Candriam :Weltwirtschaft: Wieder mehr Wachstum bei steigenden politischen Risiken

Der Konjunktur- und Finanzausblick von Candriam …..

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Von Brender Anton Chefökonom und Florence Pisani  Leiterin Wirtschaftsanalyse


Nach der erneuten Abkühlung 2016 dürfte die Weltkonjunktur nächstes Jahr wieder anziehen. Während der Euroraum vermutlich weiter nur langsam, aber stetig wächst, könnte die US-Wirtschaft von einer expansiven Fiskalpolitik profitieren. In den Emerging Markets wird das Wachstum zum ersten Mal seit 2010 wieder etwas höher ausfallen – und zwar trotz der anhaltenden Abkühlung in China. Ob diese Trends sich verfestigen, ist allerdings alles andere als sicher. Die Spuren der tiefen Rezession sind noch lange nicht beseitigt, und es gibt zahlreiche politische Unsicherheiten.

Emerging Markets: Leichter Aufschwung in Sicht

Die Emerging Markets wachsen naturgemäss unterschiedlich stark. In China wird sich die Abkühlung fortsetzen, allerdings weiter in verhältnismässig geordneten Bahnen. Durch bereits beschlossene politische Massnahmen (geldpolitische Lockerung und höheres Staatsdefizit) dürfte die Regierung ihr Wachstumsziel von 6,5% erreichen. Die verhältnismässig gute Entwicklung der chinesischen Wirtschaft hat zu stabileren Rohstoffpreisen beigetragen – mit positiven Auswirkungen für alle rohstoffexportierenden Emerging Markets. Russland und Brasilien dürften nach dem harten Einbruch 2017 wieder wachsen. Die Inflation scheint wieder unter Kontrolle, und die Zentralbanken haben genug Spielraum, um den Aufschwung durch eine expansivere Geldpolitik zu stützen.

USA: Am Wendepunkt

Die US-Wirtschaft wächst zwar mittlerweile das achte Jahr in Folge, 2016 allerdings nur um 1,5%. Vielfach wird deshalb bereits befürchtet, der Aufschwung könne zum Erliegen kommen. Wir halten das allerdings für wenig wahrscheinlich. Bislang deutet nichts auf ein volkswirtschaftliches Ungleichgewicht hin. Die Haushaltsverschuldung ist nicht zu hoch und es gibt keine Blase am Wohnimmobilienmarkt. Die Unternehmensinvestitionen steigen moderat, ebenso wie die Löhne und Gehälter. Die Federal Reserve hat deshalb zurzeit kaum einen Grund für eine schnelle Normalisierung der Geldpolitik. Die Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten könnte die Situation allerdings deutlich verändern. Wenn die in seinem Wahlprogramm versprochenen Steuersenkungen und Infrastrukturprojekte auch nur ansatzweise umgesetzt werden, wird die Konjunktur deutlich an Fahrt gewinnen. „Derzeit ist zwar noch nicht absehbar, wie stark und wie umfassend diese Massnahmen tatsächlich sein werden. Wir gehen aber davon aus, dass sie sich ab 2017, und 2018 in vollem Umfang, auf die Konjunktur auswirken. Das Wachstum könnte dann auf über 3% steigen, während sich das Staatsdefizit fast verdoppeln dürfte“, so Anton Brender, Chefökonom von Candriam. Selbst wenn die Fed ihren aktuellen Kurs weiterverfolgen will, wird sie die Geldpolitik dann etwas schneller straffen müssen. Deshalb stehen zurzeit zwei bis drei Zinserhöhungen 2017 im Raum.

Euroraum: Langsames, aber stetiges Wachstum

Pisani Florence Candriam

 Auch die Entwicklung in Europa war 2016 von politischen Turbulenzen geprägt (Brexit-Referendum, schwierige Regierungsbildung in Spanien, Verfassungsreferendum in Italien…). Trotzdem blieb das Wachstum 2016 stabil In Grossbritannien dürfte es bei über 2% liegen, im Euroraum bei über 1,5%. Zudem scheint sich der Aufschwung im Euroraum zunehmend selbst zu tragen. Es sind viele neue Arbeitsplätze entstanden, das verfügbare Einkommen steigt und stützt den Konsum und die Unternehmen investieren aufgrund der besseren Nachfrageprognosen wieder mehr. „Aber auch 2017 bleiben die politischen Risiken hoch. In vielen Ländern wird gewählt, zuerst in den Niederlanden, dann in Frankreich und zuletzt in Deutschland. Die Populisten und mit ihnen die Fliehkräfte haben Auftrieb. Sie könnten sich zu einer ernsthaften Bedrohung für den Euroraum entwickeln“, so Florence Pisani, Leiterin Wirtschaftsanalyse bei Candriam. Die EZB dürfte deshalb weiter alles tun, was in ihrer Macht steht, um zu verhindern, dass sich Finanzierungsbedingungen im Euroraum verschlechtern.

 

 

Quelle: BondWorld.ch