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Capital Group : Rückschläge als Chancen für Anleihenmanager

Capital Group : Auch die Anleihenmärkte stehen weiterhin unter dem Einfluss der Coronakrise.

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Von Peter Becker, Investment Director Fixed Income bei Capital Group


Expansive Geldpolitik, Konjunkturpakete und steigende Inflation sorgen für Turbulenzen.

Am Anleihenmarkt beobachtet man die Entwicklung der Covid-19-Pandemie ganz genau: Mit der Hilfe expansiver Fiskalpolitik und weitreichender Konjunkturpakete zog die Konjunktur deutlich an. „Man rechnet am Markt jetzt schon früher mit Zinserhöhungen als noch am Jahresanfang,“ so Peter Becker. „Am Terminmarkt werden Leitzinserhöhungen um etwa 80 Basispunkte bis Ende 2023 erwartet.“ Er glaube aber, dass die Fed die Zinsen am Ende weniger stark anheben werde. Fed-Chairman Jerome Powell bestätigte, dass die Fed nichts überstürzen wolle. Er führe den vorübergehenden kurzfristigen Inflationsanstieg auf Basiseffekte und einen Nachfrageschub beim Reboot der Wirtschaft zurück. Ein weiterer Renditeanstieg mache ihm nur Sorgen, wenn er turbulent verliefe oder die Ziele der Fed aufgrund dauerhaft straffer Finanzbedingungen gefährdet seien. Auch in anderen Ländern erhole sich die Konjunktur, auch wenn die Impfkampagne je nach Region unterschiedlich verlaufe. „Wir halten kurz- bis mittelfristig Rückschläge bei den Anleihenkursen für gute Einstiegsmöglichkeiten,“ so Becker. Dazu schaut er sich die Entwicklungen an drei Anleihenmärkten genauer an:

1. USA

„Die langfristigen Renditen sind in den USA mittlerweile wieder nahezu auf dem gleichen Stand wie kurz vor Corona,“ erläutert Becker. Am Rentenmarkt rechne man in allen Laufzeiten mit einem weiteren Renditeanstieg. „Dass es kurzfristig dazu kommt, bezweifeln wir allerdings, insbesondere bei Kurzläufern,“ so Becker. Mittelfristig könnten die Renditen aber weiter steigen, Grund dafür sei die fortschreitende Erholung der Konjunktur. „Den stärksten Anstieg erwarten wir dann bei der Zehnjahresrendite,“ sagt Becker. „Hier dürfte sich die Straffung der Geldpolitik in Form einer graduellen Reduktion der Anleihenkäufe, die wahrscheinlich in 2022 ansteht am stärksten auswirken.“ Die Fed werde mit der Ankündigung dieser Straffung aber noch warten, da sie eher reagieren als zu früh handeln wolle, um ihre Ziele zu erreichen. „Wir sind uns relativ sicher, dass die Fed bei der Straffung ähnlich vorgehen wird wie 2013 bis 2015,“ so Becker. „Aber auch bei einer weniger expansiven Geldpolitik sehen wir das Risiko deutlich ansteigender Kurzfristzinsen als begrenzt an.“ Interessant seien dann Kurzläufer, die davon profitieren, wenn die Fed die Zinsen weniger stark anhebt als der Markt derzeit erwartet. Bislang habe man für den Fall einer Risikoaversion und einer Abflachung der Zinsstrukturkurve am Ende auf Langläufer gesetzt. Nun würden stattdessen Titel mit kürzerer Laufzeit bevorzugt.

2. Europa

In Europa seien Probleme bei der Covid-19 Impfkampagne erwartet worden, was sich durch Strategiewechsel und Verzögerungen bestätigt habe. „Die europäische Wirtschaft schien trotzdem krisenfest,“ sagt Becker. „Die Zahlen des Dienstleistungssektors blieben stabil und auch die Indikatoren für das verarbeitende Gewerbe waren zuletzt sehr gut.“ Die Impfungen hätten dennoch teilweise für Probleme gesorgt, sodass es zeitweise zu weiteren Kontaktbeschränkungen kam. Mit dem Voranschreiten der Impfkampagne sei die europäische Wirtschaft aber in einer guten Position, um parallel zur Erholung der Weltwirtschaft zu wachsen: „Der Konsens ist, dass das reale Euroraum-BIP 2021 um 4,25 Prozent wächst,“ so der Experte. „Die Inflation wird den Prognosen zufolge auf 1,5 Prozent steigen.“ Das Pandemie-Notfallkaufprogramm der EZB sorge aber weiter für eine bessere Markttechnik. Die EZB habe im März mitgeteilt, dass sie die Wertpapierkäufe beschleunigen will. Dennoch könnten die Erholung der Weltwirtschaft und ein entsprechender Anstieg der US-Renditen auch die europäischen Renditen weiter steigen lassen. „Deshalb setzen wir insgesamt auf eine kürzere Duration,“ erklärt er. „Chancen bieten ausgewählte Peripherieländeranleihen.“ Aufgrund der Tendenz zu höheren Renditen und einer potentiell höheren Volatilität sei aber Vorsicht geboten.

3. Japan

„Die Bank of Japan hat im März mehrere kleinere Änderungen ihrer Geldpolitik vorgenommen,“ erläutert Becker. Demnach sei zwar weiterhin eine Zehnjahresrendite „nahe null“ anzustreben, doch könne sie nun um +- 25 Basispunkte davon abweichen, statt wie bisher nur um 20 Basispunkte. Die BoJ habe außerdem die Zusage widerrufen, in einem vorab definierten Rahmen Aktien zu kaufen. „Sie kaufen zwar weiterhin Aktien mit einer Obergrenze, aber jetzt ist der Zeitrahmen flexibel,“ so Becker. „Es wird nur noch gekauft, wenn die Notenbank dies für sinnvoll hält.“ Die BoJ könne so ihre Zinsen senken, um bei Bedarf die Finanzbedingungen zu lockern, zugleich würden die negativen Nebenwirkungen der lockeren Geldpolitik gemildert. „Die Geldpolitik der BoJ dürfte auch auf absehbare Zeit expansiv bleiben,“ so Becker. „Die Inflation ist noch weit von den zwei Prozent entfernt.“ Dies läge an einer Outputlücke, aber auch daran, dass die Regierung bei ihren Maßnahmen auf Preissenkung setze. Bei japanischen Anleihen solle man aber trotzdem vorsichtig sein: „Wir glauben, dass die Notenbank Wege suchen wird, um für eine steilere Zinsstrukturkurve zu sorgen, ohne die Geldpolitik zu straffen.“ Dazu erhöhe die BoJ auch ihre Bankensubventionen, wie der Anstieg der Kredite in ihrer Bilanz zeigt. Durch Diversifikation der geldpolitischen Instrumente könne sich aber der Druck auf langlaufende Staatsanleihen verringern.

Source: BondWorld.ch