„Die Ruhe vor dem Sturm?“

In Anbetracht von zahlreichen Zinsentscheidungen internationaler Notenbanken, allen voran jener der US-Notenbank (Fed), der Parlamentswahl in den Niederlanden, dem anstehenden G-20 Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs sowie wichtiger (US-) realökonomischer….


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Von Stefan Scheurer Director, Global Capital Markets & Thematic Research


Daten scheint der Beginn der abgelaufenen Kalenderwoche am trefflichsten unter das Motto „Die Ruhe vor dem Sturm“ zu fallen. Anleiherenditen wie auch Aktienmärkte führten ihren Aufwärtstrend dann demnach zum Wochenstart fort. Das Reflationierungsszenario hat weiterhin Bestand.  

Da schien selbst die Diskussion um eine potentielle Anhebung des Einlagensatz der Europäischen Zentralbank (EZB) – noch bevor die Anleiheaufkäufe zurückgefahren werden – zu verpuffen, sowie die Tatsache, dass die US-Notenbank (Fed) langsam auf ihren Normalisierungspfad einschwenkt, wie zahlreiche falkenhafte Aussagen diverser Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed über die letzten Wochen zu erkennen gaben. Denn die Konjunkturdaten waren konsistent mit einem weiteren Zinsschritt der Fed, vor allem weil sich der USArbeitsmarkt weiter in einer robusten Verfassung präsentierte. Das zeigte nicht nur der Stellenzuwachs außerhalb der Landwirtschaft, sondern auch die erneut gesunkene Arbeitslosenrate. Während der Zinsschritt der Fed selbst längst eingepreist war, dürfte der Ausblick auf die zukünftige Zinspolitik bzw. die Geschwindigkeit der Zinserhöhungen 2017/2018 die Märkte in den kommenden Wochen beschäftigen. Laut den Fed Fund Futures preist der Markt mittlerweile für das Gesamtjahr 2017 fast drei US-Zinserhöhungen vollständig ein, für 2018 zwei weitere als nahezu sicher. Graduell steigende Kerninflationsraten und eine stärkere Lohndynamik lassen sogar eine noch härtere Gangart erwarten.

Die US-Dollar-Stärke der letzten Wochen bzw. das Einpreisen weiterer USZinsanhebungen scheint bereits weit vorangeschritten zu sein – Investoren haben zuletzt auch massiv ihre Long-Positionen im US-Dollar reduziert –, so dass das Aufwertungspotenzial für die US-Währung begrenzt sein dürfte. Und ein schwächerer Greenback sollte sich nicht nur positiv auf den Welthandel auswirken, sondern auch für die asiatischen Schwellenländer weiterhin von Vorteil sein: Der Citi Economic Surprise Index für die Region Asien-Pazifik, der die Überraschungen der veröffentlichten Konjunkturdaten misst, befindet sich auf den höchsten Stand seit Sommer 2010. Die positiven ökonomischen Überraschungen zeigten sich zuletzt auch in Chinas besser als erwarteten Konjunkturindikatoren. Zudem scheinen die politischen Risiken in dieser Region weniger ausgeprägt. So deutet das Wahlergebnis in Indien auf anhaltende Kontinuität durch die regierenden Partei des amtierenden Premierminister Narendra Modis hin.

Apropos politische Risiken: Nachdem nun die offiziellen Ergebnisse der Parlamentswahlen vorliegen, beginnt der Regierungsprozess in den Niederlanden (Link). Doch politische Risiken sind nach wie vor allgegenwärtig. „Neuzugänge“ sind die UK-Exit Überlegungen Schottlands und Nordirlands. Dessen ungeachtet könnte Theresa May in diesem Monat den Artikel 50 zum Austritt aus der EU ziehen.

Die Woche voraus

Die kommende Kalenderwoche beginnt in den USA mit – dem Aktivitätsindex für die Industrie von der Kansas Fed (Mo), – gefolgt von zahlreichen Immobilienmarktdaten (Mi und Do) sowie den wöchentlichen Arbeitsmarktdaten (Do). – Der Fokus der Investoren dürfte sich jedoch vorwiegend auf den Markit Einkaufsmanager-index für das verarbeitende Gewerbe sowie den Auftragseingang für langlebige Wirtschafts-güter richten (beide Fr).

Für den Euroraum steht neben dem Verbrauchervertrauen (Do) vor allem der vorläufige Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit (Fr). Länderspezifisch könnten diverse Sentimentindikatoren von Interesse sein – in Deutschland das GfK-Verbrauchervertrauen und für Frankreich der Geschäftsklimaindex (beide Do) – sowie die ebenfalls vorläufig veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes (Fr), während im Vereinigten Königreich vor allem die Verbraucherpreise (Di) und die Einzelhandelsumsätze (Do) mit Argusaugen beobachtet werden dürften. Zwar überraschte die britische Wirtschaft zuletzt auf der positiven Seite, jedoch haben die Langfristrisiken in Erwartung eines „harten Brexits“ deutlich zugenommen. Die starke Abwertung des britischen Pfunds sollte zu erhöhten Preisdruck führen, der sich bereits in stark steigenden Importpreisen abzeichnet.

In Asien sind es vor allem die Konjunkturdaten aus Japan, namentlich die Handelsdaten (Di) sowie der vorläufige Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (Fr). Der im letzten Monat etwas schwächere Yen könnte für eine leichte Verbesserung der japanischen Exporte sprechen, hingegen dürfte es der Einkaufsmanagerindex schwer haben, das im Vergleich zum historischen Durchschnitt aktuell hohe Niveau zu halten.

Handeln

Während das US-Bärenlager zuletzt deutlich an Zulauf gewann und gemäß der jüngsten Umfrage der American Association of Individuell Investors auf dem höchsten Stand seit Mitte Februar liegt, befinden sich die Netto-Long-Positionierungen auf US-Staatsanleihen bzw. den Ölpreis teils auf dem höchsten Niveau seit 2014 (siehe unsere Grafik der Woche). „Ruhe vor dem Sturm“? Aufmerksamkeit ist auf jeden Fall angebracht, denn bei niedrigem Handelsvolumen und einseitigen Positionierungen kann das Sentiment schnell drehen und zu stärkeren Böen an den Kapitalmärkten führen.

Wetterfestigkeit für Ihr Portfolio wünscht Ihnen,

Quelle: BondWorld.ch