Finanzkrise 2008 erholt, die Deflation ist zu Ende, die Erholung hat eingesetzt. Es herrscht eine neue Ordnung. Die US-Konjunktur wird weiter stark bleiben, dank der Aussicht auf höhere Staatsausgaben. Eine expansivere Fiskalpolitik und eine Steuerreform in den USA sind grundsätzlich gut für Aktien. Dennoch bleiben die politischen Risiken sehr hoch, sodass sich die Titel sehr unterschiedlich entwickeln dürften und es wohl zu starken Sektorrotationen kommen wird.

An den Anleihenmärkten läutet die neue Lage das Ende der Erholung, einen Inflationsanstieg und das Ende der lockeren Geldpolitik ein. Die Zinsen werden steigen. Alle Augen richten sich auf die Federal Reserve, die für 2017 und 2018 drei Zinserhöhungen in Aussicht stellt. „Weil es an den Anleihenmärkten jetzt viel langsamer vorangehen wird und die faire Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei etwa 3% liegt, erscheint uns hier eine unterdurchschnittliche Duration vernünftig – zumal sich die Fed vorgenommen hat, die Geldpolitik stark zu straffen“, erklärt Nicolas Forest, verantwortlich für das Anleihenmanagement. Alles in allem erwarten wir ein steigendes Interesse an Papieren, die von einer Belebung der Wirtschaft profitieren, zumal jetzt nicht mehr nur einzelne Sektoren anziehen. „Wie sich die Märkte tatsächlich entwickeln, hängt vor allem davon ab, ob die Investoren darauf vertrauen, dass Donald Trump seine wirtschaftspolitischen Versprechen halten kann“, fügt Nadège Dufossé hinzu, die für die Asset-Allokation verantwortlich ist.

Damit die Aktienkurse steigen können, müssen die politischen Risiken in Europa zurückgehen

Die Euroraumkonjunktur verbessert sich weiter. Geschäftsvertrauen, Unternehmensgewinne und Inflation steigen. Der seit 2012 bestehende „Draghi Put“ dürfte seine Wirkung verlieren, wenn die EZB ihr Anleihenkaufprogramm schneller zurückfährt als erwartet. Das Extremrisiko, dass die Euroskeptiker die Wahl in Frankreich gewinnen, und eine mögliche Erschütterung der politischen Landschaft in Italien sorgen für hohe Unsicherheit. Deshalb erfordern Anlagen in europäische Staatsanleihen einen taktischen und umsichtigen Ansatz. 

In der Risikoprämie europäischer Aktien sind die derzeitigen politischen Risiken weitgehend berücksichtigt. Die Wahlen in Frankreich sind entscheidend. „Europäische Aktien sind günstig bewertet. Zwar kehren immer mehr Investoren an den Aktienmarkt zurück, aber in den meisten Portfolios sind die Aktienquoten noch lange nicht wieder so hoch wie früher. Wenn die politischen Risiken zurückgehen, dürften sich wieder mehr Anleger für europäische Aktien entscheiden“, erläutert Nadège Dufossé. Die Spreads europäischer Unternehmensanleihen sind so niedrig wie selten zuvor, sodass man einen Teil der Gewinne realisieren sollte. Anleihen von Finanzanleihen bleiben aber interessant. Sie profitieren von gläubigerfreundlichen Regulierungen, stabilen Unternehmensbilanzen und einer attraktiven Bewertung. 

Emerging-Market-Anleihen: vergleichsweise interessant

Nach einigen unruhigen Jahren erscheinen die Emerging Markets seit Anfang 2017 wieder stabiler. Ihre Fundamentaldaten sind gut, sie wachsen doppelt so stark wie die Industrieländer, ihre Binnennachfrage steigt und ihre Aussenbilanzen verbessern sich.Forest Nicolas Candriam

Die Risiken in China scheinen zurückzugehen. Das BIP-Wachstum entspricht den Erwartungen der Regierung, die allmählich bereit ist, weniger Wachstum zu akzeptieren, um die finanziellen Risiken in den Griff zu bekommen. In diesem Jahr dürfte aus der angestrebten sanften Landung Chinas kein systemisches Risiko werden.

Die Lateinamerika profitiert von der Rückkehr zu Normalität – sowohl bei den Anleihen als auch bei den Währungen. „Emerging-Market-Anleihen lassen attraktive Erträge erwarten, auch wenn es grosse Unterschiede gibt“, sagt Nicolas Forest. Nicht alle Länder sind gleich stark von möglichen Massnahmen Donald Trumps betroffen. Deshalb bevorzugen wir interessante hochverzinsliche Anleihen beispielsweise aus Argentinien und Brasilien. Auch das auch das Aufwertungspotenzial lateinamerikanischer Währungen ist vielversprechend.

 

Quelle: BondWorld.ch